In Stralsund wird ein toter Schweinswal untersucht | Bildquelle: dpa

Schweinswale akut bedroht Verendet im Stellnetz

Stand: 29.04.2019 17:28 Uhr

An der Ostsee ein fast alltäglicher Fund: verendete Schweinswale. 2018 wurden laut Bundesregierung insgesamt 203 tote Meeressäuger aufgefunden. Schuld daran ist häufig der Mensch.

Die Zahl tot gefundener Schweinswale in der deutschen Ostsee hat seit dem Jahr 2000 stark zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden 203 verendete Tiere entdeckt - der zweithöchste Wert im Vergleichszeitraum. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die tagesschau.de vorliegt.

Wurden im Jahr 2000 noch lediglich 22 Schweinswale an den deutschen Osteseeküsten tot aufgefunden, so stieg die Zahl der Funde insbesondere ab dem Jahr 2007 deutlich an und erreichte 2016 einen Höchststand von 221 tot gefundenen Tieren. Im Jahr 2017 ging die Zahl mit 154 Funden deutlich zurück, um nun erneut wieder erheblich anzusteigen.

Laut der Antwort der Bundesregierung konnte in den Jahren zwischen 2003 und 2011 in den meisten Fällen die Todesursache nicht mehr ermittelt werden. Da, wo dies noch möglich war, war häufig Beifang die Todesursache (27 von 58 Fällen plus neun Verdachtsfälle), ähnlich oft konnte Beifang aber auch ausgeschlossen werden (22 Fälle).

Ein Schweinswal schwimmt in der Nordsee vor Sylt | Bildquelle: dpa
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Schweinswale sind die häufigsten Wale in der Ostsee. Aber die Fischerei bedroht ihren Bestand - und Schadstoffe im Meer.

Grüne fordern klare Regeln für Fischfang

Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, sprach von einer "alarmierenden Zunahme" - Schweinswale in der deutschen Ostsee seien weiterhin vom Aussterben bedroht. Sie kritisierte, dass es in den Schutzzonen in Nord- und Ostsee keine klaren Regeln für den Fischfang und die industrielle Nutzung gebe. Nach den Plänen der Bundesregierung bleibe die Stellnetzfischerei dort weiterhin flächendeckend erlaubt: "Die Schutzgebiete stehen bisher nur auf dem Papier."

Die Grünen forderten von der Bundesregierung "Nullnutzungszonen in Schutzgebieten" und damit "echte Rückzugsgebiete für Meeressäuger" in der deutschen Nord- und Ostsee.

Die Bundesregierung bekräftigte in ihrer Antwort an die Grünen, sie setze sich "nachdrücklich" für den Schutz der Wale ein. Sie verwies auf "die Weiterentwicklung von Warngeräten", die die Schweinswale von Stellnetzen fernhalten sollen. Diese führten zu einer "erhebliche Verringerung der Beifänge".

Zwei gefährdete Populationen

In der deutschen Ostsee kommen die Schweinswale in zwei Populationen vor, deren genetische Unterschiede laut Bundesregierung aber sehr gering sind.

Den Grünen zufolge ist die sogenannte "Beltseepopulation" in Kattegat, Beltsee und westlicher Ostsee mit circa 18.500 Individuen stark gefährdet. Die Population in der zentralen Ostsee ist demnach mit 400 bis 500 Tieren vom Aussterben bedroht.

Über dieses Thema berichtete NDR1 MV am 29. April 2019 um 12:00 Uhr.

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