Nach Thanh-Verschleppung Haftstrafe wegen Entführung in Berlin

Stand: 25.07.2018 16:32 Uhr

Er besorgte das Tatauto und wusste vom Plan des vietnamesischen Geheimdienstes, den Geschäftsmann Thanh in Berlin zu entführen. Das dortige Kammergericht verurteilte den Mann nun zu fast vier Jahren Haft.

Ein Jahr nach der Entführung des vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh in Berlin ist einer der Tatbeteiligten vom Berliner Kammergericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Der Angeklagte habe von den Plänen des vietnamesischen Geheimdienstes gewusst, jedoch nicht zur obersten Kommandoebene gehört, hieß es im Urteil. Er sei der Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstlichen Agententätigkeit schuldig.

Angeklagter hatte gestanden

Der 47-jährige vietnamesische Angeklagte hatte in dem Prozess gestanden, das Entführungsauto in Prag gemietet, es nach Berlin und später wieder zurückgefahren zu haben. Das Gericht sah es zudem als erwiesen an, dass er Tatspuren beseitigt habe.

Das Opfer, der frühere Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns, und seine Freundin waren laut Bundesanwaltschaft in Berlin zunächst ausgespäht und dann am 23. Juli 2017 im Tiergarten entführt worden. Die Täter zerrten sie demnach in einen Transporter und brachten sie in die vietnamesische Botschaft. Von dort wurden sie gegen ihren Willen nach Vietnam geflogen.

Fall belastet Beziehungen zwischen beiden Ländern

Die Bundesanwaltschaft sprach von einem "staatlich organisierten Kidnapping", einer Operation des vietnamesischen Geheimdienstes. Der "Menschenraub auf offener Straße" habe sich gegen die Bundesrepublik, gegen einen im Inland lebenden Ausländer gerichtet. Völkerrechtliche Grundsätze seien massiv verletzt worden. Zu der Aktion laufen demnach weitere Ermittlungsverfahren. Der Fall belastet die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern erheblich.

In Vietnam wurde der entführte Trinh Xuan Thanh, früherer Vorstandschef eines staatlichen vietnamesischen Baukonzerns, wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Zuvor war der ehemalige Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams 2016 nach Deutschland gekommen und hatte politisches Asyl beantragt.

Nach Angaben seiner Berliner Anwältin Petra Schlagenhauf geht es Thanh in der Haft derzeit den Umständen entsprechend gut. Einmal im Monat dürfe er Besuch von seiner Familie empfangen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte vor einigen Wochen zudem berichtet. dass Thanh mittelfristig freikommen solle. Es gebe eine Zusage der Regierung in Hanoi an Deutschland, ihn nach dem Ende des Berliner Strafprozesses gegen den 47-jährigen Entführungshelfer die Ausreise nach Deutschland zu erlauben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2018 um 17:00 Uhr.

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