Schwesig plant Gesetzesinitiative zur Strafverschärfung von Kindesmissbrauch. | Bildquelle: dpa

Strafverschärfung bei Kindesmissbrauch Schwesig plant Bundesratsinitiative

Stand: 14.06.2020 09:21 Uhr

Nach mehreren Missbrauchsfällen fordern immer mehr Politiker eine Strafverschärfung. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig plant eine Bundesratsinitiative - viele bisherige Urteile seien zu mild.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat eine Gesetzesinitiative  angekündigt, die eine mindestens einjährige Haftstrafe bei Fällen von Kindesmissbrauch vorsieht. Ihr Bundesland werde in der nächsten Bundesratssitzung einen Antrag auf Strafverschärfung von Kindesmissbrauch einbringen, sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag".

Die frühere Bundesfamilienministerin forderte auch härtere Strafen in Fällen von Kinderpornografie. Jeder Missbrauch müsse grundsätzlich als Verbrechen geahndet werden, "denn er ist immer ein Verbrechen an der Seele und dem Körper eines Kindes", betonte Schwesig. Taten, die als Verbrechen und nicht als Vergehen eingestuft werden, werden mit mindestens einem Jahr Haft bestraft.

Zu milde Urteile beklagt

Schwesig beklagte zu milde Urteile bei Kindesmissbrauch: "Es kann nicht sein, dass es immer wieder Täter gibt, die bereits wegen Kindesmissbrauch vorbestraft sind und dann erneut ein Kind Opfer wird. Künftig muss es weniger Bewährungsstrafen und mehr Sicherheit vor Wiederholungstätern geben."

Am vergangenen Wochenende war ein Fall schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in Münster bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war wegen Kinderpornografiebesitzes zweifach vorbestraft. Die Union hatte daraufhin Strafverschärfungen verlangt. Auch Bundesjustizministern Christine Lambrecht (SPD) schwenkte nach anfänglicher Skepsis um und will nun rasch härtere Strafen auf den Weg bringen.

Deutsche Kinderhilfe: "Entdeckungsrisiko muss erhöht werden"

Der Deutschen Kinderhilfe reichen die Schritte nicht. "Das Entdeckungsrisiko für die Täter muss weiter erhöht werden", sagte Kinderhilfe-Chef Rainer Becker. Dazu gehöre, die Polizei mit geschultem Personal und Technik besser auszustatten. Auch Staatsanwaltschaften und Gerichte litten unter Personalmangel, was die Bestrafung der Täter erschwere.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2020 um 09:00 Uhr.

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