In der SPD-Parteizentrale stehen vor einer Wand drei Mikrofone | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX

SPD-Regionalkonferenzen Kandidaten im Speed-Test

Stand: 30.08.2019 13:12 Uhr

Die letzten Tage der Bewerbungsfrist für den SPD-Vorsitz laufen. In der kommenden Woche starten die Nominierten ihre bundesweite Vorstellungstour. Das Verfahren wird eine echte Herausforderung.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Die SPD betritt Neuland. Einen solchen Prozess zur Vorstellung ihrer Kandidaten für den Parteivorsitz, wie kommende Woche, gab es noch nie. Mindestens sieben Teams werden bei 23 Regionalkonferenzen auf der Bühne stehen. Es präsentieren sich also mindestens 14 Personen - vielleicht auch noch mehr. Die Kandidaten können sich bis zum Ende der Frist am kommenden Sonntag melden.

Jeder soll genug Raum bekommen, sich und seine Ideen zu präsentieren. Der Kandidat Karl Lauterbach sagte voraus, dass zum Auftakt vermutlich nicht alles reibungslos laufen werde. "Das wird am Anfang ein bisschen ruckelig", prognostizierte er im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Notfalls muss am Konzept nachgebessert werden.

Karl Lauterbach
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Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist einer der Kandidaten: "Das wird am Anfang ein bisschen ruckelig", sagte er.

Die Macht der Stoppuhr

Damit die vorgesehenen maximal zweieinhalb Stunden für die Veranstaltung halbwegs eingehalten werden, wird eine straffe Organisation nötig sein. Die SPD-Parteispitze arbeitete folgendes Konzept aus: Jede Veranstaltung soll aus vier Blöcken à 30 Minuten bestehen. Erstens die Eröffnungsrunde: Teams und Einzelkandidaten bekommen jeweils drei Minuten Zeit. Zweitens eine Fragerunde mit dem Moderator oder der Moderatorin: Antworten bitte nicht länger als eine Minute. Drittens Fragen aus dem Publikum: Für die Antworten gilt die gleiche Zeitbegrenzung. Und schließlich viertens die Abschlussrunde mit einem "Promi" als Überraschungsgast, der die Kandidierenden befragt, wird auch kurz gehalten. Danach folgen die Abschlussstatements.

Ein strenger Blick auf die Uhr soll dafür sorgen, dass sich alle an die Zeitvorgaben halten und dass es gerecht zugeht - also dass alle Kandidaten am Ende in etwa die gleiche Redezeit haben. So lautet zumindest der Plan.

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Bewerber für den SPD-Vorsitz

Mehr als ein Dutzend Genossen bewerben sich um den SPD-Parteivorsitz. Darunter einige bekannte - wie Finanzminister Scholz - aber auch weniger bekannte Gesichter.

Olaf Scholz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz tritt jetzt doch für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles an - und zwar im Tandem mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. | Bildquelle: dpa

Viele Redner, wenig Redezeit

Was bekommt man in der Zeit überhaupt unter? Die frühere Familienministerin von Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann, die zusammen mit Europa-Staatsminister Michael Roth kandidiert, ist optimistisch. "Als Politikerin oder Politiker muss man das auch können", sagte sie. Darauf sei man geschult. "Deshalb mache ich mir überhaupt keine Sorgen, dass wir es auch in kurzer Zeit schaffen werden, die Botschaften, die uns wichtig sind, entsprechend rüberzubringen."

Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis vom linken Parteiflügel ist ebenfalls der Meinung, dass wenige Minuten ausreichen würden, wenn die Leute merkten, dass man ernst meine, was man sage. Sie und ihr Partner, ver.di-Chefökonom Dierk Hirschel, nannten als wichtige Voraussetzung dafür ihre Glaubwürdigkeit, die sie in die Waagschale werfen wollen.

Die Zahl der Themen, die angesprochen werden, wird begrenzt sein. Wenn immer alle Teams antworten dürfen, sind kaum mehr als vier bis maximal fünf Fragen pro Runde drin.

SPD-Politikerin Christina Kampmann am 26.10.2015 in Gelsenkirchen | Bildquelle: dpa
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Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann zum angespannten Zeitplan "Als Politikerin oder Politiker muss man das auch können."

Der verflixte Spannungsbogen

Insgesamt also 23 Regionalkonferenzen in fünfeinhalb Wochen - hinter vorgehaltener Hand sagen die meisten Parteimitglieder, dass das viel zu viel sei. Aber es wurde im Parteivorstand nun einmal so beschlossen, und jetzt lautet die vielleicht wichtigste Frage, ob die SPD über so lange Zeit einen Spannungsbogen aufrecht erhalten kann. Wie will sie es schaffen, dass sich das parteiinterne Publikum - und die Öffentlichkeit - nicht nach der dritten oder vierten Regionalkonferenz gelangweilt abwenden?

Natürlich wird nicht jede einzelne Veranstaltung exakt gleich ablaufen. Es wird unterschiedliche Fragen geben. Die Kandidaten werden unterschiedliche Ideen diskutieren. Die SPD-Führung setzt darauf, dass ihr Konzept genügend Flexibilität bietet, um spannend zu bleiben. In den Informationen der Parteizentrale für die Kandidaten, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegen, heißt es, dass durch die Möglichkeit zur "flexiblen Füllung" der Veranstaltung-Grundstruktur "Dynamik, Abwechslung und Aufmerksamkeit" entstünden.

Messlatte liegt hoch

Die Sozialdemokraten wissen, wie wichtig Spannung ist - zumal es mit der CDU ein leuchtendes Vorbild gibt. Die Messlatte für die SPD liegt hoch. Denn als die CDU im vergangenen Herbst eine neue Parteispitze suchte, bekam sie für ihr Verfahren viel Beifall. Auch damals gab es Regionalkonferenzen - allerdings nur acht.

Und es standen nur drei Kandidaten auf der Bühne, die zudem klar unterscheidbare Vorstellungen davon hatten, wie und wohin sie die Partei führen wollten. Eine Verwechslungsgefahr war ausgeschlossen. Das wird bei der SPD mit ihren vielen Kandidaten nicht so leicht werden.

Stand der SPD-Chefsuche und der weitere Zeitplan
Sabine Müller, ARD Berlin
30.08.2019 13:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2019 um 09:08 Uhr.

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