Schüler des Gymnasiums Carolinum arbeiten mit iPads im Unterricht (Archivbild: November 2018) | Bildquelle: picture alliance/dpa

Kritik an Schulöffnungen Zweifel an Rückkehr zu Regelbetrieb

Stand: 04.08.2020 09:21 Uhr

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen halten SPD und Gewerkschaften die Rückkehr zum Präsenzunterricht an Schulen für problematisch. Schulen seien nicht ausreichend vorbereitet.

SPD und Lehrergewerkschaften sehen den Schulstart mit Sorge. Wegen steigender Infektionszahlen warnen sie bei einer Rückkehr zum Präsenzunterricht nach den Sommerferien vor gesundheitlichen Risiken. SPD-Chefin Saskia Esken hält eine Rückkehr zur gewohnten Normalität an Schulen für eine Illusion, sagte sie der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Auch die Aufgabe von Abstandsregeln zieht sie in Zweifel: Nötig seien Unterrichtskonzepte, "die die Kontakte beschränken", forderte Esken mit Blick auf den teilweise geplanten Verzicht auf bestimmte Schutzmaßnahmen an den Schulen. Geteilter Unterricht, zu dem beispielsweise für Sport, oder Fremdsprachen verschiedene Gruppen zusammenkommen, müsse in Zeiten des Coronavirus anders organisiert werden. "In dieser Situation muss man vielleicht die Wahlmöglichkeiten einschränken", so Esken.

GEW: Alle Beteiligten müssen vorsichtig sein

Auch die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb für unrealistisch. "Es wird keinen flächendeckenden, vollumfänglichen Regelschulbetrieb wie vor Corona geben", sagte ihr Bundesvorsitzender Udo Beckmann der "Welt". Ähnlich sieht es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Schulöffnungen stellten ein hohes Risiko dar. "Alle Beteiligten müssen vorsichtig sein und das Abstandsgebot einhalten“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe der "Passauer Neuen Presse". "Die Schulen geraten jetzt beim Start im Regelbetrieb in eine schwierige Situation."

Kritik an unzureichender Vorbereitung

Theorie und Praxis der Unterrichtsgestaltung werden wohl weit auseinandergehen, befürchten die Gewerkschaften. Die Politik habe eine Illusion geweckt und etwas als realisierbar dargestellt, "was selbst bei gleichbleibend niedrigem Infektionsgeschehen nicht umgesetzt werden könnte", kritisiert Beckmann von der Lehrergewerkschaft VBE.

In manchen Schulen werde es keinen normalen Regelbetrieb geben können, glaubt auch Gewerkschafterin Tepe. Sie verweist auf die unterschiedlichen Gegebenheiten an den einzelnen Schulen. Ihr zufolge wäre es besser gewesen, wenn die Gesundheitsämter vorab alle Schulen hätten begutachten und deren Hygienepläne prüfen können. Dabei hätten Fragen geklärt werden müssen wie "Sind die Räume groß genug?" oder "Kann ausreichend gelüftet werden?".

Verweis auf Lehrermangel

Ein weiteres Problem liegt nach Einschätzung von VBE-Chef Beckmann in der Personalsituation. Er verweist auf den akuten Lehrermangel, den es schon vor der Corona-Krise gegeben habe. "Die personellen Ressourcen reichen trotz Einstellung von Seiteneinsteigenden und der Reaktivierung älterer Lehrkräfte aus Pension und Rente nicht aus." Einig sind sich die Gewerkschaften und die SPD aber auch darin, dass es grundsätzlich gut ist, dass die Schule wieder losgeht - wenn auch die Frage des "Wie" Sorgen bereitet.

Unterschiedliche Regelungen in den Ländern

Am Montag war Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland seit der Corona-Krise ins neue Schuljahr gestartet. Landesbildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte zugleich eine allgemeine Maskenpflicht außerhalb der Unterrichtsräume ins Gespräch gebracht. Das Kabinett in Schwerin will im Laufe des Tages darüber beraten.

Am Donnerstag geht die Schule in Hamburg wieder los: Die Schüler sollen außerhalb des Unterrichts verpflichtend einen Mund-Nasen-Schutz tragen, hatte Hamburgs Schulsenator Rabe gestern angekündigt. Kommende Woche beginnt die Schule dann in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen soll auch im Unterricht Maske getragen werden; in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein ist bislang nicht die Rede von einer Maskenpflicht.

SPD-Chefin Esken und Lehrergewerkschaften kritisieren Regelunterricht
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
04.08.2020 13:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. August 2020 um 10:00 Uhr.

Darstellung: