Studenten der Human- und Zahnmedizin am Institut für Anatomie der Universität in Leipzig in einer Vorlesung | Bildquelle: dpa

Zulassung zum Medizinstudium Wartezeitquote wird abgeschafft

Stand: 15.06.2018 15:38 Uhr

Die Länder sind sich einig, Medizin-Studienplätze künftig nicht mehr nach Wartezeit zu vergeben. Ausschlaggebend sollen weiterhin die Abiturnoten sein. Allerdings sind die noch immer nicht vergleichbar.

Die Vergabe von Plätzen für ein Medizinstudium nach Wartezeit soll nach dem Willen der Bundesländer wegfallen. Die Abiturnoten sollen aber weiterhin ausschlaggebend dafür sein, wer ein Studium im Fach Humanmedizin beginnen darf. Darauf haben sich die Länder während der Kultusministerkonferenz (KMK) in Erfurt geeinigt.

Die Abiturnote bleibt maßgeblich

Die 20-Prozent-Quote für die Vergabe der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten wird beibehalten. Nach einem festen Schlüssel gehen demnach 20 Prozent der insgesamt rund 11.000 Studienplätze in der Humanmedizin an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, worauf nur Einserabiturienten bauen können. Weitere 20 Prozent werden bisher über die Wartezeit nach dem Abitur vergeben. Das entfällt künftig. Die restlichen 60 Prozent der Studenten werden bislang nach unterschiedlichen Kriterien von den Hochschulen selbst ausgesucht. Die Abiturnote bleibt aber auch dabei immer maßgeblich.

Medizinstudenten sitzen in einer Vorlesung im Hörsaal der Anatomie in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Bildquelle: picture alliance / ZB
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Die Zahl der Bewerber für ein Medizinstudium ist stark gestiegen, im Wintersemester 2017/18 kamen fünf Bewerber auf einen Studienplatz.

Dieses Auswahlverfahren der Hochschulen soll auch im neu zu schließenden Staatsvertrag nicht grundsätzlich geändert werden. Neu ist aber, dass neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien bei der Auswahl der Bewerber eine Rolle spielen müssen. Eine Entscheidung dazu wollen die Kultusminister noch in diesem Jahr treffen.

Um den Langzeitwartenden Rechnung zu tragen, soll geprüft werden, ob die in der Wartezeit erworbenen Qualifikationen in anderen Quoten berücksichtigt werden können. Nach Angaben von Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank sollen mit einer sogenannten Talentquote Faktoren wie die besondere Eignung berücksichtigt werden.

Vergabe von Studienplätzen teils verfassungswidrig

Die Länder reagieren damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember vergangenen Jahres. Karlsruhe hatte damals entschieden, dass das Verfahren zur Vergabe von Medizin-Studienplätzen teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss.

Die Karlsruher Richter störten sich dabei nicht grundsätzlich an der hohen Bedeutung der Abiturnote. Sie kritisierten aber die zu langen Wartezeiten auf einen Medizinstudienplatz von bis zu acht Jahren. Zudem gaben sie vor, dass der Gesetzgeber für das Auswahlverfahren der Hochschulen neben der Abiturnote weitere Auswahlkriterien vorschreiben muss.

Das Gericht monierte auch, dass die Abiturnoten in den Ländern annähernd vergleichbar sein müssten. Dafür soll laut KMK zunächst ein Ausgleichsmechanismus greifen - solange, bis die Vergleichbarkeit auf politischem Weg hergestellt wurde.

Das Zulassungsverfahren soll bis Ende 2019 in einem neuen Staatsvertrag geregelt werden. Die KMK räumte aber ein, dass das neue System und vor allem der Datenaustausch mit den Hochschulen aus technischen Gründen bis dahin noch nicht komplett funktionieren würden. Die Zahl der Bewerber für ein Medizinstudium ist stark gestiegen. Im Wintersemester 2017/2018 bewarben sich mehr als 43.000 Menschen auf knapp 9200 Plätze. Damit kamen auf jeden Studienplatz fünf Interessenten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Juni 2018 um 16:00 Uhr.

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