Bahn und Berge | Bildquelle: <BR>

tagesthemen mittendrin Rosenheimer Bürger gegen die Deutsche Bahn

Stand: 07.08.2020 14:45 Uhr

Ab 2028 sollen täglich etwa 400 Züge durch den Brennerbasistunnel rasen. Doch im Alpenvorland formiert sich Protest gegen die Deutsche Bahn. Denn die plant Trassen durch Schutzgebiete und Grundstücke.

Von Dagmar Bohrer-Glas, BR

Idyllischer könnte dieser heiße Sommertag im Inntal nicht sein. Der Himmel ist weiß-blau, die Bienen summen eifrig, und die Pferde der Familie Gschwendtner genießen faul die Mittagssonne. Doch unbeschwert fühlt sich Familienvater Georg Gschwendtner aus Reischenhart, einer kleinen Ortschaft im bayerischen Kreis Rosenheim, deswegen nicht. Im Gegenteil: Er fürchtet massiv um die Zukunft seiner Familie.

Drei von fünf möglichen Bahntrassen für den geplanten Brenner-Nordzulauf gehen derzeit über sein drei Hektar großes Grundstück im Alpenvorland - wenn bislang auch nur auf dem Papier. Aber der 60-Jährige hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die Deutsche Bahn für eine Trasse auf seinem Grundstück entscheidet. Und wenn das geschieht, dann wird seine Familie gezwungen sein, Haus und Hof für immer zu verlassen.

„Das ist meine Heimat. Ein anderer Fleck in Deutschland interessiert mich nicht. Wer das noch nicht mitgemacht hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie das tagtäglich in einem arbeitet“, sagt Gschwendtner.

Absperrband im Garten
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Wenn die Deutsche Bahn entscheidet, dass die Trasse Richtung Brennerbasistunnel über sein Grundstück läuft, muss Georg Gschwendtner mit seiner Familie das Haus verlassen. Das Absperrband symbolisiert den Schienenverlauf - direkt Richtung Gebäude.

Pläne der Deutschen Bahn stoßen auf Widerstand

Der Brenner-Nordzulauf wird den Schienenverkehr und das Landschaftsbild nachhaltig verändern. Im Landkreis Rosenheim haben sich inzwischen 18 Bürgerinitiativen gegründet, die gegen eine Neubautrasse kämpfen. Die Gegner demonstrieren, sammeln Unterschriften und kündigen weitere Proteste an - vergleichbar mit dem Bürgerprotest gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21".

Der Bedarf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke und ihr Kosten- und Nutzenfaktor werden stark angezweifelt. In einer aktuell laufenden Petition an den Deutschen Bundestag wird der Ausbau der bestehenden Zugstrecke im Inntal gefordert.

Eine modernisierte Bestandsstrecke mit neuem Lärmschutz sei vollkommen ausreichend, um rund 400 Züge täglich Richtung Brennerbasistunnel zu bewältigen, so das Argument der Gegner. Eine Neubautrasse würde dagegen das Landschaftsbild zerstören, landwirtschaftlich genutzte Flächen verbrauchen und Trinkwasserschutzgebiete gefährden. Auch jahrelange Megabaustellen wären für den Tourismus eine Katastrophe, so die Gegner.

In Rosenheim formiert sich Protest gegen geplante Bahnstrecke
tagesthemen 21:45 Uhr, 07.08.2020, Ilanit Spinner, BR

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Bund Naturschutz will andere Verkehrspolitik in Deutschland

Die Bahn generell und auch das Projekt "Brenner-Nordzulauf" stehen für "Mehr Güter auf die Schiene“. Ein Vorhaben, das Naturschützer oft auch unterstützen.

In einer Pressekonferenz in Rosenheim erläuterte der Bund Naturschutz (BN), warum auch er die geplante Bahntrasse ablehnt. "Es gibt eine Alternative zum geplanten Brenner-Nordzulauf und zwar die Ertüchtigung des Bestandes und den notwendigen Anschluss an den Güter-Ostkorridor über Landshut-Mühldorf-Freilassing", sagt Landesvorsitzender Richard Mergner.

Pressekonferenz | Bildquelle: <BR>
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Auch der "Bund Naturschutz" lehnt die Pläne der Bahn ab. Bei einer Pressekonferenz appellierten die Vertreter an Bayerns Ministerpräsident Söder, Bundesverkerhrsminister Scheuer und den CSU-Fraktionsvorsitzenden Dobrindt, Alternativen zu prüfen.

Der BN fordere eine andere Verkehrspolitik in Deutschland: eine Verkehrsverlagerung durch Verteuerung des Lkw-Verkehrs, eine Alpentransitbörse, die den Güterverkehr über die verschiedenen Alpenübergänge verteilt und die Vermeidung von unnötigen Transporten.

Der Bund Naturschutz appelliere an Ministerpräsident Markus Söder, an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und an den CSU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Dobrindt. Sie sollten ihre Verweigerungshaltung diesbezüglich aufgeben und die Vorschläge des BN prüfen, erklärt Mergner.

Deutsche Bahn will die verträglichste Lösung finden

Derzeit verlaufen die fünf vorliegenden Trassenvorschläge der Deutschen Bahn entlang von Mooren und Filzen, über Trinkwasserschutzgebiete und an vielen Wohnhäusern vorbei. Der halbe Landkreis Rosenheim ist derzeit überplant, mehr als 20 Gemeinden sind betroffen.

Wenn es eine Neubautrasse brauche, dann unter der Erde im Tunnel, fordern Bürgermeister und Mandatsträger. Wir suchen die beste Lösung für den Landkreis Rosenheim, beteuern dagegen die Projektverantwortlichen der Deutschen Bahn.

Haus und Wiese | Bildquelle: <BR>
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Die Familie Gschwendtner lebt seit über 100 Jahren auf dem Grundstück in dem kleinen Ort Reischenhart im Kreis Rosenheim.

Man habe den Auftrag des Bundes für diese Planungen und diese würden ergebnisoffen durchgeführt, gemeinsam mit den Kommunen und Bürgern im Dialogverfahren. Auch Bürgervorschläge seien mit in die Planungen eingeflossen. Mit Dobrindt und Scheuer waren bereits zwei CSU-Bundesverkehrsminister in Rosenheim, um sich den Demonstranten zu stellen.

Anfang 2021 will die Deutsche Bahn die Vorzugstrasse der Öffentlichkeit präsentieren. Dann wird sich naturgemäß die Betroffenheit in der Region verringern und der breite Widerstand könnte nachlassen. Ob der Brenner-Nordzulauf tatsächlich gebaut wird, entscheidet letztendlich der Deutsche Bundestag.

Mit einer Fertigstellung einer Neubaustrecke sei in rund 20 Jahren zu rechnen, heißt es von der Bahn. Der Brennerbasistunnel dagegen geht voraussichtlich 2028 in Betrieb.

Georg Gschwendtner beruhigt der lange Zeithorizont nicht. Seit rund 100 Jahren stehe das Haus der Gschwendnters hier in Reischenhart schon. „Wenn der Brenner-Nordzulauf hier bei uns gebaut wird, nehmen sie unseren Kindern nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit“, sagt er. Gschwendtner will weiterkämpfen.

mittendrin: Aus nach 110 Jahren - Letzte Ausgabe "Wangerooger Inselbote"
tagesthemen 23:30 Uhr, 18.07.2020, Christina Gerlach, NDR

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. August 2020 um 21:45 Uhr.

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