German Property Group Offenbar Milliarden Euro bewegt

Stand: 12.04.2021 16:00 Uhr

Der Immobilienskandal der German Property Group hat offenbar deutlich größere Dimensionen als bislang angenommen. Recherchen von NDR, BR und SZ deuten darauf hin, dass der Schaden mehrere Milliarden Euro beträgt.

Von Nils Naber, NDR, und Anna Klühspies, BR

In dem mutmaßlichen Betrugsskandal um den insolventen Immobilienentwickler German Property Group (GPG), ehemals Dolphin Trust, geht es offenbar um deutlich mehr Geld als bislang angenommen. Es könnte sich um Zahlungsströme von rund drei Milliarden Euro handeln, die über ein Unternehmen der Firmengruppe abgewickelt wurden. Das ergaben Recherchen von NDR, BR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ).

Der GPG-Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt spricht von Geldflüssen im Milliardenbereich, die schwer nachvollziehbar seien. Hingegen bestreitet der frühere Geschäftsführer und Gründer Charles Smethurst über seinen Anwalt Geldflüsse in solch einer Höhe.

Die Spuren des Geldes führen nach neuesten Recherchen bis in die Karibik. In Irland ist ein Anwalt über einen Zufallsfund auf Dutzende Kisten mit Dokumenten gestoßen, die das Ausmaß der Geldschiebereien der niedersächsischen Firma möglicherweise deutlich machen. Es sieht so aus, als wären von Irland aus innerhalb weniger Monate viele Millionen Euro auf Konten einer Firma mit dem Namen DT Cayman auf den Cayman Islands geflossen.

Wie viel Geld insgesamt diesen Weg genommen hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Smethurst räumt über seinen Anwalt ein, Geschäftsführer der DT Cayman zu sein, bestreitet aber, dass die DT Cayman jemals ein Konto besaß.

Hunderte Millionen Euro unauffindbar

Hunderte Millionen Euro Anlegergeld sind weiterhin unauffindbar. Demgegenüber stehen Immobilien, die Dolphin im Namen der Anleger in Deutschland erworben hatte, viele der Gebäude sind verfallen. Insolvenzverwalter von Buchwaldt schätzt, dass durch den Verkauf von rund 50 Immobilien der GPG wahrscheinlich rund 100 Millionen Euro eingenommen werden könnten. "Das ist ein Bruchteil dessen, was bei den Anlegern irgendwann eingeworben worden ist", meint von Buchwaldt.

Smethurst geht dagegen von einem weit höheren Wert der Immobilien aus. Nach bisherigen Erkenntnissen des Insolvenzverwalters wurden bei den Anlegern etwas mehr als eine Milliarde Euro eingeworben. Von Buchwaldt geht davon aus, dass es sich bei dem Geschäftsmodell der GPG um ein Schneeballsystem handelte, da das Geld der Anleger nicht - wie versprochen - in Immobilien investiert, sondern zur Befriedung anderer Anleger verwendet wurde.

Hausdurchsuchungen fanden erst spät statt

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt derzeit gegen Smethurst wegen des Verdachts des Betrugs und der Insolvenzverschleppung. Obwohl seit Ende 2019 Strafanzeigen vorliegen, fanden erst im März 2021 Hausdurchsuchungen statt, unter anderem in Smethursts Privathaus in Niedersachsen. Sein Anwalt bestätigt die Hausdurchsuchung. Es sei dabei um die "bekannten gegenüber unserem Mandanten erhobenen Vorwürfe" gegangen.

Smethurst ist weiterhin auf freiem Fuß. Da er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft kooperativ zeige, sehe man bei der Behörde keinen Anlass für einen Haftbefehl, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft gegenüber dem NDR.

Auch BaFin unter Druck

Im GPG-Skandal steht auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unter Druck. Nach Recherchen von NDR, BR und SZ sah sich die Behörde lange Zeit nicht für die Kontrolle der German Property Group zuständig. Auf Nachfrage räumt die BaFin nun allerdings ein, dass das Geschäftsmodell der GPG wahrscheinlich doch ein "erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft" gewesen sei, damit hätte Dolphin von der BaFin eine Bankerlaubnis benötigt.

Eine Erlaubnis durch die BaFin hatte die GPG nicht. Die Aufsichtsbehörde weist daraufhin, dass sie von den Unregelmäßigkeiten "jedoch erst seit Juni 2020" wisse und damit "zeitlich unmittelbar bevor die German Property Group in Insolvenz ging". Anlegeranwalt Peter Mattil wirft der Behörde vor, viel zu spät reagiert zu haben: "Da hätte sie ganz früh die Notbremse ziehen müssen." Aktuell beobachtet die BaFin weitere Firmen aus dem Umfeld von Smethurst.

GPG-Gründer räumt Fehler ein

Nach Recherchen von NDR, BR und SZ räumte der ehemalige Geschäftsführer und Gründer der GPG gegenüber der Staatsanwaltschaft bereits "Fehler" ein. Er habe bei Investoren noch Geld eingeworben, als bereits klar war, dass "kein weiteres Kapital eingesammelt werden durfte."

Die German Property Group aus Langenhagen bei Hannover gab jahrelang vor, ein Spezialist für die Entwicklung denkmalgeschützter Immobilien in Deutschland zu sein. Diese sollten renoviert und dann teuer an zahlungskräftige Kunden hierzulande verkauft werden. Für das Geschäft warb das Unternehmen jahrelang nahezu ausschließlich im Ausland um Anleger und bot Renditen von bis zu 15 Prozent innerhalb von wenigen Jahren an.

Faktisch wurde nach Recherchen von NDR, BR und SZ bei den meisten Objekten nicht nennenswert gebaut oder renoviert. Am Ende glaubten rund 15.000 bis 20.000 Anleger den Versprechen der GPG. Viele Anleger stammen aus Großbritannien und Irland sowie aus Asien. Im Sommer vergangenen Jahres musste die GPG schließlich Insolvenz anmelden.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung Panorama 3 am 08. Dezember 2020 um 21:45 Uhr.

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