Steinmeier und seine Gäste an der Kaffeetafel | Bildquelle: AFP

Gespräch über Corona-Auflagen Steinmeier wünscht Debatte ohne Aggressivität

Stand: 22.09.2020 18:01 Uhr

Der Ton in der Debatte um die Corona-Auflagen ist rau, vor allem von Seiten der Kritiker. Bundespräsident Steinmeier hat deshalb acht Bürger an seine Kaffeetafel eingeladen, um sich auszutauschen.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht von einem Graben zwischen denen, die die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie für falsch und überflüssig halten und denen, die sagen: Das alles ist mir noch viel zu lax. Vertreter beider Seiten sitzen am langen Tisch im großen Saal, an einer Kaffeetafel im Schloss Bellevue. Diese, sagt Steinmeier zu Beginn, sei ein Test, "ob es bei einem solchen Thema noch möglich ist, einen zivilisierten Austausch miteinander hinzubekommen". Weil auf der Straße und auch im Netz der Ton so aggressiv geworden sei.

Anderthalb Stunden hat der Bundespräsident Zeit für seine acht Gäste, die das Bundespräsidialamt ausgewählt hat. Es geht um die Situation an den Schulen: Es sei doch Doppelmoral, dass die Schüler vormittags ohne Masken eng an eng sitzen, am Nachmittag sich aber nur ja nicht treffen sollen. Außerdem geht es um die existenziellen Probleme der Kulturszene - sie habe geduldig gewartet, brauche jetzt aber Unterstützung, um wieder als Kitt der Gesellschaft wirken zu können.

Steinmeier und seine Gäste an der Kaffeetafel | Bildquelle: AFP
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Steinmeier (l.) hatte ausgewählte Gäste an seinen Kaffeetisch eingeladen.

Zuhören, zustimmen - aber auch widersprechen

Der von Steinmeier mit diesem Treffen erhoffte Austausch kommt erst spät zustande. Zunächst kommen vor allem die Kritiker zu Wort. Sie beklagen, dass die Politik Angst verbreite, dabei sei Angst giftig und schlecht fürs Immunsystem. Sie vermissen die von ihnen als wichtig gesehenen Inhalte in der politischen Diskussion und in der Berichterstattung in den Medien.

Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender hören zu, fragen nach, stimmen zu - etwa der Klage, dass die Kontaktverbote im Frühjahr vor allem Alte und Kranke hart getroffen haben, dass es einsame Tode gegeben habe. Aber: Steinmeier und Büdenbender widersprechen auch - etwa als es um die Zahl der Demonstranten in Berlin geht und den riesigen Unterschied zwischen der eigenen Wahrnehmung und den Angaben der Polizei.

Argumente sollen nicht ungehört bleiben

Am Ende sagt Steinmeier: "Ich kann nur anbieten, dass wir einen offenen Austausch führen, dass wir deutlich machen, dass Argumente nicht ungehört bleiben, wie ja gelegentlich vorgeworfen wird." Und dass eines auch klar sei: In so einer Pandemie mache es einen Unterschied, ob jemand in einem Haus mit Garten wohne oder in einer engen Mietwohnung, ob der Arbeitsplatz gefährdet sei oder nicht.

Den Kritikern an der Tafel - Cornelia Steinert und Cornelia Schielein - reicht das nicht wirklich. War das Treffen also vergebens? Nein, sie fühle sich total wertgeschätzt allein durch das Treffen. "Ich lerne dadurch andere Leute kennen. Das ist mega kostbar", sagt Steinert. Schielein ergänzt aber: "Ich hab nur den Eindruck, es wird sich nicht viel generell ändern." Die Politik werde ihren Kurs wohl einfach so weiterfahren, vermutet Schielein. Auch Steinmeier sei im Gespräch nicht von seiner Meinung abgewichen.

Kritiker bekommen mehr Raum

Die Berliner Schülersprecherin Luisa Regel zieht das Fazit: Es war ein gutes Gespräch, sie sei zu Wort gekommen, wenn auch deutlich kürzer als die Kritiker am Tisch: "Aber das waren halt auch diejenigen, die sehr starke persönliche Meinungen vertreten haben. Wir haben halt eher, gerade im künstlerischen Bereich und in der Schule, für eine breite Masse gesprochen." Und die ziehe Abstandsregeln und Maskenpflicht ja auch nicht grundsätzlich in Zweifel.

Corona-Kaffeetafel bei Steinmeier

22.09.2020 17:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. September 2020 um 17:31 Uhr.

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