Ein Plakat weist auf die Maskenpflicht in einer Schule hin | Bildquelle: dpa

Virologe zu Corona-Fällen "Nicht die ganze Schule zumachen"

Stand: 07.08.2020 20:37 Uhr

Wie soll Unterricht in Corona-Zeiten aussehen? Mehrere Virologen haben dazu eine Erklärung formuliert. Einer der Unterzeichner kritisiert die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort waren zwei Schulen geschlossen worden.

Nur wenige Tage nach dem Unterrichtsbeginn in Mecklenburg-Vorpommern sind zwei Schulen im Land wieder geschlossen. Der Grund: Corona-Infektionen. Ist das der richtige Weg?

Dies stellt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit infrage: Im Deutschlandfunk kritisierte er, alle Empfehlungen sprächen sich dagegen aus, so vorzugehen, dass nun die Eltern wieder 14 Tage zuhause säßen und sich um die Kinder kümmerten. "Wenn ein Schüler oder ein Lehrer infiziert ist, darf es auf keinen Fall dazu führen, dass sofort die ganze Schule zugemacht wird", sagte er im Sender "Welt". Das sei nicht das Vorgehen, wie es in den nächsten Wochen und Monaten stattzufinden habe.

Zwei Schulschließungen nach ersten Fällen im Klassenzimmer
tagesthemen 21:45 Uhr, 07.08.2020, Jennifer Lange, NDR

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Virologen empfehlen Alltagsmasken auch im Unterricht

Zusammen mit anderen Virologen - darunter Charité-Virologe Christian Drosten und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann - schlägt Schmidt-Chanasit vor, die Klassengrößen abhängig von der Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Zudem sollten aus virologischer Sicht feste Kleingruppen definiert werden mit möglichst geringer Durchmischung der Gruppen im Schulalltag.

"Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen", heißt es in dem gemeinsamen Papier der Wissenschaftler. Sie fordern eine bessere Durchlüftung der Klassenräume, um die Gefahr durch Aerosole zu reduzieren. Außerdem sprechen sie sich "aus alleiniger virologischer Sicht", wie es einschränkend heißt, für das "konsequente Tragen von Alltagsmasken in allen Schuljahrgängen auch während des Unterrichts" aus. Dies solle durch eine altersgerechte Einführung der Kinder in die Notwendigkeit und den Umfang von Präventionsmaßnahmen begleitet werden.

Ähnlich sieht das auch der Lehrerverband. Nach Ansicht von Präsident Heinz-Peter Meidinger hat lediglich NRW die richtigen Maßnahmen zum Schulstart ergriffen. Dort müssen ältere Schüler auch im Unterricht Maske tragen. "Wenn man Schulen wieder komplett öffnet, dann muss man als Ersatz für die wegfallende Mindestabstandsregelung im Klassenzimmer wirksame alternative Hygieneschutzmaßnahmen ergreifen", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. In Mecklenburg-Vorpommern sei da zu wenig geschehen. Wenn es nicht gelinge, bei vollständig geöffneten Schulen den Gesundheitsschutz hochzuhalten, müsse man wieder darüber nachdenken, in den Wechselbetrieb zwischen Präsenz- und Distanzunterricht zurückzuschalten.

Landesregierung verteidigt Schutzkonzept

Die Schweriner Bildungsministerin Bettina Martin verteidigte den in Mecklenburg-Vorpommern eingeschlagenen Weg: "Unser Schutzkonzept in MV hat das Ziel, dass bei einem Verdachtsfall in einer Schule zielgenau und begrenzt reagiert wird, ohne dass es wieder zu flächendeckenden Schulschließungen kommen muss", erklärte sie.

Diese Meinung teilt auch der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Universitätsklinik Kiel, Helmut Fickenscher. Dem NDR sagte er, die Strategie, einzelne Institutionen vorübergehend zu schließen, habe sich bewährt. Wenn man bei einem Infektionsfall beispielsweise in einer Schule oder in einem Altersheim die betroffene Institution für einige Tage geschlossen halte, "ist der Schaden für alle Beteiligten im Großen und Ganzen minimal", so Fickenscher.

Lob aus MV für Schließungen

Bildungsministerin Martin betonte, der Schulbetrieb unter Pandemie-Bedingungen sei eine große Herausforderung. Alle müssten gemeinsam dafür sorgen, dass das Virus nicht von außen in die Schulen getragen werde. "Ich appelliere deshalb an alle, sich an die Regeln zu halten, denn das ist der beste Schutz für die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte in den Schulen."

Sie lobte das Vorgehen der Gesundheitsämter in den beiden jetzt bekannt gewordenen Fällen in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) und Ludwigslust (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Die Eltern seien informiert und alle Maßnahmen zur Ermittlung von Kontaktketten eingeleitet worden. Der Landeselternrat in MV forderte umfassendere Tests bei Schülern und Lehrern.

Bisher hat nur in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg das neue Schuljahr begonnen. Kommende Woche sind dann Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen dran.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. August 2020 um 20:00 Uhr.

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