Messstation am Neckartor in Stuttgart (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Wegen Corona-Maßnahmen Stickoxidbelastung deutlich gesunken

Stand: 07.05.2020 06:00 Uhr

An einigen Messtationen wurden trotz des Corona-bedingt geringeren Verkehrs erhöhte Stickoxid-Belastungen gemessen. Insgesamt gingen die Werte aber zurück, wie eine Kontraste-Umfrage zeigt.

Vom Chris Humbs und Markus Pohl, rbb

Die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) ist in Deutschlands Städten im Zuge der Corona-Maßnahmen deutlich gesunken. Das ergibt eine Umfrage des ARD-Politikmagazins Kontraste unter den Umweltbehörden der Bundesländer. Nahezu alle Länder verzeichnen einen signifikanten Rückgang der NO2-Werte aufgrund des reduzierten Straßenverkehrs. Kein einziges Land registriert gestiegene Messwerte. Fahrzeuge mit Dieselmotoren gelten als Hauptquelle des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids in Städten.

In Berlin etwa gingen die NO2-Werte an den verkehrsnahen Messstellen während des Corona-Shutdowns im Mittel um 28 Prozent gegenüber den Vormonaten zurück. Hamburg meldet eine Abnahme der Messwerte seit Beginn der Corona-Maßnahmen um 23 bis 48 Prozent. In Bayern wurden an den Messstationen in Straßennähe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum durchschnittlich 26 Prozent weniger NO2-Immissionen registriert. Und das Hessische Landesamt für Umwelt schätzt den um Wettereinflüsse bereinigten Rückgang der Stickstoffdioxidkonzentrationen auf 30 Prozent ein.

"Grüne Diesel-Lüge"

Kürzlich hatten Meldungen für Aufsehen gesorgt, laut denen die NO2-Werte trotz des reduzierten Verkehrsaufkommens gleich geblieben oder sogar gestiegen seien. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger, hatte in diesem Zusammenhang erklärt: "Das Thema Diesel-Fahrverbote ist aus meiner Sicht damit endgültig vom Tisch. Warum die Stickoxid-Werte trotz rapidem Verkehrsrückgang nicht sinken, wirft Fragen auf."

Im Fokus stand dabei vor allem die Messstation am Stuttgarter Neckartor, wo die mittlere NO2-Konzentration im März und April gegenüber den Februarwerten leicht angestiegen war.

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sprach angesichts dessen von einer "grünen Diesel-Lüge". Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte im Bundestag auf Anfrage der AfD: "Wenn wir jetzt in der Situation einfach nur noch 15 bis 20 Prozent Verkehre haben an den verschiedenen Messstellen, aber die Messergebnisse gleich bleiben oder sogar schlechter sind, dann ist das in einem Missverhältnis."

Wetter, nicht Verkehr als Auslöser

Tatsächlich ist der Verkehr am Stuttgarter Neckartor im Zuge der Corona-Maßnahmen nur auf etwa 60 Prozent zurückgegangen. Dass die NO2-Werte dennoch leicht anstiegen, liegt laut dem Stuttgarter Stadtklimatologen Rainer Kapp an einem Wetterumschwung. So habe im Februar die regen- und windreiche Witterung für außergewöhnlich niedrige Stickoxidwerte gesorgt.

"Ab dem 16. März hatten wir dann den Beginn einer stabilen Hochdruckphase mit wenig Wind und vertikalem Luftaustausch, wo sich auch in normalen Zeiten Schadstoffe im Talkessel von Stuttgart stark anreichern", so Kapp gegenüber Kontraste. Ohne den Corona-bedingten Verkehrsrückgang wären noch deutlich höhere Werte zu erwarten gewesen.

Kritik an Scheuers Behauptungen

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen kritisierte vor diesem Hintergrund die Aussagen Scheuers: "Wenn aus dem Bundesverkehrsministerium mal schnell irgendwas kommentiert wird mit ungenügender Information, dann ist das nicht sehr hilfreich", so Hermann zu Kontraste.

Auch Ute Dauert, Luftqualitätsexpertin im Umweltbundesamt, sagte angesichts der jüngsten Daten, das von Scheuer beklagte "Missverhältnis" gebe es nicht: "Wir finden einhergehend mit der Reduzierung des Straßenverkehrs in den Städten durch die Corona-Krise einen Rückgang der NO2-Konzentration. Von daher kann man diese Feststellung einfach so nicht stehen lassen, sie ist schlichtweg falsch."

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Über dieses Thema berichtet das Magazin Kontraste am 07. Mai 2020 um 21:45 Uhr.

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