Raubgut aus dem Irak (Archivbild)

Studie zu Antikhandel Nur zwei Prozent sind legal

Stand: 08.03.2020 19:16 Uhr

Ein Großteil der im deutschen Kunsthandel angebotenen antiken Kulturgüter aus Ländern wie Syrien und dem Irak ist offenbar illegaler Herkunft. Erstmals haben Wissenschaftler Tausende Antiquitäten untersucht.

Von Volkmar Kabisch, NDR

Es ist eine besorgniserregend niedrige Zahl: Nur etwa zwei Prozent der in Deutschland gehandelten Antiken aus dem östlichen Mittelmeerraum haben eine legale Herkunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes ILLICID.

In dem weltweit ersten Projekt dieser Art hatten Wissenschaftler verschiedener Institutionen mehr als 6000 im deutschen Kunsthandel angebotener Objekte aus Ländern wie Syrien, dem Irak, der Türkei und Ägypten auf ihre Herkunft untersucht - darunter Köpfe antiker Statuen und Gefäßscherben.

Im Fokus: Antiquitäten aus Kriegsländern

Besonderes Augenmerk haben die Wissenschaftler auf Syrien und den Irak gelegt, in denen seit mehreren Jahren wegen des anhaltenden Bürgerkrieges illegale Ausgrabungen und Diebstähle aus Museen und Sammlungen stattfanden.

Sichergestellte Rollsiegel aus einer Grabung im Irak (Archiv) | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Laut Studie sind nur zwei Prozent aller gehandelten Antiquitäten aus dem Irak und Syrien legal (Archivbild).

Hier kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass nur für 0,4 Prozent der aus dem Irak stammenden und nur 9,6 Prozent der aus Syrien stammenden Objekte angenommen werden kann, dass diese sich gemäß einschlägiger EU-Verordnungen legal im deutschen Handel befinden.

"Gemessen an den strengen Ein -und Ausfuhrbestimmungen, die für antike Kulturgüter aus diesen beiden Staaten gelten, ist das ein alarmierender Befund", sagt Markus Hilgert, der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder und Leiter des Forschungsprojekt. Für Syrien und den Irak gelten strenge EU-Regeln, die den Handel mit Raubkunst unterbinden sollen.

Verdacht besteht bereits seit Jahren

Bereits 2014 hatten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichtet, dass vor allem in Münchner Galerien und Auktionshäusern Objekte aus Syrien und dem Irak feilgeboten wurden, deren legale Herkunft fraglich war. Nun wurde dies erstmals wissenschaftlich untersucht.

An der Studie waren unter anderem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie und das Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften beteiligt. Sie fordern nun ein entschiedeneres Vorgehen gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern.

So sollten sämtliche Handelspublikationen seit 1945 digitalisiert werden und verbindliche Transparenz-Regelungen wie etwa Objektdokumentationen eingeführt werden.

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