Aufnahme von SARS-CoV-2 unter einem Elektronenmikroskop | Bildquelle: via REUTERS

Bundesländer im Vergleich Hier verbreitet sich Corona am schnellsten

Stand: 22.03.2020 11:45 Uhr

Eine wichtige Kennziffer bei der Corona-Beobachtung ist die sogenannte Verdopplungszeit. Eine Analyse zeigt, in welchen Bundesländern sich das Virus besonders schnell verbreitet hat.

Von Marvin Milatz, Björn Schwentker und Jan Lukas Strozyk, NDR

Bremen, Hamburg und Bayern sind die Bundesländer, in denen die Steigerungsrate von Corona-Infizierten in dieser Woche am geringsten gewesen ist. Das ergibt eine Datenanalyse des NDR auf Grundlage der vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Zahlen (Stand: 20.03.2020). Demnach ging die Verbreitung besonders zügig in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt voran.

Die Analyse betrachtet nicht die absoluten Zahlen der gemeldeten Infektionen, sondern die sogenannte Verdopplungszeit - also die Anzahl der Tage, in denen sich die Zahl der Infizierten verdoppelt hat. Mit Hilfe einer statistischen Berechnung lässt sich dieser Wert für unterschiedliche Zeiträume vergleichen und zeigt so an, ob die Geschwindigkeit der Verbreitung in einzelnen Regionen eher zu- oder abnimmt. Das ist insbesondere für das Gesundheitssystem relevant. Denn breitet sich das Virus zu schnell aus, können die Krankenhäuser nicht mehr alle Patienten behandeln.

Bundesweit alle drei Tage eine Verdopplung

Die NDR-Analyse zieht die Verdopplungszeit der Bundesländer für die vergangenen vier Tage in Betracht und vergleicht sie mit dem Wert der vier Tage davor. Im Ergebnis sieht man, dass beispielsweise Hamburg zwar insgesamt sehr viele Corona-Fälle zu vermelden hatte, die Ausbreitung dort aber zuletzt gebremst werden konnte - auf aktuell vier Tage für eine Verdopplung der Fälle. Anders sieht es in Sachsen-Anhalt aus: Dort gibt es zwar insgesamt weniger Fälle als im Rest der Republik, dafür hat die Verbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zuletzt zugenommen: Statistisch betrachtet verdoppeln sich die Fälle alle 1,7 Tage. Der Bundesdurchschnitt liegt bei rund drei Tagen und ging zuletzt leicht zurück.

Aus dieser Verlangsamung allerdings zu schließen, dass die Gefahr in einigen Regionen bereits gebannt ist, greift zu kurz. Die Zahl der Infizierten nimmt schließlich weiter zu - nur eben unterschiedlich schnell. Dirk Brockmann forscht an der Berliner Humboldt-Universität dazu, wie sich Krankheiten ausbreiten und setzt sich auch aktuell mit dem neuartigen Coronavirus auseinander. Dem RBB sagte Brockmann: "Epidemien ausbremsen, ist wie ein Schiff stoppen zu wollen. Selbst wenn ihre Schiffsschraube unten schon gegensteuert, braucht es, bis das Schiff anfängt zu bremsen."

Zahlen haben Verzögerung

Die Verdopplungszeit ist dennoch ein wichtiger Indikator dafür, wie gut Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen wie etwa das "Social Distancing" oder die verstärkte Heimarbeit greifen. Allerdings, wie alle offiziellen Zahlen zu Corona-Infizierten, mit einer Verzögerung von einigen Tagen. Die sogenannte Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Beginn der Erkrankung, liegt bei einer Corona-Infektion bei etwa sechs Tagen. In der Regel sind Menschen, die an das RKI gemeldet werden, also schon eine Zeit lang mit dem Virus infiziert.

Die Zahl der Menschen, die tatsächlich infiziert sind, ist daher deutlich höher als offiziell vermeldet. Zumal es auch noch einige Tage dauern kann, bis die Testergebnisse vorliegen und vom zuständigen Gesundheitsamt gemeldet worden sind. Inwiefern die an diesem Freitag etwa in Bayern verhängten Ausgangssperren Wirkung zeigen, wird sich daher frühestens in einer Woche in den Verdopplungszeiten niederschlagen.

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