Bundespräsident Steinmeier beim Besuch des temporären Corona-Behandlungszentrums auf dem Berliner Messegelände. | Bildquelle: dpa

Steinmeier zu Corona-Maßnahmen "Mundschutz empfehlenswerter als Aluhut"

Stand: 14.05.2020 17:22 Uhr

Fakten gegen Hetze und Hass, kritische Debatten statt Verschwörungstheorien: Bundespräsident Steinmeier setzt bei den Corona-Maßnahmen auf Vernunft und Eigenverantwortung der Bürger.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Anti-Maskendemos. Verschwörungserzählungen. Leute, die mit Aluhüten auf dem Kopf Corona leugnen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kennt die Bilder und liest, wenn er in den sozialen Medien unterwegs ist, die realitätsfremden Thesen.

"Ich bin selbst medizinischer Laie. Trotzdem traue ich mich, zu behaupten, dass unter den Gesichtspunkten des Virenschutzes der vielleicht manchmal unbequeme und lästige Mundschutz empfehlenswerter ist, als der Aluhut", so Steinmeier.

Steinmeier war eigentlich in die neuerrichtete Corona-Notfallklinik auf das Berliner Messegelände gekommen, um sich die 500 Betten dort anzuschauen. Aber auch dem Staatsoberhaupt ist nicht entgangen, dass in Deutschland gerade eine Anti-Corona-Beschränkungsdebatte hochkocht. "Ja", sagt er ausdrücklich, Politik müsse sich rechtfertigen. Immer wieder. Aber das tue sie auch.

"Demokratie lebt von einer kritischen Öffentlichkeit"

"Demokratie braucht Kritik. Demokratie lebt von einer kritischen Öffentlichkeit. Deshalb ist es erforderlich, dass die Maßnahmen, die getroffen wurden, immer wieder diskutiert werden, diskutiert wird, wie lange sie auch notwendig sind", sagt Steinmeier.

Die Verschwörungserzählungen aber wabern weiter durchs Netz. Krude Thesen mischen sich mit Gewaltaufrufen bis hin zu ersten Attacken auf Polizisten und Medienvertreter.

Der Bundespräsident ermuntert ausdrücklich zur Diskussion, um anzufügen: "Meine Hoffnung ist, dass wir diese Auseinandersetzung mit Vernunft führen. Dass wir uns weiter an Tatsachen und Fakten orientieren und nicht diejenigen die Debatte bestimmen, die mit realitätsfremden Thesen an die Öffentlichkeit treten."

Steinmeier setzt auf Fakten

Hetze und Hass gegen Fakten und Vernunft. Steinmeier jedenfalls setzt auf Fakten. Und weiter auch auf die Eigenverantwortung der Menschen. Dass in den vergangenen Tagen immer mehr Menschen auf den Straßen, immer enger und wieder in größeren Gruppen unterwegs waren, sei kein gutes Signal:

"Das sorgt mich sehr. Ich habe allerdings aus eigenem Augenschein, wenn ich am Wochenende unterwegs war, nicht den Eindruck, dass die Eigenverantwortung schon völlig preisgegeben ist."

Aber viele Menschen zeigten die notwendige Disziplin, sich selbst und andere per Maske zu schützen. Dass jetzt die ersten Beschränkungen fielen, auch einen Bundespräsidenten freut das mit Blick auf seine frisch frisierten weißen Haare: "Ich hoffe, das sieht man, dass ich beim Friseur war", sagt er mit einem Lachen.

Homeoffice keine "beglückende Dauerlösung."

Auch ein Bundespräsident übrigens sitze im Homeoffice, sagt er. Auch sein Alltag sei ein anderer. Und auch ein Bundespräsident vermisse vieles. Das persönliche Gespräch, das Reisen, die Besuche. "Homeoffice mag für eine kurze Zeit ein Weg sein, mit der Situation fertig zu werden. Aber auch für mich empfinde ich das nicht als beglückende Dauerlösung."

Corona ändert vieles. Manches auch zum Guten. Wertschätzung von Pflegekräften zum Beispiel, sagt Steinmeier und verweist darauf, dass die Pflegekräfte ja selbst sagten, die Wertschätzung drücke sich auch in besserer Bezahlung aus. Umdenken auch durch Corona. Und der Bundespräsident hofft, dass wir vieles von neuen Einschätzungen, Wertschätzungen, vielleicht auch neuen Verhaltensweisen herüberretten in eine Zeit nach Corona.

Maske versus Aluhut - Bundespräsident Steinmeier zur Corona-Debatte
Georg Schwarte, ARD Berlin
14.05.2020 16:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 14. Mai 2020 um 15:06 Uhr.

Korrespondent

Georg Schwarte | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

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