Asgaard-Personenschützer im Irak | Bildquelle: rbb Kontraste, Lisa Wandt

Deutsche Sicherheitsfirma Rechtes Netzwerk mit Behördenkontakten?

Stand: 17.09.2020 19:14 Uhr

Eine Firma, die Personenschützer in den Irak entsendet, steht unter dem Verdacht, von Rechtsradikalen beeinflusst zu sein. Sie soll ein Netzwerk unterhalten, das weit in die Behörden hineinreicht.

Von Georg Heil und Lisa Wandt, rbb

Mehrere deutsche Sicherheitsbehörden beschäftigen sich derzeit mit der in Hamm ansässigen Firma Asgaard - dies ergeben Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste in Kooperation mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Behörden treibt die Sorge um, dass Asgaard enge Kontakte in die Bundeswehr sowie in mehrere deutsche Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Länderebene hinein unterhält. Offenbar ist die Firma rechtsradikal beeinflusst.

Das Geschäft von Asgaard besteht hauptsächlich aus dem Rekrutieren und Vermitteln von Sicherheitspersonal, meist ehemaligen Spezialkräften aus Bundeswehr und Polizei - für einen Auftrag, bei dem es um Objekt- und Personenschutz in der irakischen Hauptstadt Bagdad geht. Auf Fotos posieren die Asgaard-Mitarbeiter schwer bewaffnet mit Sturmgewehren und deutscher Fahne auf der Brust - optisch sehen sie aus wie eine militärische Spezialeinheit.

Hauptquartier mit Wehrmachtsmalerei

Kontraste und dem "Spiegel" liegen Videoaufnahmen aus dem Inneren des Asgaard-Hauptquartiers in Bagdad aus dem Jahr 2017 vor. Auf dem Material deutlich zu erkennen: eine Reichskriegsflagge an der Wand und die Parole "klagt nicht, kämpft", das aus der NS-Zeit stammt - daneben die Zeichnung des Kopfes eines Wehrmachtssoldaten.

Auch sonst erinnert die Einsatzzentrale optisch an Wehrmachtszeiten: die Beschriftungen wie "Operationszentrale" und "Latrine" sind in Fraktur-Schrift verfasst. Inzwischen sollen die Asgaard-Mitarbeiter in einem anderen Gebäude untergebracht worden sein, dort soll es keinen einschlägigen Wandschmuck geben.

Rechtsradikaler Geschäftsführer

Geführt wird das Unternehmen aus Hamm von Dirk G., einem ehemaligen Fallschirmjäger der Bundeswehr. G., so bezeugen es mehrere Quellen gegenüber Kontraste, soll sich wiederholt rassistisch geäußert haben. Ein Foto, das Kontraste vorliegt, zeigt G. mit einer Büste eines Wehrmachtssoldaten, lachend zeigt er mit dem Finger auf ein Eisernes Kreuz auf der Büste.

Dirk G. | Bildquelle: rbb Kontraste über Lisa Wandt
galerie

Asgaard-Chef Dirk G. distanziert sich offiziell von rechtsextremem Gedankengut.

Auf einem weiteren Bild, das die Statue von Nahem zeigen soll, ist deutlich ein Hakenkreuz auf dem Eisernen Kreuz zu erkennen. Auf Anfrage von Kontraste erklärt G. dazu: "Zu keiner Zeit haben Mitarbeiter meiner Firma sich in meiner Gegenwart wohlwollend über Symbole des NS-Unrechtsstaates geäußert. Auch ich selbst habe dies nie getan."

Immer wieder, so berichten es ehemalige und aktive Mitarbeiter der Firma, soll G. in seiner Firma auch politisch agitiert haben. So soll er die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland in Frage gestellt haben. Auf Nachfrage erklärt G. dazu "Die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland ergibt sich aus den jeweiligen staatsrechtlichen Vertragswerken."

Drohungen gegen Bundestagsabgeordnete?

Wiederholt soll sich Dirk G. feindlich über die Bundestagsabgeordnete Martina Renner von der Linkspartei geäußert haben. Das bezeugt unter anderem Bilaal Zaher, der bis Ende Februar für die Firma mit Sitz in Hamm gearbeitet hat und bis heute Geschäftspartner von G. im Irak ist. Zaher distanziert sich deutlich von G. und will die Auflösung der Geschäftskontakte eingeleitet haben.

 "Frau Renner war für Dirk G. Feind Nummer eins. Er hat sich in einem Gespräch mit mir dazu geäußert, dass Frau Renner eliminiert werden müsste", sagt Zaher. Wenn es zu einem Umsturz der Regierung käme, wäre sie erste Wahl, erklärt Zaher an Eides statt gegenüber Kontraste.

