Spahn zu Impfstrategie "Es braucht mehr Tempo"

Stand: 03.03.2021 09:23 Uhr

Gesundheitsminister Spahn erwartet angesichts neuer Daten zur Wirkung von AstraZeneca eine höhere Geschwindigkeit bei Impfungen gegen Corona. Der Zeitraum zwischen erster und zweiter Impfdosis solle verlängert werden.

Nach der Veröffentlichung neuer Daten zur Wirkung des AstraZeneca-Impfstoffs geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn davon aus, dass die Impfkampagne in Deutschland in Schwung kommt. Es lägen sehr gute Erkenntnisse aus England und Schottland vor, "dass AstraZeneca bei den über 65-Jährigen sehr, sehr gut wirkt", sagte Spahn im ARD-Morgenmagazin.

Weitere Daten zeigten, dass es sinnvoll sei, das Intervall zwischen erster und zweiter Spritze auszudehnen. "Dann können wir mehr Erstimpfungen machen", erklärte Spahn. Jetzt seien die Daten da, die bislang gefehlt hätten. Deshalb habe er die Impfkommission gebeten, die Pläne zügig zu überarbeiten. "Wenn wir die über 65-Jährigen mit AstraZeneca impfen könnten, würde das richtig Geschwindigkeit bringen und vor allem die besonders Verwundbaren noch schneller schützen." Er erwarte eine Entscheidung bereits innerhalb weniger Tage, sagte Spahn.

Die empfohlenen Intervalle zwischen erster und zweiter Impfung sollten ausgereizt werden. Mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer solle möglichst erst nach sechs Wochen eine Zweitimpfung erfolgen, mit dem von AstraZeneca nach zwölf Wochen.

Bislang erhielten nach Worten des Ministers etwa fünf Prozent der Bevölkerung die Erstimpfung. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Morgen 9019 Neuinfektionen. Das sind 1012 Fälle mehr als am Mittwoch vor einer Woche. 418 weitere Menschen starben, die zuvor positiv getestet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 64,0 von 65,4.

Haseloff bringt Impfpflicht ins Gespräch

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warb für den russischen Impfstoff Sputnik V, um den Impfstoffmangel in Deutschland zu beheben. "Wir sollten alles tun, was möglich ist, um das Impfen in Deutschland zu beschleunigen", sagt der amtierende Bundesratspräsident den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ostdeutschland habe jahrzehntelange Erfahrung mit russischem Impfstoff.

Er selbst sei schon als Kind mit einem russischen Präparat erfolgreich gegen Kinderlähmung geimpft worden, während im Westen noch kein Impfstoff zur Verfügung stand. Er würde sich daher jederzeit mit Sputnik V impfen lassen. Auch eine Impfpflicht schließe er nicht grundsätzlich aus. Es könnte ein Thema für den Ethikrat sein, sagt der CDU-Politiker. "Impfpflicht hatten wir in der DDR. Ich habe es überlebt."

Entwurf für neue Impfverordnung

Aus dem Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für eine neue Impfverordnung geht hervor, dass der Corona-Impfstoff von AstraZeneca künftig verstärkt eingesetzt werden soll. Demnach sollen Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, vorrangig mit diesem Impfstoff versorgt werden. Die Verordnung sieht darüber hinaus vor, dass ab April nicht nur in Impfzentren geimpft werden soll, sondern auch Arztpraxen mit mobilen Impfteams einbezogen werden. Zudem sollen künftig zwei statt einer engen Kontaktperson eines Impfberechtigten aus den höchsten Prioritätengruppen mitgeimpft werden können.

Konzern betont Wirksamkeit

Der Vizepräsident von AstraZeneca Deutschland, Klaus Hinterding, betonte ebenfalls die gute Wirksamkeit des Vakzins. In der klinischen Prüfung habe das Mittel "zu fast 100 Prozent vor schweren Verläufen der Erkrankung geschützt" sagte er den Sendern RTL und ntv. Es gebe auch "neue Daten aus der realen Welt", nämlich aus Schottland, wo der Impfstoff "ebenfalls zu mehr als 90 Prozent vor schweren Verläufen der Krankheit geschützt hat".

Daten aus England und Schottland belegten zudem, dass der Impfstoff auch ältere Menschen vor schweren Krankheitsverläufen schütze, sagte er. Ob deswegen in Deutschland eine Anpassung der STIKO-Empfehlung nötig sei, wollte Hinterding allerdings nicht kommentieren.

Zu Berichten über starke Nebenwirkungen nach der Verabreichung des Präparats sagte Hinterding, diese seien als erwartbare Impfreaktionen einzuschätzen. "Die Wahrnehmung der Nebenwirkungen ist tatsächlich etwas verzerrt, das liegt vor allem daran, dass in Deutschland der AstraZeneca-Impfstoff vor allem bei jungen Menschen verimpft wird." Diese hätten von Natur aus eine stärkere Immunantwort und meldeten daher auch häufiger Nebenwirkungen.

Vakzin auch gegen Virus-Varianten einsetzbar

Zur Frage der Wirksamkeit gegen mutierte Virusvarianten sagte der Manager, gegen die britische Mutante wirke der AstraZeneca-Impfstoff "sehr deutlich". Er räumte zugleich ein, dass die bisherige Datenlage eine Wirksamkeit gegen schwere Verläufe der südafrikanischen Variante noch nicht belegen könne. Dazu müssten weitere Daten erhoben werden.

Der Impfstoff könne auch flexibel an neue Virusvarianten angepasst werden, betonte Hinterding. "Die Anpassung auch eines Vektor-Impfstoffs im Labor läuft innerhalb von wenigen Wochen." Zeitintensiv seien eher die klinische Untersuchung und "die regulatorischen Zulassungsdiskussionen", sagte Hinterding.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 03. März 2021 um 07:38 Uhr im ARD-Morgenmagazin.

Darstellung: