Olaf Scholz | Bildquelle: dpa

Scholz zu SPD-Vorsitz "Ich bewerte die Lage neu"

Stand: 18.08.2019 13:20 Uhr

Erst wollte er nicht antreten, nun die Kehrtwende: Olaf Scholz begründet die Bereitschaft zur Kandidatur für den SPD-Vorsitz mit dem mangelnden Interesse prominenter Genossen am Spitzenamt.

Vizekanzler Olaf Scholz begründet seine Bereitschaft zur Kandidatur für den SPD-Vorsitz mit dem mangelnden Interesse prominenter Genossen an dem Spitzenamt. "Es tut der SPD nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut. Das stimmt ja nicht. Auch nicht für mich", sagte der Finanzminister der "Bild am Sonntag".

Scholz hatte noch im Juni nach dem Rücktritt seiner Vertrauten Andrea Nahles erklärt, aus zeitlichen Gründen nicht für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen. Seine Kehrtwende begründete er nun so: "Ich bin nicht eitel genug, um mich für den einzig Richtigen zu halten. Aber ich bewerte die Lage neu." Aus Verantwortung für die SPD habe er damals gesagt, dass er den Parteivorsitz nicht anstrebe. Nun seien aber einige Wochen ins Land gegangen. "Viele von denen, die ich gern an der Spitze gesehen hätte, kandidieren nicht. Das kann ich nicht ignorieren."

Will Finanzministerium während Kandidatur weiter leiten

Scholz betonte, dass er "natürlich" auch während der Kandidatur mit den 23 Regionalkonferenzen das Finanzministerium leiten werde. "Es geht hier gerade nicht um Arbeitsbelastung, sondern um die SPD."

Über seine Siegchancen bei dem Mitgliederentscheid über den SPD-Vorsitz äußerte sich Scholz zurückhaltend. "Es wird eine wichtige und spannende Auseinandersetzung."

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Bewerber für den SPD-Vorsitz

Mehr als ein Dutzend Genossen bewerben sich um den SPD-Parteivorsitz. Darunter einige bekannte - wie Finanzminister Scholz - aber auch weniger bekannte Gesichter.

Olaf Scholz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz tritt jetzt doch für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles an - und zwar im Tandem mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. | Bildquelle: dpa

Kandidatur-Partnerin bislang unbekannt

Unklar ist bislang, wann Scholz seine Kandidatur offiziell macht. Auf die Frage, ob und mit welcher SPD-Politikerin er zusammen antreten werde, sagte er beim Tag der offenen Tür in der Bundespressekonferenz, dass er das Vorhaben einer Doppelspitze unterstütze. Es sei der richtige Weg, dass sich Frauen und Männer gemeinsam um die SPD-Spitze bemühen.

Ihm gehe es aber nicht nur darum, zu kandidieren, sondern darum, mit derjenigen, mit der er antreten wolle, die Sache sorgfältig durchzusprechen, bevor man an die Öffentlichkeit gehe. Man könne aber sicher sein, dass alles auf einem guten Weg sei. "Diese Ernsthaftigkeit bitte ich mir zu ermöglichen", sagte er.

Frist bis zum 1. September

Die Bewerbungsfrist bei der SPD läuft noch bis 1. September. An diesem Tag muss die SPD zugleich herbe Verluste bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen fürchten. Die neue SPD-Spitze soll dann in einer Mitgliederbefragung faktisch bestimmt und auf einem Parteitag Anfang Dezember gewählt werden. Die formal nötige Unterstützung aus der Partei für eine offizielle Bewerbung hatten sich als erstes Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann gesichert.

Insgesamt sind es bislang 13 Kandidatinnen und Kandidaten. Ihre Bewerbung angekündigt haben auch die Duos Gesine Schwan/Ralf Stegner, Simone Lange/Alexander Ahrens, Boris Pistorius/Petra Köpping auch Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann sowie die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer.

Zudem wollen sich der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, und der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow als Einzelkandidaten bewerben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. August 2019 um 09:00 Uhr.

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