Verkehrszeichen zur Geschwindigkeitsbegrenzung stehen auf dem Mittelstreifen der Autobahn A13 nahe Rangsdorf in Brandenburg. | Bildquelle: dpa

Mehr Studien gewünscht Versicherer fordern Fakten zum Tempolimit

Stand: 30.12.2019 13:24 Uhr

Die Versicherungswirtschaft befürwortet einen Praxistest zum Tempolimit auf Autobahnen. Bisher gebe es dazu keine umfassenden Untersuchungen. Zudem könnten Limits nur an bestimmte Tageszeiten gekoppelt werden.

Welche Folgen hätte ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die deutsche Versicherungswirtschaft schlägt dazu einen Praxistest vor. Dieser solle klären, "ob ein Tempolimit auf Autobahnen wirklich zu einem deutlichen Mehr an Sicherheit führt und, wenn ja, wie viel", sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bisher seien die Wirkungen eines Tempolimits in Deutschland wissenschaftlich noch nicht umfassend untersucht worden, bemängelte der Experte.

Straßenwärter bauen an der Autobahn 24 ein Schild mit der Geschwindigkeitsangabe von 130 Kilometer pro Stunde auf. | Bildquelle: dpa
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Im Gespräch ist auch ein zeitlich begrenztes Tempolimit - z.B. für die Zeit zwischen 6 und 22 Uhr.

In der politischen Debatte suche sich jeder den Befund heraus, der gerade der eigenen Meinung entspreche. Brockmann sagte, Autobahnen seien prinzipiell zum schnelleren Fahren gedacht. Vielleicht sei dies zu Tageszeiten mit geringem Verkehrsaufkommen auch weiterhin möglich. Eine Option sei es etwa, das Tempolimit auf die Zeit zwischen 06:00 Uhr und 22:00 Uhr zu beschränken.

Auch Gewerkschaft der Polizei fordert Gutachten

Einen ähnlichen Vorschlag hatte bereits die Gewerkschaft der Polizei gemacht. "Die Bundesregierung sollte ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag geben, um valide Zahlen über den Nutzen eines Tempolimits zu bekommen", sagte GdP-Vizechef Michael Mertens dem "Handelsblatt" vom vergangenen Samstag. Mit einer Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 130 Kilometer pro Stunde verringere sich "das Risiko schwerer Unfälle mit Schwerstverletzten", sagte Mertens.

"Autofahrer würden sich schnell gewöhnen"

Am Wochenende hatten sich Verbraucherschützer für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ausgesprochen. "Was in allen Nachbarländern in Europa funktioniert, daran würden sich auch in Deutschland Autofahrer schnell gewöhnen", sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, Marion Jungbluth, dem "Handelsblatt". Die Vorteile seien "erheblich", denn "neben der Klimawirkung kann es zu mehr Sicherheit und weniger Stress auf Autobahnen führen".

Die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD ist in der Frage eines Tempolimits auf Autobahnen uneins. Die Union ist dagegen, die Sozialdemokraten sind dafür und wollen im neuen Jahr mit dem Koalitionspartner darüber sprechen.

Der zuständige Minister ist klar gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung. Es gebe ein funktionierendes System der Richtgeschwindigkeit, betont Andreas Scheuer. Zudem gebe es "weit herausragendere Aufgaben, als dieses hoch emotionale Thema wieder und wieder ins Schaufenster zu stellen".

Auf das Thema angesprochen, verwies die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer auf den Koalitionsvertrag - in diesem sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht als Projekt definiert. Sie machte deutlich: "Die Bundesregierung plant kein allgemeines Tempolimit auf bundesdeutschen Autobahnen."

Generelles Tempolimit: Union und SPD diskutieren wieder
Anja Günther, ARD Berlin
27.12.2019 12:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Dezember 2019 um 05:00 Uhr.

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