Beschäftigte fertigen Pakete am Fließband ab.  | Bildquelle: dpa

Forderung des SPD-Chefs "Wochenendarbeit muss Ausnahme bleiben"

Stand: 23.12.2019 07:33 Uhr

Verkäufer, Kellner oder Paketboten - rund um die Weihnachtszeit sind sie besonders gefordert, auch an Wochenenden. SPD-Chef Walter-Borjans verlangt ein Umdenken - und sieht den Gesetzgeber in der Pflicht.

Der neue SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat enge Grenzen für die Arbeit an Wochenenden gefordert. "Die Erwartungen der Konsumgesellschaft an die Verfügbarkeit menschlicher Arbeit rund um die Uhr haben ein Ausmaß angenommen, das ein Umdenken dringend notwendig macht", sagte der SPD-Vorsitzende der "Süddeutschen Zeitung".

Die Forderung der SPD sei klar, so Walter-Borjans. Wochenendarbeit müsse eine strikte Ausnahme bleiben und dürfe nicht zur Regel werden. "Da, wo sie unumgänglich ist, muss sie hoch vergütet werden", forderte der SPD-Parteichef. Die Partei verlangt außerdem ein Recht auf Homeoffice und auf Nichterreichbarkeit. "Es wird Zeit, dass die Digitalisierung nicht mehr nur dem Arbeitgeber nutzt, sondern auch den Menschen hilft", sagte Walter-Borjans. "Das ist eine Sache des Gesetzgebers, aber auch der Erwartungshaltung jeder und jedes Einzelnen."

Keine Ausnahmeregelungen für bessere Kapazitätsauslastung

Auf vieles könne die Gesellschaft allerdings auch an Wochenenden nicht verzichten. Etwa auf Polizei, medizinische Notfallversorgung, Kultur und Gastronomie. Karl-Josef Laumann, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, sagte der Zeitung allerdings, dass wieder restriktiver mit Genehmigungen für Sonntagsarbeit in Bereichen umgegangen werden müsste, in denen diese nicht zwingend notwendig sei.

Norbert Walter-Borjans auf dem SPD Parteitag | Bildquelle: REUTERS
galerie

SPD-Chef Walter-Borjans: "Wochenendarbeit muss Ausnahme bleiben".

So dürfe der verfassungsrechtliche Sonntagsschutz nicht zur besseren Kapazitätsauslastung ausgehebelt werden - oder um beispielsweise im Onlinehandel Bestellungen schneller zustellen zu können, sagte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister. Im Gesundheits- und Pflegebereich gebe es hingegen derzeit einen Stellenzuwachs "und damit eine gerechtfertigte Zunahme der Sonntagsarbeit".

Selbstständige besonders betroffen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts arbeitete 2018 jeder dritte Erwerbstätige an mindestens einem Samstag im Monat - insgesamt waren es 14,7 Millionen Menschen. An mindestens einem Sonn- oder Feiertag im Monat waren 8,5 Millionen Menschen im Dienst.Viele der Betroffenen sind Selbstständige sowie Verkäufer, Pfleger, Kellner, Hotelangestellte oder Paketboten.

SPD-Chef Walter-Borjans verlangt enge Grenzen für Wochenend-Arbeit
Markus Sambale, ARD Berlin
23.12.2019 10:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2019 um 04:47 Uhr.

Darstellung: