Merkel und Biden Beziehungspflege auf der Sicherheitskonferenz

Stand: 19.02.2021 04:13 Uhr

Vier Jahre Trump haben das transatlantische Bündnis ziemlich ramponiert. Kanzlerin Merkel trifft bei der Sicherheitskonferenz nun auf den neuen US-Präsident Biden und will die Beziehungen zu den USA wieder zurechtrücken.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Der Anfang war nie einfach - Angela Merkel hatte mit allen amerikanischen Präsidenten in ihrer Amtszeit einen mehr oder weniger schwierigen Start. So war es 2005 mit Georg W. Bush. Das deutsch-amerikanische Verhältnis war wegen des Irakkrieges schwer belastet. Merkel musste Wiederaufbauarbeit leisten. Sie gab alles - und Bush ein Barbecue. Sie sprachen in Crawford über Krisenherde der Welt und später beim Gegenbesuch am Grill in Trinwillershagen über transatlantische Beziehungen. Bush erklärte Deutschland und Merkel zu Freunden.

Später legte Bush nochmal nach und nannte Merkel seine engste Freundin auf der Weltbühne. Auch ihr persönliches Verhältnis war intakt. Auf offener Bühne, beim G8-Gipfel in Sankt Petersburg, massierte Bush Merkel sogar spontan den Nacken, und sie riss amüsiert die Arme hoch.

Affront: Merkels Handy abgehört

Handgreiflich wurde Bushs Nachfolger hingegen nie. Jedenfalls ist davon nichts bekannt. Dabei interessierte sich Barak Obama durchaus für Merkels Hände, oder besser: für ihren Führungsstil mit ruhiger Hand und fragte bei einem Deutschlandbesuch. "How do you call it? Merkel Raute?"

Ja, die Merkel Raute - die typische Handhaltung der Kanzlerin, die ihre stoische Ruhe verkörpert. Was kann diese Frau aus dem Gleichgewicht bringen? Ein amerikanischer Präsident jedenfalls so schnell nicht. Und doch gab es einen Aufreger, einen wahren Affront im diplomatischen Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Der amerikanische Geheimdienst hatte Merkels Handy abgehört. Ihre Reaktion darauf: kurz, aber deutlich: "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht."

Der Lauschangriff auf das Handy der Kanzlerin hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA belastet. | Bildquelle: dpa
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Der Lauschangriff auf das Handy der Kanzlerin hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA belastet.

Charmeoffensive zum Abschied

Aber auch das konnte das Verhältnis nicht dauerhaft erschüttern, das sich beide aufgebaut hatten. Dabei taten sie sich anfangs noch schwer miteinander: Obama, der Glamouröse, und Merkel, die Bodenständige. Er hatte längst die Herzen der Deutschen erobert, als die Frau aus der Uckermark noch Distanz hielt. "Was nicht ist, kann ja noch werden," prophezeite sie damals. Und es wurde. Und wie.

Am Ende seiner Amtszeit sagte Obama bei einem Besuch in Hannover: "Wir ehren eine außergewöhnliche Kanzlerin, die Millionen Menschen inspiriert, mich eingeschlossen." Dieses in eine Charmeoffensive verpackte Lob verleitete dann sogar Merkel zu einer Art Gefühlsausbruch: "Na klar, wenn man mit jemanden gut zusammengearbeitet hat, da fällt der Abschied schwer. Aber wenn wir uns persönlich begegnen wollen, dann schließt das ja der freie Reiseverkehr, den wir Gott sei Dank haben, nicht aus."

Präsident verweigert Handschlag

Der freie Reiseverkehr wird aber ausschließen, dass sie ihn wiedersieht, den ganz anderen Präsidenten: Donald Trump, der Präsident, der sich für perfekt hielt und Merkel für minderwertig. Das jedenfalls vermittelte er ihr mehrfach. Einmal verweigerte er ihr den Handschlag, ein anderes Mal soll er sie als "dumm" bezeichnet haben. Sie perfektionierte in seiner Gegenwart ihr Mienenspiel, drückte mit Augen und Mundwinkeln aus, was sie in Worten aus diplomatischer Staatsräson nicht sagen konnte. Nach einer Amtszeit war der Spuk vorbei.

Verhältnis zur USA zurechtrücken

Und jetzt kommt Joe Biden, über den Merkel sagt: "Es gibt einfach mit Präsident Biden einen viel breiteren Raum von politischer Übereinstimmung." Merkel kennt Biden, er war Obamas Vize-Präsident und als Außenpolitiker schon mehrfach bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Biden ist das, was Trump nie war: verlässlich, ein Transatlantiker der alten Schule. Sieben Monate wird Merkel mit ihm noch zusammenarbeiten, versuchen, das deutsch-amerikanische Verhältnis wieder zurechtzurücken. Nach der Bundestagwahl wird sie sich aus der Politik verabschieden. Und wer weiß: Vielleicht wird sie, wenn möglich, den freien Reiseverkehr nutzen, um mit Obama in Washington in alten Zeiten zu schwelgen oder ihn gar in der Uckermark in ihrer Datsche empfangen und gemeinsam die CD-Sammlung anhören, die ihr einst Georg W. Bush geschenkt hatte.

Bundeskanzlerin Merkel und ihre US-Präsidenten
Sabine Henkel, ARD Berlin
18.02.2021 18:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2021 um 05:03 Uhr in der ARD Infonacht.

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