Ein Mitglied der Sea-Eye-Hilfsorganisation blickt auf ein Schlauchboot voller Migranten, das im Mittelmeer treibt. | Bildquelle: dpa

Flucht über das Mittelmeer EKD beteiligt sich an Seenotrettung

Stand: 29.10.2020 11:58 Uhr

Die Evangelische Kirche will mit anderen Organisationen ein Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer kaufen. Das Sterben könne nicht hingenommen werden, betonte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm.

Die Evangelische Kirche will sich an der Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen. Dafür wolle sie gemeinsam mit mehreren weiteren Organisationen ein Schiff kaufen, kündigte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an. Zudem solle ein Trägerverein gegründet werden, um das Schiff zu betreiben.

In See stechen wird das Schiff aber voraussichtlich erst in ein paar Monaten. Derzeit laufen laut Bedford-Strohm die Sondierungen für den Kauf, anschließend müsse das Schiff zweckgemäß umgebaut werden.

"Not hat keine Nationalität"

Die EKD folgt damit einer Resolution des Evangelischen Kirchentages, der im Juni in Dortmund stattgefunden hatte. Dass Menschen ertrinken und sterben, könne von niemandem hingenommen werden, forderte Bedford-Strohm. Egal aus welchen Gründen Menschen in Lebensgefahr seien, bestehe die Pflicht zu helfen. "Not hat keine Nationalität", betonte der bayerische Landesbischof bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern von Ärzte ohne Grenzen, der Organisation Sea-Eye, der Seebrücke und dem Oberbürgermeister von Potsdam, Mike Schubert.

Zudem setze sich die EKD für eine politische Lösung ein und plädiere für einen EU-weiten Verteilmechanismus, um aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge aufzunehmen.

Ganz Europa stehe in der Verantwortung

Ähnlich äußerte sich Barbara Held, Einsatzleiterin der Organisation Sea-Eye, die unter anderem das Rettungsschiff "Alan Kurdi" ins Mittelmeer entsendet hat. "Leben retten ist Pflicht", sagte Held. Aus humanitären Gründen und auf der Grundlage geltenden Seenotrechts müsse Menschen in Seenot ohne Wenn und Aber geholfen werden. Die Verantwortung für die Aufnahme dieser Menschen liege bei ganz Europa, nicht nur bei Italien und Malta.

Doch die Teilnehmer der Pressekonferenz entsandten nicht nur Appelle in Richtung EU, sondern auch Kritik. Die EU unterstütze nach wie vor die libysche Küstenwache, die Flüchtlinge völkerrechtswidrig nach Libyen zurückbringe, sagte Christoph Hey, Projektleiter der Ärzte ohne Grenzen in Libyen. Die Umstände in den dortigen "Internierungslagern" seien "entsetzlich": Mangelernährung, unerträgliche hygienische Bedingungen, die Menschen würden "regelrecht zusammengepfercht".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2019 um 12:00 Uhr.

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