Umweltministerin Schulze stellt ihre umweltpolitische Digitalagenda vor. | Bildquelle: dpa

Umweltpolitische Digitalagenda Schulze will Digitalisierung grün machen

Stand: 02.03.2020 18:32 Uhr

Der Daten- und Stromverbrauch durch die Digitalisierung ist gigantisch - und ein Problem im Kampf gegen den Klimawandel. Dem will Umweltministerin Schulze jetzt begegnen. Und setzt auf freiwillige Selbstverpflichtung.

Von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

"Brandbeschleuniger" oder "wichtiges Instrument"? Die Entscheidung, ob die Digitalisierung zum Fluch oder Segen für den Klimaschutz wird, ist aus Sicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze noch nicht gefallen.

Allerdings müsse der Staat jetzt Leitplanken einziehen, um die Richtung vorzugeben, sagt Schulze. Denn Daten- und damit Stromverbrauch seien gigantisch: Der globale Datenverkehr werde bis zum Jahr 2020 auf rund 400 Milliarden Gigabyte pro Monat steigen werde. "In der alten digitalen Welt würde das heißen, das ist ein Speicherplatz von etwa 100 Milliarden DVDs pro Monat", erklärt die Ministerin.

Höherer CO2-Ausstoß als der Autoverkehr

Wenn die Prognosen stimmen, dann könnte der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2025 durch Streaming-Dienste, Online-Shopping und Co. den des weltweiten Autoverkehrs übertreffen. Zudem würden für neue digitale Anwendungen zusätzliche Rohstoffe und Energie verbraucht.

Digitalisierung und Klimaschutz sollten deshalb nicht mehr länger weitgehend getrennt nebeneinander herlaufen, fordert Manfred Fischedick, vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie: "Wir müssen es schaffen, die Gestaltungs- und Transformationskräfte der Digitalisierung besser zu nutzen, auf die Chancen zu setzen, die Einsatzgebiete schlau zu wählen."

Klimaschutz und Digitalisierung dürften nicht mehr nebeneinander herlaufen, sagt Fischedick. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX
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Manfred Fischedick, Direktor des Wuppertal Institu für Klima, Umwelt und Energie.

Einsparpotential bei Rechenzentren

Konkretes Energieeinsparpotential sieht Schulze bei den vielen Rechenzentren. Davon gebe es allein in Deutschland über 50.000, jedoch wisse keiner genau wo, sie stehen. Verbindliche Vorgaben zur Energieeffizienz gebe es ebenfalls nicht.

Deshalb soll in ihrem Ministerium jetzt in einem ersten Schritt ein Register erarbeitet werden. Erst wenn man wisse, wo Rechenzentren mit welchem Stromverbrauch stehen, könne man vor Ort auch dafür sorgen, dass zum Beispiel die Abwärme zum Heizen oder für Gewerbegebiete genutzt wird, so die SPD-Politikerin.

Computer an Schulen - Digitalpakt | Bildquelle: dpa
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Der Austausch von Daten kostet enorm viel Energie.

Austausch von Akkus vereinfachen

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr will die Umweltministerin nutzen, um europäische Maßnahmen für den Verbraucher voranzubringen. Mit strengeren Standards soll der Austausch von Handyakkus und Displays weiter vereinfacht werden.

Hersteller will Schulze auch dazu verpflichten, genaue Aussagen zur Lebensdauer der Produkte zu machen. Ihr langfristiges Ziel ist ein "verpflichtender, digitaler Produktpass", also ein Datensatz, der zusammenfasst woraus ein Produkt gebaut ist, wie klimafreundlich es hergestellt ist, wie man es reparieren kann, wo es Ersatzteile gibt und was bei der Entsorgung und beim Recycling zu beachten ist, betont die Umweltministerin.

Video-Streaming soll umweltfreundlicher werden

Beim Online-Einkauf will die Ministerin zudem umweltschonende Produkte für den Kunden besser kennzeichnen und dadurch leichter erkennbar machen. Außerdem soll Video-Streaming klimafreundlicher werden, beispielsweise in dem Videos in sozialen Netzwerken nicht mehr automatisch starten und sofort in höchster Auflösung abgespielt werden.

"Warum ist eigentlich als Standardeinstellung bei Social Media und auf den Videoportalen die Autoplay-Funktion eingestellt?", stellt Schulze fest. "Warum die höchste Auflösung selbst wenn man das Video nur auf dem kleinen Handy-Display anschaut?"

Einfach umzusetzende Einsparmöglichkeiten gibt es viele, fraglich ist was die Ministerin überhaupt umsetzen kann. Denn in den Gesprächen mit den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley will sie vor allem auf freiwillige Selbstverpflichtungen setzen.

Digitalisierung und Klimaschutz
Uli Hauck, ARD Berlin
02.03.2020 15:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2020 um 13:55 Uhr.

Korrespondent

Uli Hauck | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo SR

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