Gedenken in Winnenden | Bildquelle: dpa

Zehn Jahre Winnenden Offenheit statt Abschottung

Stand: 11.03.2019 13:09 Uhr

Zehn Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden hat sich an der Albertville-Realschule einiges verändert. Sie blieb im alten Gebäude und gehört heute zu den beliebtesten Schulen der Stadt.

Von Sandra Kolnik, SWR

In der lichtdurchfluteten Aula der Albertville-Realschule steht in riesigen Lettern das Motto, das sich die Schüler damals, direkt nach dem Amoklauf, selbst gegeben haben: "Ich habe einen Traum..."

Und einen Traum hat auch Schulleiter Sven Kubick: "Ein ganz großer Traum ist natürlich, dass das Zusammenleben in unserer Schule und der Gesellschaft gelingt. Ich hoffe, dass sich die Schülerinnen und Schüler ehrenamtlich engagieren, dass sie Verantwortung tragen und die Gesellschaft mitgestalten."

Kerzen und andere Gegenstände stehen im Gedenkraum der Albertville-Realschule auf symbolischen Pulten | Bildquelle: dpa
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Kerzen und andere Gegenstände stehen im Gedenkraum der Albertville-Realschule.

Schule verzichtet auf Wachposten

Das war keine Selbstverständlichkeit vor rund neun Jahren, als Kubick die Leitung der Schule von seiner schwer traumatisierten Vorgängerin übernahm. "Wir waren in Containern untergebracht. Wir hatten viele Schülerinnen und Schüler, die direkt betroffen waren und denen man den Abschluss ermöglichen musste - was unter diesen Bedingungen sehr schwierig war", erinnert sich Kubick. Außerdem hätten auch viele Lehrkräfte den Amoklauf direkt miterlebt.

Für Kubick war klar: Seine Schule sollte - auch nach der furchtbaren Tat - offen und hell sein. Wachposten kamen nicht in Frage. "Wir sind nach wie vor ein öffentliches Gebäude. Wir wollen diese Transparenz. Wir wollen auch, dass uns Eltern besuchen und die Schule ohne Barrieren betreten können", erläutert der Schulleiter.

Winnenden gedenkt Opfer des Amoklaufs von vor 10 Jahren
tagesschau 20:00 Uhr, 11.03.2019, Cecilia Knodt, Stefan Meier, SWR

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Klassenräume sind während des Unterrichts verschlossen

Aber man wolle auch den Schülern in Notsituationen eine maximale Sicherheit gewährleisten. "Die ist dadurch gegeben, dass die Klassenräume während des Unterrichts verschlossen sind und nur mit den Chips der Lehrer geöffnet werden können."

Auch ein neues Raumleitsystem soll Schülern und Rettungskräften im Notfall bei der Orientierung helfen. Mindestens genauso wichtig ist Kubick, Mobbing und Gewalt von Anfang an zu verhindern. Lehrer wie auch Schüler werden immer wieder ermutigt, auffälliges Verhalten anzusprechen, aber auch Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Hartmut Holzwarth (M), Oberbürgermeister der Stadt Winnenden, spricht während der Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden | Bildquelle: dpa
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Bei der öffentlichen Gedenkfeier wurden die Namen der 15 Opfer verlesen.

Konflikte werden zugelassen

In allen Schulen in Winnenden wird der konstruktive Umgang mit Konflikten gefördert, darauf legt Bürgermeister Norbert Sailer großen Wert: "Vom Erst- bis zum Zwölftklässler nutzen diesen Schulhof alle gemeinsam. Und es ist bewusst angelegt, dass Konflikte entstehen können, um gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln und das üben zu können", sagt Sailer.

Gedenkraum erinnert an die Tat

Die Schule hat aus dem furchtbaren Geschehen gelernt. In einem der drei Taträume hat Kubick zusammen mit den Eltern der Opfer einen Gedenkraum eingerichtet. "Dieser Raum hat unterschiedliche Wände", erläutert Kubick. "Zwei Wände sind neu, zwei Wände sind so erhalten wie sie damals waren. Das war ein Wunsch der Klasse, die in diesem Raum war. Dass der Raum nicht komplett verändert wird, damit sie sich noch an manche Dingen erinnern können."

Die Schüler sind mit den Änderungen zufrieden: "Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Schule nach der Tat kein Ende genommen hat, sondern einen Neuanfang gewagt hat", berichtet eine Schülerin. "Das ist was ganz Besonderes. Auch für uns Schüler ist das ein tolles Erlebnis, zu sehen, dass die Schule sich trotz der dramatischen Tat, die damals passiert ist, zum Positiven entwickelt hat."

Offenheit statt Abschottung - die Schule nach dem Amoklauf von Winnenden
Sandra Kolnik, SWR
11.03.2019 11:17 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 11. März 2019 Inforadio um 09:05 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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