Frauenschuhe und Männerschuhe | Bildquelle: picture alliance / dpa

Arbeitsmarktstudie Mehr Milliarden durch mehr Frauen im Job

Stand: 15.06.2017 12:25 Uhr

Der deutschen Wirtschaft gehen jedes Jahr Milliarden Euro verloren, weil zu wenige Frauen erwerbstätig sind. Hauptproblem laut der Direktorin der deutschen ILO-Vertretung, Niederfranke: die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Vereinten Nationen haben die ungleichen Beschäftigungschancen für Frauen und Männer in Deutschland kritisiert. Die "Geschlechterkluft" auf dem deutschen Arbeitsmarkt halte sich hartnäckig, benachteilige Frauen und verursache wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe, bemängelte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf.

Die Erwerbsquote der Frauen in Deutschland werde für 2017 auf 54,5 Prozent geschätzt, heißt es in einer ILO-Studie über die Beschäftigungschancen von Frauen. Damit liege sie fast zwölf Prozentpunkte unter der Erwerbsquote von Männern in der Bundesrepublik, die rund 66 Prozent betrage. Global gesehen liege die Differenz zwischen weiblicher und männlicher Erwerbsquote bei 26,7 Prozentpunkten.

Milliarden Euro mehr Wirtschaftsleistung

Die Direktorin der ILO-Vertretung, Annette Niederfranke, sagte im Interview mit tagesschau24, wenn die Lücke in Deutschland zwischen der Erwerbsquote von Männern und Frauen bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent gesenkt würde, könne die deutsche Wirtschaftsleistung schätzungsweise um 66,8 Milliarden Euro steigen.

Dies gelte unter den momentanen Bedingungen der herrschenden Lohnungerechtigkeit. "Würde man die Lohnlücke schließen, würde sich der Faktor noch erheblich erhöhen", so Niederfranke weiter.

Um mehr Frauen Jobs zu verschaffen, müssten Staat und Wirtschaft ein Bündel von Maßnahmen umsetzen, so Niederfranke. Das Hauptproblem sei die in Deutschland mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Vielen fehlen die Rahmenbedingungen, deswegen bleiben sie zu Hause", so Niederfranke.

Pflege und Erziehung brauchen Aufwertung

Ein weitere hohe Hürde für Frauen sei, dass bestimmte Berufsfelder, etwa technische Berufe, für Frauen nicht offen seien. Auch müssten frauentypische Berufe, etwa in Pflege und Erziehung, angemessen bezahlt werden.

Weltweit sind laut dem Bericht 76 Prozent der Männer und rund die Hälfte aller Frauen erwerbstätig. Niederfranke sagte, sie hoffe, dass beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg Verbesserungen für Frauen in Entwicklungsländern erreicht werden - etwa bei Zugängen zu Technik und zu Mikrokrediten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Juni 2017 um 11:00 Uhr.

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