Der deutsche Journalist Roland Tichy spricht 2016 auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland | Bildquelle: dpa

Sexistische Beleidigung Eklat um Stiftungs-Chef Tichy

Stand: 24.09.2020 16:37 Uhr

Mit der sexistischen Beleidigung einer SPD-Politikerin in seinem Online-Magazin hat der Journalist Tichy für Ärger gesorgt. Nach deutlicher Kritik will er nun den Vorsitz der Ehrhard-Stiftung abgeben.

Von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio

Die Ludwig-Erhard-Stiftung (LES) gehört zu den Institutionen in Deutschland, die eher im Verborgenen wirken. Der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, der frühere Wirtschaftsminister und Kanzler Ludwig Erhard gründete sie 1967. Die LES soll für freiheitliche Grundsätze in Wirtschaft und Politik eintreten und die Idee der Sozialen Marktwirtschaft wachhalten und stärken.

Doch nun ist die Einrichtung in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Bundespolitiker haben ihre Mitgliedschaft in der LES gekündigt oder lassen sie ruhen. Sie stoßen sich am aktuellen Vorsitzenden, dem Journalisten Roland Tichy. Dieser hat inzwischen angekündigt, das Amt abzugeben.

Logo der Erhard-Stiftung | Bildquelle: dpa
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Der Journalist Tichy sorgte mit einer verbalen Entgleisung in seiner Publikation für Aufregung bei der LES.

Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli | Bildquelle: dpa
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In einem Artikel in "Tichys Einblick" wurde die SPD-Politikerin Chebli beleidigt.

Bär machte den Anfang

Den Stein ins Rollen brachte Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt. Die CSU-Politikerin twitterte am Dienstag, sie habe ihr Kündigungsschreiben an die Ludwig-Erhard-Stiftung aufgesetzt.

Stein des Anstoßes: Ein Text in "Tichys Einblick", einem - so die Eigenwerbung - "liberal-konservativen Meinungsmagazin". Tichy ist Herausgeber der Publikation. Das Magazin und die dazugehörige Online-Plattform gehören für viele Politiker aus dem rechtspopulistischen Spektrum zur Pflichtlektüre. Tichy war von 2007 bis 2014 Chefredakteur der "Wirtschaftswoche".

In der gedruckten Ausgabe von "Tichys Einblick" heißt es in einem satirischen Text über die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli, die sich um eine Bundestagskandidatur bemüht: "Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer." Chebli hatte ein Foto des Artikels auf Twitter gepostet.

"Das schadet dem Ansehen Ludwig Erhards"

Derartige Ausfälle seien unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar, begründete Bär ihren Austritt im "Handelsblatt". Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden habe, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht würden, könne und wolle sie sie nicht weiter unterstützen, sagte die Staatsministerin.

Andere Politiker zogen nach: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Vorsitzende der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann, wollen ihre Mitgliedschaften in der LES ruhen lassen. Das CDU-Präsidiumsmitglied Spahn und CDU/CSU-Fraktionsvize Linnemann erklärten:

"Die Ludwig-Erhard-Stiftung ist eine Institution mit langer Tradition und dem Erbe des Namensgebers verpflichtet. Leider ist seit geraumer Zeit eine Debattenkultur von führenden Vertretern der Stiftung festzustellen, die dieser Verantwortung nicht gerecht wird. Das schadet dem Ansehen Ludwig Erhards."

Carsten Linnemann | Bildquelle: dpa
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Auch der Vorsitzende der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann, distanzierte sich von Tichy.

Tichy kündigt Rückzug an

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" will Tichy sich bei den nächsten Vorsitzwahlen der Ludwig-Erhard-Stiftung Ende Oktober nicht zur Wiederwahl stellen und damit die Leitung der LES abgeben.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann, ebenfalls Mitglied in der Stiftung, begrüßte den angekündigten Rückzug. Der derzeitige Vorsitzende habe die Arbeit der Stiftung befördert, er spiele aber zugleich eine medial sichtbare Rolle als Herausgeber von "Tichys Einblick", heißt es in einem Schreiben an die anderen Mitglieder, aus dem die FAZ zitiert.

"Dort herrscht ein zuspitzender, oft polemischer Debattenstil und es ist wiederholt zu beleidigenden und verletzenden Äußerungen gekommen, die sich mit den Idealen der Stiftung nicht vertragen und eine negative öffentliche Berichterstattung über die Stiftung ausgelöst haben."

Auch Merz zufrieden

Auch der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, der ebenfalls zum Kreis der LES-Mitglieder gehört, zeigte sich zufrieden: "Die einzig richtige Entscheidung", schrieb Merz auf Twitter.

Merz hatte bereits 2018 den Ludwig-Erhard-Preis abgelehnt. Wie das "Handelsblatt" damals unter Berufung auf Einschätzungen von Jury-Mitgliedern berichtete, war ein Grund, dass er bei der Verleihung mit Tichy zusammen auf der Bühne stehen sollte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2020 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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