Blick auf frisch geschlüpfte Küken in der FL Brüterei. | Bildquelle: dpa

Anfrage der Grünen 2019 mehr als 45 Millionen Küken getötet

Stand: 11.04.2020 11:28 Uhr

Die Zahl der getöteten Küken ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Nachdem sie 2018 noch bei rund 42 Millionen Tieren gelegen hatte, lag sie 2019 bei rund 45,3 Millionen Tieren.

Von Kirsten Girschick und Arne Meyer-Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Kommt ein Küken mit männlichem Geschlecht zur Welt, ist das in der Legehennenzucht für ihn bislang in der Regel ein sicheres Todesurteil. Während die Hennen Eier legen, sind die männlichen Tiere für die Industrie nahezu nutzlos - weil sie unter anderem nicht genügend Fleisch abwerfen. Deswegen werden sie seit Jahren vergast oder geschreddert. 2018 ist das nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 42,1 Millionen männlichen Küken so ergangen. 2019 stieg diese Zahl deutlich.

Wie aus einer Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, sind nach seiner Kenntnis 2019 45,3 Millionen weibliche Hühnerküken geschlüpft. Die Zahl der männlichen Tiere werde zwar nicht erfasst, es werde aber von einem Geschlechterverhältnis 1:1 ausgegangen.

Über 45 Millionen Küken getötet
tagesschau24 09:00 Uhr, 11.04.2020, Kirsten Girschick, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Geflügelwirtschaft bestätigt diese Zahlen, schränkt aber ein: diese Statistik berücksichtige nicht, dass inzwischen auch immer mehr sogenannte "Bruderhähne" aufgezogen würden, die Zahl der getöteten Küken liege deshalb wahrscheinlich eher bei 40 Millionen.

Grüne: Entwicklung ist "skandalös"

"Das Kükentöten geht unvermindert weiter, an der Situation hat sich überhaupt nichts verbessert. Skandalös ist es deswegen, weil uns die Bundeslandwirtschaftsministerin versprochen hat, dass diese Praxis beendet wird", kritisiert Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.

Tatsächlich hatte die Große Koalition im Koalitionsvertrag verankert, bis Ende 2019 den Ausstieg aus dieser Praxis zu erreichen  Das aber ließ sich "nicht flächendeckend umsetzen, weil die Alternativen zum Kükentöten entweder noch nicht für die breite Praxis verfügbar sind (Geschlechterbestimmung im Ei) oder die Nachfrage nicht gegeben ist", teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium dem ARD-Hauptstadtstudio auf Anfrage mit.

Klöckner will Ausstieg bis Ende 2021

Deswegen strebt Klöckner nun an, diese Praxis bis Ende 2021 zu beenden. Die neue Zielmarke sei "mit gemeinsamer Anstrengung machbar", so das Bundeslandwirtschaftsministerium weiter. Allerdings hängt die Bundesregierung damit schon deutlich älteren Ankündigungen weit hinterher. So hatte Klöckners Amtsvorgänger Christian Schmidt einst 2017 als Jahr des Ausstiegs angepeilt. Immerhin konnte der CSU-Politiker im Januar 2017 auf der "Grünen Woche" in Berlin ein erstes Demonstrationsgerät zur Geschlechterbestimmung im Ei vorstellen.

Mittlerweile haben sich zwei Verfahren als praktikabel erwiesen: Beim endokrinologischen Verfahren erfolgt diese Bestimmung über die Untersuchung einer Flüssigkeit, die dem Ei nach neun Tagen Bebrütung entnommen wird. Dieses Verfahren wird nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums inzwischen angewandt: "Eier von Legehennen, die das Verfahren durchlaufen haben, werden bereits in einigen Supermärkten verkauft". Das Verfahren funktioniere laut Angaben der Seleggt GmbH, die in einer holländischen Brüterei damit arbeitet, inzwischen vollautomatisch - als Dienstleister wolle man es im Laufe dieses Jahres auch anderen Brütereien anbieten. 

Noch nicht so weit sind Wissenschaft und Industrie beim "spektroskopischen Verfahren". Hier erfolgt die Untersuchung des bebrüteten Eis mit Hilfe einer Lichtstrahl-Untersuchung. Von einer Serienreife will das Ministerium noch nicht sprechen. Nach eigenen Angaben hat das Ressort seit 2008 verschiedene Methoden mit mehr als acht Millionen Euro finanziell unterstützt - "mit denen das Töten männlicher Küken überflüssig wird".

Geflügelwirtschaft: Auch die neue Zielmarke ist nicht erreichbar

Allerdings hält die Geflügelwirtschaft die von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner ausgegebene Zielmarke schon jetzt für nicht mehr erreichbar. Der Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, spricht im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio von einem "laufenden Prozess", für den Zeit notwendig sei: "Bis Ende 2021 werden wir möglicherweise 18 Millionen, vielleicht 20 Millionen weniger Kükentötungen haben, aber das volle Ziel erreichen wir erst in den Jahren danach". Die Mehrkosten pro Ei bezifferte Ripke auf 0,5 bis 2 Euro Cent, sollte die Geschlechterbestimmung flächendeckend kommen.

Keine Wende in Sicht - mehr Kükentötungen in 2019
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
10.04.2020 19:01 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. April 2020 um 09:00 Uhr.

Korrespondentin

Kirsten Girschick Logo BR

Kirsten Girschick, BR

@Girschick bei Twitter

Korrespondent

Arne Meyer-Fünffinger BR Logo BR

Arne Meyer-Fünffinger, BR

Darstellung: