Männer arbeiten auf einer Baustelle | Bildquelle: dpa

Lohnerhöhung Durchbruch bei Bau-Tarifverhandlungen

Stand: 03.09.2020 10:45 Uhr

Ein Schlichterspruch sieht Lohnerhöhungen und eine Corona-Prämie vor. Erstmals sollen Bauarbeiter demnach auch Anfahrtswege bezahlt bekommen. Der Vertrag muss allerdings noch von den Tarifparteien angenommen werden.

Bei der Schlichtung im Tarifstreit der Bauwirtschaft ist nach Gewerkschaftsangaben ein Durchbruch gelungen. Der Schlichterspruch sehe ein Lohn-Plus von insgesamt 2,6 Prozent im Westen und 2,7 Prozent im Osten vor, teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Morgen nach den Gesprächen in Kassel mit.

Im Vorschlag des Schlichters enthalten ist Gewerkschaftsangaben zufolge erstmals auch eine Vergütung für Fahrzeiten zur Baustelle. Darüber hinaus soll es eine "Corona-Prämie" von 500 Euro als steuerfreie Einmalzahlung geben. Auch Auszubildende bekommen demnach eine Erhöhung ihrer Vergütung und eine "Corona-Prämie" von 250 Euro.

Frist von zwei Wochen

Die Gewerkschaft hatte vor über einem halben Jahr eine Lohnerhöhung von 6,8 Prozent, mindestens aber 230 Euro mehr im Monat und ein Wegegeld für die Fahrten zur Baustelle für die Bauarbeiter verlangt. Lange war keine Einigung in Sicht. Die Arbeitgeber verwiesen auf die schwierige konjunkturelle Lage und warfen der Gewerkschaft vor, die wirtschaftliche Situation der Branche zu ignorieren.

Unter Vorsitz des Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, hatten die Tarifparteien schließlich eine Schlichtung der Auseinandersetzung gesucht. Nun haben die Tarifparteien zwei Wochen Zeit, den Vorschlag des Schlichters anzunehmen. Das gilt aber als wahrscheinlich. Beide Seiten haben sich bereits positiv über das Ergebnis der Verhandlungen geäußert.

Bis 2021 Lösung für Wegezeit-Entschädigung

"Wir sind froh, dass wir einen tragfähigen Kompromiss gefunden haben und dass uns ein Arbeitskampf erspart bleibt", erklärte Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, sprach von einer "fairen Lösung", die der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche Rechnung trage.

Auch die Arbeitnehmerseite zeigte sich zufrieden. Allerdings bleibe noch viel zu tun. IG BAU-Chef Robert Feiger sagte, die oft enorm langen Fahrten zu den Baustellen seien für einen Großteil der Beschäftigten das "Job-Problem Nummer eins". Der Schlichterspruch lege nun die Grundlage, dieses Problem anzugehen. "Der Einstieg ist damit geschafft."

Bis spätestens Juni 2021 soll nun unter Leitung des Schlichters eine verbindliche Lösung für eine dauerhafte Wegezeit-Entschädigung gefunden werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. September 2020 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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