Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Häufung von Masernerkrankungen Mehrheit für Impfpflicht - nur wie?

Stand: 25.03.2019 19:53 Uhr

Nach einer Häufung von Masernfällen in mehreren Regionen Deutschlands streiten Politiker mehrerer Parteien über eine Impfpflicht. Gesundheitsminister Spahn will nun mehrere Vorschläge prüfen.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte es einen Skandal, dass immer mehr Kinder an Masern erkrankten. Zu viele Eltern und auch manche Ärzte nähmen die Infektion auf die leichte Schulter, sagte der CDU-Politiker. Deswegen begrüße er ausdrücklich die Debatte um eine Impfpflicht. Anlass für die erneute Debatte ist eine Häufung von Masernfällen in mehreren Regionen Deutschlands.

Der SPD-Gesundheitsexperte und Fraktionsvize Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, dass die Masernimpfung bei Kindern zur Pflicht wird. Er sei darüber mit dem Gesundheitsminister im Gespräch. "Ich glaube, dass ohne eine Impfpflicht die Ausrottung der Masern in Deutschland nicht möglich sein wird", so Lauterbach.

Eine Abbildung zeigt Teile eines Masernvirus. | Bildquelle: dpa
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Teile eines Masernvirus. "Ohne eine Impfpflicht wird die Ausrottung der Masern in Deutschland nicht möglich sein", sagt SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach.

Lauterbach: Impfpflicht jahrelang verzögert

Man könne nicht hinnehmen, dass Kinder gefährdet würden, sagte Lauterbach dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Impfpflicht sei jahrelang verzögert worden, weil man gedacht habe, man bekomme das mit anderen Mitteln hin. Das sei aber nicht erreichbar.

Lauterbach geht davon aus, in wenigen Wochen einen entsprechenden Vorschlag zu präsentieren. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sprach sich für eine verpflichtende Immunisierung aus. Masern-Erkrankungen seien extrem ansteckend und potenziell tödlich.

Zustimmung zu einer Impfpflicht kommt auch aus der FDP. Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sprach sich für eine Impfpflicht bei unter-15-Jährigen aus.

Spahn will höherere Akzeptanz entwickeln

Spahn will entsprechende Vorschläge nun prüfen und mit den Koalitionsfraktionen ins Gespräch kommen. "Entscheidend ist aus meiner Sicht, ein System zu entwickeln, das eine hohe Akzeptanz hat, das umsetzbar ist, das funktioniert."

Es gehe nicht darum, alle Bundesbürger zu verpflichten, sich impfen zu lassen, so Spahn. Aber wenn es um Gemeinschaftseinrichtungen gehe - Kindertagesstätten, Schulen, oder öffentliche Gesundheitsversorgungen -, "kann man sicher darüber reden, inwieweit wir zur Durchsetzung eines bestimmten Impfstatus' und damit zum Schutz für die anderen in einer Gemeinschaftseinrichtung kommen."

Koalition prüft Masern-Impfpflicht
tagesthemen 22:15 Uhr, 25.03.2019, Isabell Seifert, Tamara Anthony, ARD Berlin

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CDU: Eltern zu ihrem Glück zwingen

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Tino Sorge sagte, man müsse stärker schauen, wie man Eltern auch zu ihrem Glück zwingen könne. Um eine Impfpflicht durchzusetzen und zu überprüfen, schlägt er Sanktionen vor. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir darüber sprechen, ob man gegebenenfalls beim Kindergeld dann Kürzungen vornimmt", so Sorge.

Auch in Niedersachsen stellen die Behörden eine Häufung der Masernfälle fest. Der Wirtschaftsminister des Landes, Bernd Althusmann, äußerte sich gegenüber einer Impfpflicht aber zurückhaltend:

"Ich sehe eine hohe Verantwortung der Eltern gegenüber ihren Kindern. Je besser und stärker wir impfen, desto besser ist sichergestellt, dass solche schrecklichen Krankheiten ausgerottet bleiben. Insofern stehe dem nicht völlig ablehnend gegenüber, weiß aber auch, dass manche Menschen sich nicht verpflichten lassen wollen. Das ist ihre persönliche Entscheidung."

Grüne gegen Verpflichtung

Ablehnung gegenüber einer Impfpflicht kommt von den Grünen. Die Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche sprach sich im gemeinsamen "Morgenmagazin" von ARD und ZDF gegen verpflichtende Masernimpfungen bei Kindern aus.

Sie sagte zwar, Impfen sei nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein Akt der gesellschaftlichen Solidarität. Und gerade bei Masern sollte man darauf achten, dass möglichst alle geimpft seien. Sie hält aber gleichzeitig dagegen: "Ich halte es für besser, wenn Gesundheitsdienste wie früher in die Schulen gehen, dort die Eltern informieren, die Impfung anbieten. Und ich glaube, dass wir damit garantiert zu einer besseren Durchimpfungsrate kommen."

Der parlamentarischer Geschäftsführer der Linkspartei, Jan Korte, sagte, wer öffentliche Einrichtungen besuche oder dort arbeite, müsse geimpft sein - wenn eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bestehe, sei Zeit für eine gesetzliche Impfpflicht.

Debatte um verpflichtende Masern-Impfung
Claudia Plaß, ARD Berlin
25.03.2019 16:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 25. März 2019 NDR Info um 18:08 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

Claudia Plaß | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Claudia Plaß, NDR

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