Juso-Chef Kevin Kühnert | Bildquelle: dpa

SPD-Bundesparteitag Die beiden Neuen für Kühnert

Stand: 06.12.2019 11:06 Uhr

Bei der Besetzung um einen der Vize-Posten droht auf dem SPD-Parteitag ein Kräftemessen zwischen Arbeitsminister Heil und Juso-Chef Kühnert. Mit einem Antrag auf einen weiteren Stellvertreter könnte dies aber vermieden werden.

Auf dem SPD-Parteitag soll die Partei nicht nur erstmals eine Doppelspitze bekommen - neben Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wird auch die gesamte Führungsspitze der Sozialdemokraten neu gewählt. Besonders mit Spannung erwartet werden die Wahlen der Parteivize-Posten.

Deren Zahl soll von sechs auf drei sinken, es gibt aber vier Kandidaten. Hier konkurrieren Arbeitsminister Hubertus Heil und Juso-Chef Kevin Kühnert um den dritten Stellvertreterposten.

SPD-Parteichefin Saskia Esken umarmt Juso-Chef Kevin Kühnert zur Begrüßung. | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX
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Die designierte SPD-Parteichefin Saskia Esken favorisiert Juso-Chef Kühnert als Vize. Entscheiden sollen aber die Delegierten.

Kurz vor dem Start des Parteitags haben sich die designierten SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans nun für Kühnert als einen ihrer Stellvertreter ausgesprochen. "Es ist für die Zukunftsfähigkeit ganz entscheidend, dass wir junge Leute wie Kevin Kühnert an verantwortlicher Stelle einbinden", sagte Esken der "Süddeutschen Zeitung".

Kühnert - ein "kluger Kopf"

"Ein so kluger Kopf wie Kevin Kühnert gehört in eine verantwortungsvolle Position", sagte auch Walter-Borjans der Zeitung. Er freue sich, dass der 30-jährige Chef des Parteinachwuchses bereit sei, "Verantwortung zu übernehmen". Die Entscheidung treffe aber der Parteitag.

Esken und Walter-Borjans wiesen in dem "SZ"-Interview den Eindruck zurück, sie wollten sich mit dem Vizeposten bei Kühnert für dessen Unterstützung bedanken. Es habe "nie irgendwelche Absprachen gegeben", sagte Walter-Borjans. "Die Zustimmung kam eben aus sich heraus."

Kühnert hatte während der Mitgliederbefragung zum künftigen SPD-Vorsitz offensiv für Esken und Walter-Borjans geworben. Auch der gesamte Juso-Vorstand empfahl der Basis, für das Duo zu stimmen. In der Stichwahl siegte das Team schließlich gegen Klara Geywitz und ihren Co-Kandidaten, Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

Heil ein Anhänger der GroKo - Kühnert ein Kritiker

Während Arbeitsminister Heil ein ausgewiesener Vertreter des Regierungskurses ist, ist Kühnert ein GroKo-Kritiker. Zuletzt mahnte er in einem Interview aber: "Wer eine Koalition verlässt, gibt einen Teil der Kontrolle aus der Hand."

Doch ob es auf dem Parteitag wirklich zu einer Kampfkandidatur zwischen Heil und Kühnert kommt - ist unklar. Die SPD-Delegierten können auch beschließen, dass es doch noch einen vierten Vize-Posten gibt - um den Wettstreit zwischen Kühnert und Heil zu vermeiden. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios will Niedersachsen einen Initiativantrag einbringen.

Hubertus Heil | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX
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Arbeitsminister Heil gilt als GroKo-Befürworter.

Parteivorstand hält sich bei Kühnert und Heil zurück

Für den ersten und den zweiten Vizeposten hatte der Vorstand gestern die saarländische SPD-Chefin Anke Rehlinger und die Brandenburgerin Geywitz nominiert - beides Politikerinnen, die die Große Koalition fortsetzen wollen.

Für den dritten Stellvertreterposten gab der SPD-Parteivorstand keine Empfehlung ab.

Kühnert: Mischt der Juso-Chef den SPD-Parteitag auf?
Barbara Kostolnik, ARD Berlin
06.12.2019 08:27 Uhr

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