Ein Mann trinkt Wasser aus einer Flasche. | Bildquelle: dpa

Wasserversorgung trotz Dürre Deutschland bleibt flüssig

Stand: 01.08.2018 19:47 Uhr

Was die Versorgung mit Trinkwasser angeht, können die Behörden beruhigen: Auch bei anhaltend hohen Temperaturen sind die Reserven gesichert.

Von Marco Müller, WDR   

Das ist Rekord: Mit 39,5 Grad Celsius hat Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt am Dienstag den bisherigen Hitzerekord in Deutschland in diesem Jahr aufgestellt. Führt das zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung?

"Keine Probleme", sagt Harald Bock, Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Saale-Fuhne-Ziethe, der für Bernburg zuständig ist. Das Wasser komme aus dem rund 70 Kilometer entfernten Harz und so könne die Versorgung noch knapp 18 Monate sichergestellt werden.

Alles ist in Ordnung - "zumeist"

Ist Bernburg nur die Oase in der Wüste oder sieht es in ganz Deutschland so gut aus? "Uns ist nicht bekannt, dass es aufgrund der aktuellen Trockenheit zu umfassenden Problemen mit der Trinkwasserversorgung kommt", erklärt das Umweltbundesamt. Und auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft teilt mit, die Trinkwasser-Talsperren seien "gut gefüllt" und die Grundwasserstände lägen "zumeist auf einem guten Niveau".

Wer sich die Erklärungen genau anschaut, dem werden die Wörtchen "umfassend" und "zumeist" aufgefallen sein. Die Beteiligten lassen sich ein Hintertürchen offen.

Zusammengefasst: Grundsätzlich gibt es mit der Trinkwasserversorgung kein Problem. In einigen Regionen, vor allem in Nord- und Ostdeutschland, kann es aber anders aussehen. Einzelne Wasserversorger bitten dort ihre Kunden beispielsweise, vom Rasensprengen oder Autowaschen abzusehen.

Eine Frau füllt sich in Berlin einen Becher an einem Wasserspender. | Bildquelle: dpa
galerie

Der regenreiche Winter hat die Vorräte an Trinkwasser bundesweit gut aufgestockt.

Warum gibt es keine größeren Probleme?

Bei der langanhaltenden Dürre könnte man meinen, dass es zu größeren Problemen bei der Trinkwasserversorgung kommt. Dass das nicht der Fall ist, liegt am Frühjahr und vor allem am vergangenen Winter - dann werden Grundwasser und Talsperren aufgefüllt. Und in der Zeit hat es recht viel geregnet. Die Speicher sind also recht gut gefüllt. 

Der Ruhrverband, der im Ruhrgebiet Talsperren betreibt und dafür sorgt, dass in der Ruhr immer genug Wasser ist, erklärt, dass seine Talsperren aktuell zu 75 Prozent gefüllt sind. Das liege zwar unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte für diese Zeit, sei aber alles andere als problematisch.

Das Hauptproblem sei ohnehin nicht, dass zu wenig Wasser da sei, erklärt Bernd Hartung von Gelsenwasser, einem der größten Wasserversorger in Deutschland: Sondern, dass die Pumpenwerke und die Wasserleitungen mit einem plötzlichen Anstieg des Wasserverbrauchs unter Umständen nicht mitkommen könnten.

Dass es zu Engpässen kommt, glaubt man bei Gelsenwasser nicht. Das liegt vor allem daran, dass das ganze Wassersystem im Ruhrgebiet auf die große Industrie zugeschnitten ist, die es nun aber nicht mehr in dem Maße wie früher gibt. Darum hat das System Reserven. In ländlichen, weniger gut ausgebauten Regionen, könne sich ein plötzlicher Anstieg beim Wasserverbrauch aber durchaus bemerkbar machen.

Viel Verkehr trotz niedriger Pegelstände

Aktuell recht niedrig sind die Pegelstände der Flüsse. So hat der Niederrhein gerade einen Pegelstand von rund 2,50 Meter. "Normal wären 3,50 bis vier", erklärt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein.

Weniger Wasser gleich weniger Schiffe? Auch wenn es paradox klingt, das Gegenteil ist der Fall. Der Grund: Die Schiffe dürfen nicht mehr so schwer beladen werden, daher wird die Fracht einfach auf mehr Schiffe verteilt. Darum gibt der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt Entwarnung in Richtung Industrie. Man könne die Transporte auch weiterhin durchführen.

Aktuell haben die Flüsse ohnehin noch keine historischen Tiefststände erreicht. "Die Niedrigwassersituation hat bisher noch nicht den Stand des 'Jahrhundertsommers' 2003 erreicht", erklärt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Der Rhein liege aktuell noch 50 Zentimeter und die Donau noch rund 28 Zentimeter über den damaligen Tiefstwerten. Ein wenig Luft ist also noch da - beziehungsweise Wasser.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 Profit am 01. August 2018 um 23:40 Uhr.

Darstellung: