Schon 2013 wurde auf der Ostseeinsel Rügen viel Müll angeschwemmt. | Bildquelle: dpa

Nord- und Ostsee Plastik wohin man schaut

Stand: 19.09.2020 11:23 Uhr

An den Stränden von Nord- und Ostsee wird immer wieder Plastikmüll angeschwemmt. Für viele Tiere ist das eine Gefahr. Die Bundesregierung hat nun eingestanden, ein EU-Ziel für saubere Meere bis 2020 verfehlt zu haben.

Deutschland hat im Kampf gegen die Vermüllung der Meere und der Küsten bisher versagt. Dieses Fazit zieht die Bundesregierung in einer Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen zu "Plastikmüll an Stränden der Nord- und Ostsee". Nach der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie von 2008 sollte ein "guter Umweltzustand" in den europäischen Meeren bis zum Jahr 2020 erreicht werden, heißt es darin. Und konkret bezogen auf den Müll im Meer bedeute dies, dass die Eigenschaften und Mengen der Abfälle "keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt" haben dürften. Dieses Ziel werde aber verfehlt, schreibt die Bundesregierung weiter.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, erklärte, Deutschland sei im Europa-Vergleich Schlusslicht bei der Vermeidung von Verpackungsmüll. Im Kampf gegen die Plastikflut stünden Bürger und Verbände alleine da, sagte Lemke, von der Bundesregierung komme wenig. Einzig die Beschlüsse der EU-Kommission zum Verbot für Einmalprodukte führe derzeit zum Handeln. Die Grünen-Politikerin forderte die Bundesregierung auf, verbindliche Reduktionsziele zur Abfallvermeidung zu beschließen. Außerdem solle eine bundesweite Einwegabgabe eingeführt werden, um die Zahl der weggeworfenen To-Go-Becher und Fast-Food-Verpackungen zu reduzieren.

Plastik in Tiermägen und Nestern

Im Rahmen des internationalen "Clean Up Day" finden heute zahlreiche Strandsäuberungsaktionen statt. Nach Angaben der Grünen wollten auch der Bundesvorsitzende Robert Habeck in Flensburg und Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan-Phillip Albrecht in Kiel Müll sammeln.

Im französischen Cassis sammeln Freiwillige Müll am Strand ein. | Bildquelle: AFP
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Schon im Vorfeld des "Clean Up Day" gab es in vielen Ländern weltweit Müllsammelaktionen - wie hier am Strand im französischen Cassis.

Jedes Jahr sterben unzählige Meerestiere an den Folgen der Plastikverschmutzung. Tausende Arten sind nach Einschätzung der Bundesregierung betroffen. 94 Prozent der an Stränden der deutschen Nordsee tot aufgefundenen Eissturmvögel haben demnach Kunststoffe im Magen. Auch fast alle Nester von Basstölpeln auf Helgoland enthielten Plastik. Müll an den Küsten von Nord- und Ostsee sei weit verbreitet, 75 Prozent davon seien Kunststoffe. Am häufigsten Plastik, Styroporteile und Folienfetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. September 2020 um 12:00 Uhr.

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