Katrin Suder | Bildquelle: picture alliance/dpa

Ausschuss zur Berateraffäre Ex-Staatssekretärin im Zeugenstand

Stand: 30.01.2020 09:24 Uhr

Die ominöse Daten-Löschung auf von der Leyens Diensthandy hat für Misstrauen und Empörung im Untersuchungsaussschuss gesorgt. Und auch die heutige Zeugenaussage in der Berateraffäre ist nicht ohne Brisanz.

Es geht um den Verdacht unrechtmäßig geschlossener Millionenverträge und um Vetternwirtschaft im Verteidigungsministerium: Der Untersuchungsauschuss soll aufklären, was unter Ministerin Ursula von der Leyen womöglich schiefgelaufen ist. Sie ist zwar inzwischen nach Brüssel gewechselt - die Vorwürfe aber bleiben. Und dass die Daten von ihrem Diensthandy "sicherheitsgelöscht" wurden, trug nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Beweisvernichtung, schimpfte die Opposition und stellte Strafanzeige. Ein Routinevorgang, argumentierte hingegen das Ministerium.

Suder sollte im Rüstungssektor aufräumen

Heute setzt der Untersuchungsausschuss seine Arbeit mit der Vernehmung von Zeugen auf Staatssekretärsebene fort. Zur Aussage geladen ist unter anderem die frühere Staatssekretärin Katrin Suder, die in diesem Amt von 2014 bis 2018 für Ausrüstung und Informationstechnik zuständig war. Zuvor war sie Managerin bei der Unternehmensberatung McKinsey.

Verteidigungsminister von der Leyen und Soldaten | Bildquelle: dpa
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Vetternwirtschaft im Ministerium? Auch die damalige Ressortchefin von der Leyen muss Fragen beantworten.

Von der Leyen holte sie, um im Rüstungssektor aufzuräumen. Sie wurde dann aber auch selbst Ziel von Vorwürfen: Berater, die sie aus ihrer Zeit bei McKinsey kannte, sollen freihändig vergebene Aufträge des Ministeriums erhalten haben, der Verdacht der Vetternwirtschaft stand immer wieder im Raum.

Nun erhebt der "Spiegel" weitere Vorwürfe gegen Suder: Demnach zeichnete sie im März 2018 eine Entscheidungsvorlage für ein Digitalprojekt im Verteidigungsministerium ab, an dem ihr Ex-Arbeitgeber McKinsey direkt beteiligt war. Mehr als zehn Millionen Euro sollte die Firma Orphoz, eine hundertprozentige Tochter von McKinsey, für die Begleitung des Projekts im Jahr 2018 bekommen. 

Bröckelt die dicke Mauer?

Stimmen die Vorwürfe, wären frühere Aussagen Suders widerlegt. Die frühere Top-Beraterin hatte nämlich stets versichert, sie habe sich aus der Vergabe von Beratungsaufträgen strikt herausgehalten, um jede Art von Interessenkonflikt wegen ihres früheren Jobs zu vermeiden. Suder sprach von "Chinese Walls", einer dicken Mauer zwischen ihr und ihrem alten Arbeitgeber McKinsey.

Laut "Spiegel" bestritt Suder, in den Vorgang eingebunden gewesen zu sein. Gleichwohl kommen die Vorwürfe für Suder zur Unzeit. In der heutigen Ausschusssitzung wird sie unangenehme Fragen beantworten müssen. Auch ihr Nachfolger Benedikt Zimmer soll vor dem Ausschuss vernommen werden.  

Übernächste Woche befragen die Abgeordneten dann von der Leyen. Dem Ausschuss stehen entscheidende Wochen bevor.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. Januar 2020 um 08:10 Uhr.

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