Arbeiter kommen am Tönnies-Werk an | Bildquelle: AP

Betrieb wieder angelaufen "Tönnies wird völlig anders arbeiten"

Stand: 16.07.2020 10:46 Uhr

Europas größte Fleischfabrik Tönnies produziert wieder. Doch NRW-Gesundheitsminister Laumann kündigt strenge Kontrollen an. Auch über die Zahl der Schlachtungen wird noch diskutiert.

Nach vier Wochen Zwangspause hat Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies seine Produktion wieder hochgefahren. Am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück wurden am frühen Morgen die ersten Schweine angeliefert.

Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF kündigte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) strenge behördliche Kontrollen an: "Tönnies wird völlig anders arbeiten als vorher", sagte er. Unter anderem würden die Beschäftigten regelmäßig auf Corona getestet.

Laumann lehnte es ab, dem Unternehmen wegen staatlicher Quarantäne-Verfügungen einen Schadensersatz zu zahlen, da die Schließung nicht allein wegen des Infektionsschutzgesetzes erfolgt, sondern ordnungsbehördlich verfügt worden sei.

Gutachter besichtigen Arbeitsplätze

Nachdem sich rund 1400 Tönnies-Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten, war die Produktion in Europas größter Fleischfabrik Mitte Juni von den Behörden im Kreis Gütersloh gestoppt worden.

Nach der Schlachtung müssen die Tiere zerlegt werden. Dafür soll es aber nach Angaben der Stadt Rheda-Wiedenbrück erst eine Genehmigung nach einer weiteren Begehung geben.

Dabei sollen sich Gutachter unter anderem Plexiglasscheiben anschauen, die die Arbeiter bei der schweren körperlichen Arbeit voneinander trennen. Morgen könnte dann auch in diesem Bereich ein Probebetrieb aufgenommen werden, teilte die Stadt mit.

Wegen der befürchteten Ausbreitung des Virus über die Familien der Arbeiter auf die Bevölkerung hatten die Behörden für die Kreise Gütersloh und Warendorf zeitweise zusätzliche Corona-Einschränkungen angeordnet.

Jeden Tag werden bis zu 25.000 Tiere geschlachtet

Tönnies schlachtet am Hauptsitz in Ostwestfalen im Normalbetrieb pro Tag zwischen 20.000 und 25.000 Schweine, behördlich erlaubt sind 30.000 Tiere. Bei dieser Zahl werde es nur bleiben, wenn der Betrieb den Gesundheitsschutz gewährleisten könne, sagte Laumann im Morgenmagazin.

Der Produktionsstopp hatte den streng durchgetakteten Schweinemarkt durcheinandergeworfen. Züchter klagten über überfüllte Ställe, weil Sauen nicht geschlachtet werden konnten.

Die Landwirte begrüßten die Wiederaufnahme der Schlachtungen. "Dieser Schritt war dringend notwendig, auch überfällig und schließlich auch ein wichtiges Signal zur Normalisierung der Märkte", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2020 um 08:00 Uhr.

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