Mitarbeiter der Porsche AG haben in der Produktion des batterieelektrische angetriebenen Sportwagens Porsche Taycan einen Mundschutz an. | Bildquelle: dpa

Wirtschaftsexperten Teil-Lockdown beeinflusst Wirtschaft kaum

Stand: 28.11.2020 10:51 Uhr

Der erneute Teil-Lockdown wird die deutsche Wirtschaft nicht besonders hart treffen, meinen führende Wirtschaftsexperten. Mit einer vollständigen Erholung ist aber erst zu rechnen, wenn ein Corona-Impfstoff verfügbar ist.

Der verlängerte Teil-Lockdown wird sich kaum negativ auf die deutsche Wirtschaftsleistung auswirken. Zu diesem Schluss kommen die Volkswirte von führenden Finanz- und Forschungsinstituten.

Die vom "Lockdown light" hauptsächlich betroffenen Branchen wie Gastronomie, Kulturszene oder Verkehrsbranche hätten einen vergleichsweise geringen Anteil an der Bruttowertschöpfung, sagt Veronika Grimm, "Wirtschaftsweise" und Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen.

Laut Grimm habe das derzeit weitgehend geschlossene Gastgewerbe einen Anteil von 1,6 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung - die gegenwärtig vergleichsweise gut laufende Industrie dagegen einen Anteil von rund 25 Prozent und der ebenfalls geöffnete Einzelhandel von um die zehn Prozent.

Erst ein Impfstoff wird Erholung bringen

"Die Wirtschaft wird dadurch nicht stark einbrechen. Es kommt jetzt darauf an, die betroffenen Betriebe gut durch die Krise zu bringen", so Grimm. Um dass zu gewährleisten, seien die Milliarden-Ausgaben von Bund und Ländern für Hilfsprogramme gerechtfertigt.

Auch den Arbeitsmarkt werde der Teil-Lockdown nur leicht negativ beeinflussen, sagt Katharina Utermöhl, Volkswirtin von der Allianz-Gruppe in Frankfurt am Main. "Der zweite Lockdown wird hier keine nennenswerten Auswirkungen haben", sagt sie mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen.

Utermöhl prognostiziert aber auch, dass es ein längerer Konjunkturwinter wird. Die wirtschaftliche Erholung im nächsten Jahr werde erst einsetzen, wenn eine ausreichende Zahl von Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden sei. Nach einem Minus von sechs Prozent im laufenden Jahr rechnet Utermöhl 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von nur 2,5 Prozent.

Möglicherweise 100.000 Arbeitlose zusätzlich

"Durch den 'Lockdown light' wird das Bruttoinlandsprodukt erneut schrumpfen, allerdings weit weniger stark als im Frühjahr", sagt auch Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatseigenen Bankengruppe KfW. "Die Zahl der Arbeitslosen könnte sich durch die Betriebsschließungen um etwa 100.000 erhöhen, die Zahl der Kurzarbeiter vorübergehend um bis zu einer halben Million", so Köhler-Geib. Betroffen seien vor allem Geringqualifizierte, Minijobber und Beschäftigte im unteren Einkommensbereich.

Folgt man den Experten, ist die gegenwärtige Situation nicht vergleichbar mit der im Frühjahr, als etwa Grenzen zu Nachbarländern geschlossen werden mussten und internationale Lieferketten unterbrochen waren.

Obwohl die Corona-Hilfen für Wirtschaft und Privatleute die Staatsschulden höher als geplant ausfallen lassen, sehen die Experten keine problematische Situation für die deutschen Staatsfinanzen. Die Staatsverschuldung werde zwar vermutlich erst in zehn Jahren wieder Vorkrisenniveau erreichen, sagt Utermöhl. Sofern die Politik bei der Refinanzierung nicht ausschließlich auf Steuererhöhungen, sondern auch auf mehr Wachstum setze, sei das aber verkraftbar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2020 um 10:00 Uhr.

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