Die Kandidaten-Duos für den SPD-Vorsitz während des TV-Duells | Bildquelle: dpa

SPD-Vorsitz Sticheleien zum Stichwahl-Beginn

Stand: 19.11.2019 07:45 Uhr

Ab heute läuft die Stichwahl um den SPD-Vorsitz. Zuvor standen sich die beiden Duos in einer TV-Debatte gegenüber. Dabei ging es auch wieder um die Frage: Braucht die SPD neues Personal für den Neuanfang?

Wer soll die SPD künftig führen? Über diese Frage dürfen ab heute die rund 425.000 Parteimitglieder in einer Stichwahl entscheiden. Zur Abstimmung stehen die Duos Olaf Scholz/Klara Geywitz sowie Norbert Walter-Borjans/Saskia Esken.

Beide Teams duellierten sich am Abend in einer TV-Debatte. Die brachte Klarheit in zwei Punkten: Sollten sich der Vizekanzler und Geywitz durchsetzen, würde Scholz wohl auch Kanzlerkandidat. Sie finde es "eigentlich ziemlich logisch", wenn die SPD mit ihrem bekanntesten Politiker antrete, der "unglaublich viel Regierungserfahrung" habe und "zufällig auch noch der populärste Sozialdemokrat ist", sagte Geywitz.

Braucht die SPD neues Personal?

Ebenso klar wurde bei der Debatte, dass bei einem Erfolg des konkurrierenden Paares wohl das Ende der Großen Koalition eingeläutet würde. "Ja, das ist meine Empfehlung", sagte Esken auf die Frage, ob der SPD-Parteitag Anfang Dezember Schluss machen werde mit dem Regierungsbündnis, wenn die Union nicht zu Nachverhandlungen über den Koalitionsvertrag bereit sei. Das hatte die CDU-Führung zuletzt abgelehnt.

Ein weiteres Thema in der von Phoenix und dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" ausgerichteten Runde: Braucht es neues Personal für einen inhaltlichen Neuanfang? Walter-Borjans beantwortet die Frage mit ja: "Die Menschen wollen auch sehen, dass wir personell einen Neuanfang machen." Geywitz widersprach: "Ich finde, Du machst es dir ganz schön einfach." Walter-Borjans behaupte, "das größte existierende Problem der Sozialdemokratie ist Olaf Scholz". Sie fügte hinzu: "Er hat für uns zweimal Wahlen gewonnen und macht als Vizekanzler einen guten Job."

Abstimmung bis Ende November

Welches Duo die bis zum 29. November laufende Abstimmung für sich entscheiden kann, ist schwer vorhersagbar. Beide Teams haben starke Fangemeinden: Esken und Walter-Borjans werden von den Jusos unterstützt und gelten als Kandidaten des linken Parteiflügels. Für Geywitz und Scholz werben namhafte Sozialdemokraten, darunter zahlreiche Bundestagsabgeordnete.

Fest steht, dass die SPD künftig von einer Doppelspitze geführt werden soll - jedenfalls wenn es nach den Mitgliedern und der Parteiführung im Willy-Brandt-Haus geht. Denn das Duo, das am 30. November als Sieger des Mitgliederentscheids verkündet wird, muss von einem Parteitag eine Woche später noch bestätigt werden.

Kevin Kühnert | Bildquelle: dpa
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Nach viel Kritik will Juso-Chef Kühnert Verantwortung übernehmen und in den SPD-Vorstand.

Kühnert will in den SPD-Vorstand

Auf dem Treffen in Berlin wird auch über den Vorstand abgestimmt. In den drängt auch Juso-Chef Kevin Kühnert. Er halte es für nicht schlüssig, zwei Jahre lang immer wieder auch Kritik zu äußern und Kursänderungen zu fordern, die Verantwortung dafür aber anderen zu überlassen, sagte der 30-Jährige der "Süddeutschen Zeitung".

Kühnert schloss zugleich aus, Generalsekretär der Partei zu werden. Auf die Nachfrage, ob er sich den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden vorstellen könne, sagte er: "Das würde ich zumindest nicht ausschließen, dass das passieren könnte. Wir müssen ja jetzt nicht um den heißen Brei herumreden."

Startschuss für Stichwahl um SPD-Vorsitz
Frank Capellan, DLF
19.11.2019 07:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2019 um 05:42 Uhr.

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