Pulte im Kanzleramt neben einer deutschen Flagge und einer US-Flagge | Bildquelle: picture alliance / dpa

Deutschland und die USA Zurück zu einer neuen Freundschaft

Stand: 20.01.2021 13:20 Uhr

Nach vier Jahren Trump stehen die deutsch-amerikanischen Beziehungen vor einem Neustart. Doch auch mit Präsident Biden dürfte es kein Zurück zu Vor-Trump-Zeiten geben.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn der neue US-Präsident Joe Biden heute seine mentale Weltkarte ausbreitet, ist Deutschland stets ein sehr wichtiger Teil - das schreibt jedenfalls Bidens Biograf Evan Osnos.

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass Biden als Vizepräsident im Kanzleramt zu Gast war. "Frau Bundeskanzlerin, es ist eine Freude, wieder in Deutschland zu sein und besonders hier bei Ihnen."

Und Angela Merkel antwortete: "Ich freue mich sehr über den Besuch, weil er ausdrückt, dass das transatlantische Verhältnis sehr eng ist. Für Deutschland sind die USA nicht nur ein außerordentlich wichtiger Partner, sondern ein guter Freund. Wir danken für diese Freundschaft."

Man kennt sich

So klang das damals - und könnte es bald wieder klingen. Eine Wohltat nach vier Jahren Trump, in denen diese Freundschaft arg strapaziert wurde. Aber Deutschlands Außenpolitiker kennen und kontaktieren längst die neuen Gesichter in Washington, die vielfach auch die alten, gutbekannten sind, sagt Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, auf der Biden übrigens schon jahrzehntelang Stammgast ist.

"Nicht nur ich, fast alle Leute, die sich in Berlin mit Außenpolitik befassen, kennen fast alle Mitarbeiter von Joe Biden. Daran fehlt es nicht. Das ist eine gute Voraussetzung", so Ischinger.

Zumal der Kontakt vieler Senatoren und Kongressabgeordneter zu ihren deutschen Gesprächspartnern in den düsteren Trump-Jahren sogar zunahm.

Kommt Biden bald nach Berlin?

Laut Bidens Biograf könnte der neue US-Präsident übrigens schon sehr bald nach Deutschland reisen, es sei sogar möglich schreibt er, dass ihn seine allererste Auslandsreise nach Deutschland führt.

Trump war kein einziges Mal in Berlin. Biden dagegen zeigte einst seinem 15-jährigen Sohn den Checkpoint Charlie und sieht in Europa anders als Trump keinen Gegner. Im Gegenteil: Deutschland und Europa, sagte Biden einst in München, seien die Grundpfeiler für das amerikanische Engagement weltweit.

Merkel ohne Illusionen

Der künftige transatlantische Ton wird ein anderer sein, die Sympathie sicher groß. Aber auch die Kanzlerin, die sich einst als DDR-Bürgerin vorgenommen hatte, zu Beginn ihrer Rente einmal durch die USA zu reisen, ist längst frei von Illusionen:

"Ich glaube, dass es nicht mehr so wird wie es war, auch mit einem Präsidenten Joe Biden. Dass wir als Europäer, und daran arbeiten wir derzeit, unserseits auch etwas anbieten müssen an transatlantischer Partnerschaft."

Mehr Geld für Verteidigung und mehr Aufgabenteilung in Sachen Sicherheit beispielsweise. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der Transatlantiker Norbert Röttgen sagt, Deutschland müsse Biden jetzt Angebote machen, auf ihn zugehen:      

"Wir können viel einbringen und wir haben erlebt, was es bedeutet, wenn diese Partnerschaft nicht funktioniert. Wir sollten jetzt unseren Beitrag leisten, ihr neuen Inhalt und Zukunft zu geben."

Biden-Biograf Osnos schreibt, der neue Präsident teile mit Merkel dieselbe Vorstellung von Regierungsarbeit und Seriosität. Merkel und Biden respektierten einander, pflegten wie Obama und Merkel eine freundschaftliche Beziehung.

Neues Kapitel der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Mit Bidens designiertem Außenminister Anthony Blinken sitzt zudem künftig ein ausgewiesener Europafan im Außenministerium, Einer, der sich mit Heiko Maas zwar nicht auf deutsch, aber fließend auf französisch unterhalten könnte. Blinken wuchs als Kind in Paris auf. 

Und so beginnt heute ein neues deutsch-amerikanisches Kapitel. Eines, das der FDP-Außenpolitiker Graf Lambsdorff zuletzt im Bundestag auf diesen Nenner brachte:

"Lassen Sie uns in Deutschland, Europa und den USA daran arbeiten, einander gute Freunde wo möglich, faire Konkurrenten, wo nötig, aber vor allem verlässliche Verbündete für die Freiheit zu sein."

Das deutsch-amerikanische Verhältnis unter Präsident Biden
Georg Schwarte, ARD Berlin
20.01.2021 14:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2021 um 14:00 Uhr.

Korrespondent

Georg Schwarte | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Georg Schwarte, NDR

Darstellung: