Der Deckel eines Gullys wird auf einer überfluteten Straße in Köln vom Wasserdruck hochgehoben. | Bildquelle: picture alliance / Federico Gamb

Strategien gegen Starkregen Experten fordern die "Schwammstadt"

Stand: 03.08.2019 13:24 Uhr

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller: Immer wieder treten solche Fälle nach Starkregen auf. Der Grund: zu viele versiegelte Flächen. Experten fordern ein Umdenken.

Erst ist es heiß und trocken. Dann schüttet es wie aus Kübeln: Abwasserentsorger fordern, Städte besser auf Starkregen vorzubereiten. Teils könnten die Wassermassen nicht mehr in die Kanäle abfließen, sondern rauschten darüber hinweg, sagte der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Karsten Specht. Gullys und Kanäle könnten aber nicht überall vergrößert werden. "Unsere Städte sind häufig zu sehr versiegelt", kritisierte er. Es brauche daher mehr Grünflächen wie Parks und mehr Grün auf Dächern und Fassaden.

Wasser soll langsam absickern

Zu den wichtigsten Strategien gehöre die "Schwammstadt", sagte Specht. Hinter diesem Begriff steht das Konzept, dass eine Stadt Regen dezentral in Flutmulden und in oberirdischen Versickerungsanlagen aufnimmt. Die lassen das Wasser dann verzögert in den natürlichen Wasserkreislauf abfließen.

Neue sind diese Vorschläge keineswegs. Bereits im August 2017 stellte das Umweltbundesamt dieses Konzept in einem Report vor. Damals lösten die Behörden wegen Starkregens und Überschwemmungen in Ost- und Mitteldeutschland den Katastrophenalarm aus. Das Amt kam zu dem Schluss, dass die "Schwammstadt" das Kanalnetz entlaste und gegen Überflutungen vorsorge. Auch helfe es Dächer, zu begrünen. Die Pflanzen würden vor Hitzewellen schützen, und ließen Regenwasser langsamer abfließen.

Appell an Hausbesitzer

Mit dem Klimawandel steigt das Risiko für extreme Niederschläge. Der VKU sieht Politik und Stadtplaner in der Pflicht: Es brauche lokale Initiativen, bei denen alle Akteure an einem Tisch säßen, Bund und Länder sollten die Kommunen unterstützen, forderte Specht. Er appellierte aber auch an Hausbesitzer: "Durch ungesicherte Kellerfenster und -eingänge oder Tiefgarageneinfahrten kann Wasser auch in Gebäude eindringen und zu Sachschäden führen", sagte er. Dagegen helfe, Häuser "wasserfest" zu machen und Kellerräume zum Beispiel mit Rückstauklappen vor Überflutung zu schützen.

Für den Ausbau der Kanalisation fehle manchmal schlicht der Platz, erklärte Specht. "Bau- und Betriebskosten würden die Abwassergebühren zudem explodieren lassen." Mehr Grün- und Wasserflächen in Städten könnten zugleich die Temperaturen durch Verdunstungskühle senken und erhöhten insgesamt die Lebensqualität.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2019 um 11:00 Uhr.

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