Faltblatt mit den Berwerbern um den SPD-Vorsitz

SPD-Mitgliederentscheid Nun wird ausgezählt

Stand: 26.10.2019 13:02 Uhr

Hunderte Freiwillige sind im Einsatz und spezielle Schlitzmaschinen: In der SPD-Zentrale werden nun die Stimmen aus dem Mitgliederentscheid zum Parteivorsitz ausgezählt. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

Nach 23 Regionalkonferenzen hat in der SPD-Zentrale die Auszählung des Mitgliederentscheids um den Parteivorsitz begonnen. 250 Freiwillige aus ganz Deutschland öffnen mit speziellen Schlitzmaschinen die Briefwahlunterlagen - pro Stunde 20.000 Briefe. Außerdem muss das Ergebnis der Online-Abstimmung ausgelesen werden. Um 18 Uhr sollen die Gewinner verkündet werden.

Für die Partei endet damit ein monatelanger Marathon um die Nachfolge von Parteichefin Andrea Nahles - und womöglich auch um die Frage, ob die Sozialdemokraten weiter in der Großen Koalition bleiben. So oder so werden künftig zwei Vorsitzende für die SPD sprechen - erstmals soll eine Doppelspitze die älteste Partei Deutschlands führen.

Zur Wahl standen zuletzt sechs Duos. Als erste hatten die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christina Kampmann und Europa-Staatsminister Michael Roth ihren Hut in den Ring geworfen. Als Favoriten der Parteilinken gelten der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken. Ebenfalls chancenreich sind Finanzminister Olaf Scholz und die Brandenburgerin Klara Geywitz sowie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping. Als Außenseiter dagegen gelten die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Parteivize Ralf Stegner mit der Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission Gesine Schwan.

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Kandidaten für den SPD-Vorsitz

Sechs gemischte Doppel sind noch im Rennen um den SPD-Parteivorsitz. Es sind bekannte Namen darunter, aber auch neue Gesichter.

Olaf Scholz

Bundesfinanzminister Olaf Scholz tritt nach anfänglichem Zögern doch für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles an - und zwar im Tandem mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. | Bildquelle: dpa

Kein Favorit in Sicht

Eindeutige Favoriten brachten Regionalkonferenzen aber nicht hervor. Deshalb wird damit gerechnet, dass kein Team im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent bekommt und eine Stichwahl nötig wird. Das Ergebnis des Mitgliederentscheids muss dann von einem Parteitag Anfang Dezember noch bestätigt werden.

Bundestagsfraktionschef Rolf Mützenich ließ erkennen, dass er Duo Scholz/Geywitz in einer Favoritenrolle sieht. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass Olaf Scholz ein gutes Ergebnis bekommen wird und die Stichwahl erreicht", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zugleich warb er für die Fortsetzung der Großen Koalition - eine Position, mit der von den Bewerbern am ehesten Scholz verbunden wird.

Belebt durch Wettstreit?

In der Partei wird der lange Auswahlprozess nach dem Rücktritt von Nahles im vergangenen Juni als Erfolg gewertet. Generalsekretär Lars Klingbeil sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Chefsuche habe die Partei mobilisiert. "Es war richtig, dass wir mutig waren und diesen neuen Weg eingeschlagen haben, weil wir endlich mit den Ritualen der Vergangenheit brechen", betonte Klingbeil. Die SPD habe offen debattiert, sich gut gelaunt und geschlossen präsentiert. "So wünsche ich mir meine Partei das ganze Jahr über."

Stimmzettel für den SPD-Parteivorsitz | Bildquelle: dpa
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Sechs Bewerber-Duos sind übriggeblieben - ob zwei in die Stichwahl müssen, steht am Abend fest.

Ob die Beteiligung an der Abstimmung diese Einschätzung des Generalsekretärs bestätigt, ist eine weitere spannende Frage an diesem Tag. Zur Halbzeit des Entscheids am vergangenen Wochenende hatten rund 123.000 Parteimitglieder ihre Stimme abgegeben. Das entspricht rund 30 Prozent der Genossen - deutlich weniger also als bei der Entscheidung der Sozialdemokraten zur Großen Koalition im vergangenen Jahr.

Pistorius: "Ergebnis muss stehen"

Nicht auf den Wahlzetteln steht der Unterhaltungskünstler Jan Böhmermann. Er wurde im Oktober vom Ortsverband Köthen (Sachsen-Anhalt) in die Partei aufgenommen und will auf dem Parteitag für den Vorsitz kandidieren. Dies verschaffte ihm regelmäßig Schlagzeilen, die Erfolgsaussichten dürften aber äußerst gering sein. Theoretisch sind bis zum Parteitag noch weitere Kandidaturen möglich.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius mahnte seine Partei allerdings zur Geschlossenheit. Entscheidend sei am Ende, dass sich alle hinter dem Ergebnis versammelten, auch wenn die Wahlbeteiligung nicht so irre hoch sei, sagte Pistorius der dpa. "Das Ergebnis muss stehen." Es dürfe dann weder kleingeredet noch relativiert werden. Pistorius bewirbt sich gemeinsam mit der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping um die Parteiführung.

Die dringlichste Aufgabe eines neuen SPD-Führungsduos sei es, der Partei wieder Geschlossenheit und Selbstvertrauen zurückzugeben, sagte Pistorius. "Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die verschiedenen Gliederungen und Flügel der Partei wieder zusammenfinden."

SPD-Chefsuche: Partei gibt Ergebnis bekannt
Sabine Müller, ARD Berlin
26.10.2019 07:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Oktober 2019 um 09:50 Uhr.

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