Gesundheitsminister zu Schnelltests "Ein Stück mehr Freiheit"

Stand: 24.02.2021 14:54 Uhr

Wegen des schleppenden Impfstarts und der verzögerten Corona-Schnelltests steht Gesundheitsminister Spahn in der Kritik. Im Bundestag verteidigte er sich nun. Schnelltests würden helfen, den Bürgern wieder mehr Freiheiten zu ermöglichen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im Corona-Lockdown wieder mehr Freiheiten durch eine Ausweitung der Tests in Aussicht gestellt. Selbsttests und andere Schnelltests seien geeignet, um in der Corona-Pandemie mehr Sicherheit und mehr Freiheiten zu bekommen. Es gehe darum, sicherer mit dem Virus zu leben, sagte er im Bundestag. Tag um Tag gebe es mehr Möglichkeiten, "ein Stück Normalität zurückzugewinnen".

Schnelltests in Apotheken

Wenige Stunden zuvor hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Selbsttests erteilt, die man auch ohne Schulung zu Hause machen kann. Schnelltests, die geschultes Personal durchführen muss, sollen voraussichtlich in rund zwei Wochen etwa in Apotheken kostenlos gemacht werden können.

Laien-Selbsttests seien geeignet, wenn jemand für sich Sicherheit haben wolle. Sie könnten perspektivisch aber auch dazu dienen, wieder Besuche von Theatern oder anderen Veranstaltungen zu ermöglichen. "Das ist die Perspektive", so Spahn. Allerdings seien die ersten drei Selbsttests nicht sofort überall verfügbar. Der Minister äußerte sich aber zuversichtlich, dass "Woche für Woche deutlich mehr Tests auf den Markt kommen". Sie werden dann in Apotheken, aber wohl auch Supermärkten und Drogerien angeboten.

Die Schnelltests wiederum, die in Apotheken oder Arztpraxen gemacht werden könnten, seien überall dort die erste Wahl, wo ein durch Dritte dokumentiertes Ergebnis nötig sei - etwa bei Reisen.

"Das Virus gibt nicht auf"

Mit Blick auf die Kosten machte Spahn eine Übernahme des Bundes für Selbst-Schnelltests von deren Preis abhängig. Erst müsse man sehen, wo der Preis der nun zugelassenen Corona-Selbsttests liege. Erst wenn bekannt sei, ob diese 1,99 Euro oder sehr viel mehr kosten würden, könne entschieden werden, ob eine staatliche Kostenübernahme sinnvoll sei, sagt er.

Spahn sagte weiter, insgesamt sei es gelungen, die Dynamik der Pandemie ein ganzes Stück zu brechen. "Wir wähnten uns auf einem guten Weg, aber dieses Virus gibt nicht einfach auf." Doch nun sei es zur Ausbreitung der ansteckenderen Virusvarianten gekommen. Die Mutation sei vor allem deswegen ansteckender, weil ein Infizierter dann länger ansteckender sei.

Hohe Zulassungshürden in Deutschland

Mit Blick auf die Situation in Österreich, wo vom 1. März an Corona-Selbsttest für zu Hause in Apotheken angeboten werden, sagte Spahn, dass die Zulassungsvoraussetzungen für Selbsttests in Deutschland höher seien. "Mir reicht es nicht, wenn der Hersteller einen Zettel unterschreibt und sagt: Die Tests sind gut."

Hierzulande seien Studien über die Qualität der Tests einzureichen. Wenn man Tests zu einem Instrument der Pandemie machen wolle, so der CDU-Politiker, müssten sie auch hinreichend gute Ergebnisse liefern.

Start kostenloser Schnelltests verschoben

Schnelltests, die durch geschultes Personal vorgenommen werden müssen, wollte der Minister eigentlich vom 1. März an kostenlos zur Verfügung stellen. Allerdings wurde der Start nach Beratungen im Corona-Kabinett verschoben.

Das Vorhaben sei im Grunde startklar, allerdings gebe es viele, die das Testen besser mit Öffnungsstrategien verzahnen wollen. Das werde bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen in der nächsten Woche diskutiert, sagte Spahn.

Inzidenz von Null werde es nicht geben

Der Gesundheitsminister dämpfte allerdings auch die Hoffnung, dass das Coronavirus jemals komplett verschwinden wird. Eine Inzidenz von Null werde es auf Dauer nicht geben können, außer man ziehe eine Mauer um das Land, sagte der CDU-Politiker. "Wenn wir uns alle einschließen, dann sind wir vielleicht irgendwann bei einer Inzidenz null". Das sei allerdings auch kein Leben. Vielmehr gehe es darum, die richtige Balance zwischen bestmöglichem Infektionsschutz sowie Leben und Freiheit zu finden.

Spahn in Bundestagsbefragung: Nervös, aber selbstbewusst
Volker Schaffranke, ARD Berlin
24.02.2021 15:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Februar 2021 um 16:00 Uhr.

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