Martina Renner | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Die Bundestagsabgeordnete Renner soll laut seinen Ex-Geschäftspartner Zaher "Feind Nummer eins"

G. widerspricht Ex-Geschäftspartner

Auf Nachfrage erklärt Dirk G., Frau Renner genieße selbstverständlich seine Achtung. Er verweist auf geschäftliche Zerwürfnisse mit Herrn Zaher und betont: "Ich habe zu keiner Zeit zu kriminellen Handlungen gegen Dritten, auch nicht soweit sie Mitglieder von Regierungen sind, aufgerufen oder diese befürwortet."

Die Bundestagsabgeordnete Renner hatte in der Vergangenheit parlamentarische Anfragen zu Asgaard gestellt. Sie hält das Treiben rund um die Firma für gefährlich. "Die sind professionell ausgebildet, können jederzeit über Waffen verfügen und sind auch soweit abgeklärt, ich würde auch sagen abgehärtet, dass für sie das gewalttätige, vielleicht tödliche Vorgehen gegen Menschen vorstellbar ist", sagt Renner gegenüber Kontraste.

Mitte Juli soll G. ausgewählte Personen zu einem vertraulichen Treffen nach Hamm eingeladen haben - dabei soll es auch um die Zukunft der Firma gegangen sein, denn die Mitarbeiter sind offenbar zerstritten. Bilaal Zaher führt als Grund dafür die rechtsradikale Gesinnung von Dirk G. an, der wiederum beschuldigt Zaher der Unterschlagung, was Zaher entschieden bestreitet.

Terrorermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten

Teilnehmer des Treffens war nach Kontraste-Informationen auch ein 40-jähriger Soldat aus Neubrandenburg, der inzwischen unter Terrorverdacht steht. Wie Kontraste exklusiv erfuhr, war der Soldat bereits 2018 nach einem Verfassungsschutz-Hinweis in das Visier des Militärischen Abschirmdienstes geraten, weil er Kontakte zu einem einschlägig bekannten Rechtsextremisten unterhielt.

Als er vom Interesse des MAD an seiner Person erfuhr, soll er Todesdrohungen gegen Mitarbeiter des MAD ausgesprochen haben. Das bestätigt auf Nachfrage auch die Staatsanwaltschaft Rostock, die gegen den Mann wegen "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" ermittelt. Am vergangenen Montag durchsuchten rund 70 Beamte die Wohn- und Geschäftsräume des Soldaten.

"Der aktuelle Fall ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation des Militärischen Abschirmdienstes mit Verfassungsschutz- und Polizeibehörden", so die Einschätzung des MAD gegenüber Kontraste. Der Soldat reagierte nicht auf eine Anfrage des Magazins.

Ermittlungen auch gegen Polizeibeamten

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nach Kontraste-Informationen derzeit gegen einen 41-jährigen Frankfurter Polizeibeamten wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und des Verdachts der Verletzung des Dienstgeheimnisses. Der Beamte, der eine Ermittlungsgruppe leitet, war nach Kontraste-Informationen mindestens zweimal für das Unternehmen Asgaard im Irak in leitender Position tätig - offenbar während seiner Urlaubszeit und ohne Wissen der hessischen Polizei.

Auf Kontraste-Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt dazu mit: "Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, einer nicht angemeldeten und somit auch nicht genehmigten Nebentätigkeit für eine (mutmaßlich rechtsextremistisch beeinflusste) private Sicherheitsfirma aus Nordrhein-Westfalen, unter anderem auch im Ausland, nachgegangen zu sein. Ferner besteht der Verdacht, dass der Beamte unrechtmäßige Abfragen aus polizeilichen Datenbanken durchgeführt hat, um sich mit den daraus gewonnenen Informationen im Rahmen seiner nicht genehmigten Nebentätigkeit persönlich zu bereichern. Am 20. August 2020 haben Beamte des Hessischen Landeskriminalamtes im Auftrag der Frankfurter Staatsanwaltschaft mehrere Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt und zwar in Hessen (am Arbeitsplatz des Beschuldigten), (…) und in Nordrhein-Westfalen (dem Sitz der Sicherheitsfirma)."

Inzwischen ist dem Beamten die Ausübung seiner Dienstgeschäfte untersagt sowie ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Hessische Ermittler fanden bislang keine Verbindung des Mannes in den Rechtsextremismus und können bislang auch keinen Bezug des Polizisten zur illegalen Abfrage von Polizei-Daten im Zusammenhang mit Drohmails erkennen. Der Beamte ließ Kontraste über seinen Anwalt mitteilen, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern möchte.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Kontraste" im Ersten am 17. September 2020 um 21:45 Uhr.

Darstellung: