Bundestag und Kanzleramt | Bildquelle: dpa

Nach Cyberangriffen auf Bund Abhörsicher dank Quantenphysik

Stand: 16.12.2019 16:05 Uhr

Nach Cyberangriffen auf den Bundestag und verschiedene Ministerien will sich der Bund nun besser schützen. In einem Pilotprojekt für das Kanzleramt soll nun eine supersichere Datenverbindung gebaut werden - dank Quantenphysik.

Vor vier Jahren verschafften sich Hacker Zugang zum Datennetz des Deutschen Bundestages. Ihr Angriff war so massiv, dass auch der letzte Rechner im hintersten Winkel des Bundestags-Computersystems am Ende nicht mehr zu gebrauchen war. Kurzerhand wurde die gesamte IT-Technik auf den Müll geworfen und neue Technik installiert - ein Millionenschaden.

2018 wurde bekannt, dass auch das Verteidigungs- und das Außenministerium Ziel von Hackern geworden waren - hier hielt sich der Schaden aber in Grenzen.

Ziel: Die nicht abhörbare Verbindung

Was tun? Lassen sich hochsensible Regierungsinformationen und Wirtschaftsgeheimnisse überhaupt zuverlässig vor Cyberspionen schützen? Im Kanzleramt läuft jetzt ein Pilotprojekt der Fraunhofer-Gesellschaft, das selbst Hacker aus Hightech-Nationen alt aussehen lassen soll.

Denn, so Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer, statt herkömmlicher Technik komme hier die Quantenkommunikation zum Einsatz. Diese basiere nicht auf mathematisch-basierten Strategien der Kryptografie, sondern nutze ein unumgängliches Wirkungsprinzip aus der Quantenphysik.

Die neue Datenleitung werde deswegen selbst von internationaler Konkurrenz nicht ausgelesen werden können, erklärte Neugebauer. "Sie können die Datenleitungen vielleicht unterbrechen, aber sie können sie nicht unbemerkt auslesen. Wenn man ein Quant misst, verändert es sich - das ist ein Teil des Sicherheitsprinzips."

Problem Reichweite

Bei der Quantenkommunikation werden übertragene Informationen mittels fundamentaler Gesetze aus der Quantenphysik verschlüsselt. Ein Problem ist allerdings bis heute, dass es bei der Übertragung der Quanteninformation durch Lichtteilchen (Photonen) über Glasfaser zu maßgeblichen Leitungsverlusten kommt, wodurch die Reichweite bisher auf eine Größenordnung von 100 Kilometern begrenzt wird. Mit sogenannten Quantenrepeatern soll diese Grenze nun ohne Sicherheitseinschränkungen überwunden werden.

"Diese Technologie hat noch einen weiten Entwicklungsweg vor sich. Das macht die Übertragung per Satellit, wie wir es bei Fraunhofer erforschen, essenziell für nützliche Reichweiten in der Quantenkommunikation", so Neugebauer.

Quantenkommunikation soll ausgebaut werden

Die Bundesregierung hatte im Mai angekündigt, ihre Bemühungen im Bereich der optischen Quantenkommunikation massiv zu verstärken. Im Rahmen der Initiative QuNET soll künftig intensiv an photonischen Technologien für abhörsichere quantenbasierte Kommunikationsnetzwerke geforscht werden. Dafür stehen zunächst 25 Millionen Euro zur Verfügung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2019 um 16:30 Uhr.

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