Auf dem Arm eines US-Soldaten ist in den Storck-Barracks in Illesheim der Aufnäher "Airborne" (Luftlandedivision) zu sehen. (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Kosten für US-Truppen Fast eine Milliarde in zehn Jahren

Stand: 06.07.2020 09:37 Uhr

Kein anderer Truppenstandort kostet die US-Steuerzahler so viel wie die deutschen Stützpunkte. Für die betroffenen Regionen sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - den auch der Bund mit Hunderten Millionen Euro unterstützt.

Die Bundesregierung hat in den vergangenen zehn Jahren fast eine Milliarde Euro für die Stationierung von US-Truppen in Deutschland gezahlt. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold hervor.

Mit 648,5 Millionen Euro entfielen demnach etwa zwei Drittel der Summe auf Baumaßnahmen. Sogenannte Verteidigungsfolgekosten belaufen sich auf 333,9 Millionen. Dazu zählen Beihilfezahlungen an ehemalige Beschäftigte der US-Streitkräfte, die Behebung von durch US-Soldaten verursachte Schäden und die Erstattung von US-Investitionen an ehemaligen Truppen-Standorten.

Gewaltige Kosten für US-Steuerzahler

Die USA zahlen für die Truppenstationierung allerdings ein Vielfaches von dem, was Deutschland dafür aufbringt. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Aufwendungen für 2020 in einer Haushaltsprognose aus dem vergangenen Jahr auf rund 8,125 Milliarden US-Dollar (7,234 Milliarden Euro). Das ist 61 Mal so viel wie die 132,4 Millionen Euro, die Deutschland im vergangenen Jahr für die Truppenstationierung gezahlt hat.

Kein anderer Truppenstandort weltweit kommt den amerikanischen Steuerzahler teurer zu stehen. Allerdings profitieren die US-Truppen in ganz Europa und weit darüber hinaus von den Stützpunkten in Deutschland. Über Ramstein in Rheinland-Pfalz läuft die Versorgung der US-Einsätze im Irak oder in Afghanistan, im benachbarten Landstuhl steht das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA, in Stuttgart befinden sich die Kommandozentralen für die US-Streitkräfte in Europa und in Afrika, das hessische Wiesbaden beherbergt die Zentrale der US-Army in Europa und im bayerischen Grafenwöhr gibt es einen der größten Truppenübungsplätze Europas.

Trump will Truppen abziehen

Insgesamt sind knapp 35.000 US-Soldaten in Deutschland. US-Präsident Donald Trump kündigte im Juni an, 9500 von ihnen abziehen zu wollen. Er begründete den Schritt damit, dass Deutschland zu wenig für Verteidigung ausgebe. Zwar hat die Bundesregierung den Verteidigungsetat bereits drastisch erhöht, verfehlt das NATO-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit 1,38 Prozent aber immer noch deutlich. Zum Vergleich: Die USA zahlen 3,4 Prozent.

"Deutschland ist seit Jahren säumig und schuldet der NATO Milliarden Dollar, und das müssen sie bezahlen", sagte Trump bei der Ankündigung des Truppenabzugs. Er verwies zudem darauf, dass die Stationierung der US-Truppen in Deutschland "gewaltige Kosten" für die USA verursache, während Deutschland wirtschaftlich von den US-Truppen profitiere. "Das sind gut bezahlte Soldaten. Sie leben in Deutschland. Sie geben viel von ihrem Geld in Deutschland aus."

Milliarden bleiben an den Standorten

Tatsächlich sind die wirtschaftlichen Effekte erheblich. In Rheinland-Pfalz ist beispielsweise mehr als die Hälfte der US-Soldaten in Deutschland stationiert. Zu den etwa 18.500 Militärangehörigen kommen 12.000 US-Zivilbeschäftigte und 25.000 Familienangehörige. Außerdem werden 7200 deutsche Zivilangestellte von den US-Streitkräften bezahlt.

Älteren Studien zufolge wird durch die Truppenpräsenz eine Wirtschaftskraft von 2,347 Milliarden US-Dollar generiert: 1,123 Milliarden an Löhnen und Gehältern, die in der Region verbleiben, 400 Millionen, die für Baumaßnahmen, Dienstleistungen, Material, Beschaffungen und Ausrüstung ausgegeben werden und 824 Millionen US-Dollar, die durch indirekt geschaffene Arbeitsplätze an Wertschöpfung in die Region fließen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2020 um 10:00 Uhr.

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