Deutschland und Dänemark 14 Festnahmen wegen Terrorverdachts

Stand: 12.02.2021 12:10 Uhr

In Dänemark und Deutschland sind 14 Personen wegen Terrorverdachts festgenommen worden, darunter drei Brüder aus Syrien. Sie sollen einen Anschlag geplant haben. Es wurden Chemikalien und eine IS-Flagge gefunden.

Von Florian Flade, WDR

Am Anfang stand eine verdächtige Bestellung bei einem polnischen Chemikalienhändler. Inzwischen sind mindestens 14 Personen in Dänemark und Deutschland festgenommen worden, wie die Polizei bestätigte. Unter ihnen sind auch drei Brüder aus Syrien im Alter von 33, 36 und 40 Jahren, die per Haftbefehl von der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau gesucht wurden. Sie stehen laut Bundesinnenministerium im Verdacht, einen islamistischen Terroranschlag geplant zu haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg ermittelt wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die "Magdeburger Volksstimme" und der "Spiegel" hatten zuerst über die Festnahmen berichtet. 

Chemikalien in Polen bestellt

In der vergangenen Woche hatte das Bundeskriminalamt (BKA) ein Hinweis aus Polen erreicht: Ein 33-jähriger Syrer, wohnhaft im dänischen Holbaek, habe Chemikalien bestellt, jeweils fünf Kilogramm Aluminiumpulver und Schwefel. Als Lieferadresse sei eine Anschrift in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt angegeben worden. Wie sich herausstellte, war es die Wohnung des 36-jährigen Bruders. Laut einer EU-Verordnung besteht eine Meldepflicht für bestimmte Grundstoffe, aus denen Sprengstoff hergestellt werden kann.

Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt nahm die Ermittlungen auf und rückte schließlich zur Durchsuchung an. Den Bruder des Chemikalien-Bestellers traf die Polizei nicht an, auch die gelieferte Ware wurde zunächst nicht gefunden. Dafür soll anderes verdächtiges Material entdeckt worden sein: zehn Kilogramm Schwarzpulver, Zündschnüre, Böller und eine offenbar selbstgemalte Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), des weiteren ein Koran, in dem bestimmte Stellen markiert worden sein sollen - kämpferische Aussagen und Verse über "Ungläubige".

Festgenommene bisher unauffällig

Festgenommen wurde der gesuchte Syrer aus Dessau schließlich am vergangenen Sonntag in Dänemark, wo er offenbar seinen Bruder besuchte, der ebenfalls in Haft kam. Die dänische Polizei soll auch die aus Polen bestellten Chemikalien gefunden haben und weiteres Material, das offenbar zur Herstellung von Sprengstoffen und zum Bau von Bomben geeignet war. Es wurden zudem weitere Personen aus dem Umfeld der Terrorverdächtigen in Dänemark festgenommen. Der dritte Bruder wurde schließlich ebenfalls am Sonntag im hessischen Dietzenbach festgenommen. Ob der 40-Jährige in mutmaßliche Anschlagsplanungen eingeweiht war, ist allerdings unklar.

Bei den drei Brüdern handelt es sich um Syrer, die schon sehr lange in der Bundesrepublik leben. Sie kamen im Sommer 1998 mit ihrem Vater nach Deutschland. Den Sicherheitsbehörden waren sie bislang nicht als gewaltbereite Islamisten bekannt. Lediglich der in Dessau wohnhafte Syrer soll der Polizei als "Störer" aufgefallen und aufgrund einer psychischen Auffälligkeit auch in Betreuung gewesen sein.

Mittlerweile übernahm das BKA aufgrund der Auslandsverbindungen die Ermittlungen. Die Besondere Aufbauorganisation (BAO) trägt den Namen "Terra". Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass mindestens zwei der Brüder offenbar planten, einen oder vielleicht sogar mehrere Bombenanschläge zu verüben. Wo diese stattfinden sollten, ist allerdings unklar. 

Terrorverdächtige in Dänemark und Deutschland festgenommen
Ulrich Wittstock, MDR
11.02.2021 20:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Februar 2021 um 20:00 Uhr.

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