Die CSU-Politiker Horst Seehofer und Markus Söder reichen sich bei einer Vorstandssitzung die Hand | Bildquelle: dpa

Ende des CSU-Machtkampfes Der große Frieden

Stand: 04.12.2017 18:18 Uhr

Seehofer hat erkannt, dass er allein nicht mehr die Kraft hat für absolute Mehrheiten in Bayern. Und Söder und die CSU haben erkannt, dass sie Seehofer noch brauchen - etwa in Berlin. Bleibt die Frage: Kommt der große Frieden womöglich zu spät?

Eine Analyse von Sebastian Kraft, BR

Horst Seehofer streckt die Waffen. Um den ungeliebten Rivalen Markus Söder zu verhindern werden ihm viele Manöver nachgesagt, das letzte war die Installierung eines Beratergremiums für Personalfragen, das Söder nicht unbedingt freundlich gegenüber stand. Jetzt scheint Seehofer erkannt zu haben, dass nur er noch zusammen mit Söder die Partei aus der existenziellen Krise führen kann. Ein einfacher Prozess war das nicht - weder für ihn, noch für die Partei.

Ein Bild - und ein Satz. Das ist die Zusammenfassung dieses ereignisreichen Tages bei der CSU. Das Bild hat Potenzial für einen Platz in den parteieigenen Geschichtsbüchern: Seehofer und Söder reichen sich zu Beginn der Vorstandssitzung die Hand, Fotografen und Kameras können (ganz im Sinne der CSU) diese Bilder problemlos einfangen. Nach all den Querelen und spitzen Bemerkungen der Vergangenheit wohl der entscheidende Moment, um wieder Einigkeit und Geschlossenheit herzustellen. Alles Historische müsse zurücktreten, heißt es später noch.

Horst Seehofer und Markus Söder reichen sich die Hände | Bildquelle: dpa
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Geschichtsträchtige Handreichung: Seehofer und Söder.

Seehofer hat allein nicht mehr die Kraft

Den entscheidenden Satz schiebt Seehofer dann auf der Pressekonferenz hinterher: "Versagen in Berlin ist gleichzeitig das Einleiten einer Niederlage in Bayern." Seehofer hat erkannt, dass er alleine nicht mehr die Kraft hat, die absolute Mehrheit bei den Landtagswahlen in Bayern zu verteidigen. Gleichzeitig hat die CSU - und auch Markus Söder - erkannt, dass sie ohne Seehofer in Berlin nicht bestehen können. Zu verworren ist die Lage in der Hauptstadt, zu schwierig die Regierungsbildung - und zu existentiell die Lage daheim in Bayern.

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Seehofer und Söder, die beiden "Stärksten ziehen an einem Strang" - das haben sich in der CSU viele freilich schon seit Wochen gewünscht. Söder wäre zu der jetzt erarbeiteten Konsens-Variante lange bereit gewesen, Seehofer nicht. Und so ist es ein bisschen wie zwischen Seehofer und Merkel beim Streit um die Obergrenze: Alles hat eben seine Zeit. Seehofers Schachzug vom vergangenen Donnerstag, Söder über ein Beratergremium aus Barbara Stamm, Edmund Stoiber und Theo Waigel noch verhindern zu wollen, entpuppte sich als Luftnummer. Die Weichen in der Landtagsfraktion waren da längst Richtung Markus Söder gestellt, der Prozess unumkehrbar.

Kommt der Frieden zu spät?

Stellt sich die Frage, ob der Frieden nicht zu spät kam. Im Streit mit Angela Merkel um die Obergrenze ging die Rechnung am Ende bekanntlich nicht auf. Allerdings gab es damals einen Unterschied: Der Frieden von Anfang Februar 2017 zwischen Seehofer und Merkel (übrigens am selben Ort wie heute mit Söder) war zu sehr aufgesetzt und inszeniert. Seehofers Auftreten heute, seine teils nachdenklichen Worte auf der Pressekonferenz zeigen: Er meint es ernst. Auch, weil er nicht mehr anders kann.

Seehofer und Söder - eine Schicksalsgemeinschaft

Erstaunlich offen lässt sich der CSU-Chef in die Karten schauen, verkündet schon gemeinsame Auftritte am Politischen Aschermittwoch und beim traditionellen Schwabinger Fischessen. Verkündet im selben Atemzug, dass Söder dem Verhandlungsteam mit der SPD in Berlin angehören wird, bei den Jamaika-Sondierungen hatte er ihn noch ausgebremst. Die erste Personalentscheidung haben beide auch schon getroffen, berichtet Seehofer: Andreas Scheuer soll nach Seehofers Wiederwahl auf dem Parteitag in zwei Wochen CSU-Generalsekretär bleiben.

Im Gegensatz zu Seehofer und Merkel sind Seehofer und Söder in einer "Schicksalsgemeinschaft", wie der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach resümiert. Beider Schicksal hängt am Erfolg der Landtagswahlen in Bayern. Verliert die CSU, müssten beide um ihre Ämter fürchten. Beide wissen, dass sie sich am Riemen reißen müssen: Seehofer muss als Parteichef den Landtagswahlkampf organisieren, an dessen Spitze Söder steht. Söder muss als Ministerpräsident Seehofer in Berlin unterstützen. Da sich beide in politischen Fragen nur um Nuancen unterscheiden, sollte das eigentlich kein Problem sein - solange es nicht wieder ins Persönliche geht.

Die bisherigen CSU-Vorsitzenden

1945-1949: Josef Müller
1949-1955: Hans Ehard
1955-1961: Hanns Seidel
1961-1988: Franz Josef Strauß
1988-1999: Theo Waigel
1999-2007: Edmund Stoiber
2007-2008: Erwin Huber
seit 2008: Horst Seehofer

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2017 um 14:00 Uhr und um 16:00 Uhr.

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