Der Riesenpanda Meng Meng (Träumchen), aufgenommen in der Zuchtstation in Chengdu in der südwestchinesischen Provinz Sichuan | Bildquelle: dpa

Tiere und Diplomatie Die Panda-Politik

Stand: 05.07.2017 05:10 Uhr

Bevor Chinas Präsident Xi zum G20-Gipfel nach Hamburg reist, ist er heute schon in Berlin. Dort will er mit Kanzlerin Merkel das jüngst von China verliehene Panda-Pärchen im Zoo besuchen. Es gilt als Zeichen des guten Kontakts beider Länder. Angela Ulrich über tierische Diplomatie.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Aus der Nähe betrachtet sind diese Pandas ganz schöne Nullen, sagt Jan Mohnhaupt: "Der Panda ist eigentlich eine Sackgasse der Evolution. Die sitzen den ganzen Tag herum, fressen von den zig Bambus-Sorten nur eine Handvoll und sind auch noch nicht wirklich paarungsfähig."

Mohnhaupt ist Panda-Experte, aber kein Biologe. Ihn interessiert, wie mit Pandas Politik gemacht wird - das geht mit den Bären nämlich besonders gut. Denn trotz Fressen, Schlafen und keinem Sex ist der Panda das Sehnsuchtstier vieler Zoobesucher, weiß der Autor. "Es steht symbolisch für die bedrohte Natur, dieses seltene Tier mit der schwarz-weißen Farbgebung. Ein schönes und niedliches Tier, und dann auch noch so bedroht - da kommt alles zusammen!"

Die Kanzlerin selbst hat sich eingeschaltet, um endlich wieder Pandas in den Berliner Zoo zu holen. Ein Zeichen für den guten Kontakt zu China, sagt Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert: "Wir wissen, dass die chinesische Seite sich sehr genau aussucht, wem sie Pandas anvertraut. Der Berliner Zoo hat nun Bedingungen geschaffen, die für diese Bären so gut wie möglich sind. Das ist eine sehr erfreuliche Angelegenheit."

Willy Brandt, der am liebsten Ratten frisst

Tiere als Politikum, als Soft-Power. Das gab es immer wieder. Vor allem im Berlin des Kalten Krieges. Autor Mohnhaupt beschreibt das tierische Wettrüsten zwischen dem Berliner Zoo/West und dem Tierpark/Ost. Da ging es schlicht darum, wer die meisten und schönsten Tiere und die größten Häuser hatte.

1962 kam US-Präsidentenbruder Robert Kennedy nach West-Berlin und brachte dem damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt das US-Wappentier mit, einen Weißkopfseeadler: "Es gibt Bilder, da steht Willy Brandt im Gehege des Adlers - er war auch sein Namenspate. Was dann wiederum die DDR-Presse genüsslich aufs Korn genommen und geschrieben hat: 'Willy Brandt sitzt im Berliner Zoo, wir haben ihn gesehen, und er frisst am liebsten tote Ratten!'"

Der Seeadler entpuppte sich übrigens als uralter Geselle und starb bald. Anders der erste Panda im Zoo-Wettstreit - Chi-Chi, 1958 im Ostberliner Tierpark, erzählt Mohnhaupt: "In den drei Wochen, in denen Chi-Chi im sogenannten Tierkinderzoo gelebt hat, kamen 400.000 Besucher. Das war das erste Mal, dass der Tierpark im Osten dem Zoo im Westen den Rang abgelaufen hatte."

Von Chi Chi über Bao Bao zu Meng Meng

Der West-Zoo musste lange warten. 1980 folgte dann Panda-Kanzler Helmut Schmidt, dem Zoodirektor Heinz-Georg Klös mit auf den Weg gab, er solle sich bei der nächsten China-Reise keine Vasen oder Seidenteppiche schenken lassen, sondern doch lieber Panda-Bären. "Denn auf diese war er scharf, seit er sich 1958 Chi Chi hatte durch die Lappen gehen lassen", erzählt Mohnhaupt.

Bao Bao war langlebig im Berliner Zoo und starb erst 2012. Inzwischen verschenkt China keine Pandas mehr, sondern verleiht sie nur - gegen viel Geld. Den Zoo kostet das Pärchen Träumchen und Schätzchen nun um die zehn Millionen Euro fürs neue Gehege. Hinzu kommen jährliche Leihgebühren von mehr als 900.000 Euro. Trotzdem ist es ein gutes Geschäft. Und auch ein schönes politisches Band zwischen Deutschland und China, sagt Merkels Sprecher Seibert: "Die Bären reihen sich ein in die ganze Breite unserer Beziehungen. Die sind politisch, wirtschaftlich, kulturell - und können auch zwei Panda-Bären betreffen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Juli 2017 um 11:00 Uhr.

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