Eine Ampulle des Ebola-Medikaments Remdesivir wird während einer Pressekonferenz im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg gezeigt | Bildquelle: REUTERS

Corona-Medikament Wie gut ist Remdesivir?

Stand: 30.04.2020 13:01 Uhr

Ein Berater von US-Präsident Trump hat Hoffnungen geweckt, dass das Medikament Remdesivir bei der Behandlung von Corona-Patienten helfen könnte. Eine Studie liefert Hinweise.

Von Christian Baars, NDR und Markus Grill, NDR/WDR

Remdesivir heißt das Mittel, das im Kampf gegen Corona Hoffnung macht. Entwickelt wurde es ursprünglich als Medikament gegen Ebola. Dort hatte es sich aber nicht als wirksam erwiesen. Nun weckte der Berater von Donald Trump, Anthony Fauci, gestern die Hoffnung, dass es möglicherweise gegen das Coronavirus helfen könnte. Er sagte, Remdesivir habe eine "signifikante positive Wirkung bei der Verringerung der Zeit bis zur Genesung".

Treffen von US-Regierungsberater Fauci mit Präsident Trump | Bildquelle: REUTERS
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Der US-Experte und -Regierungsberater Fauci geht davon aus, dass Remdesivir gegen das Coronavirus helfen könnte.

Er bezog sich dabei auf erste Ergebnisse einer aktuellen Studie mit 1000 Teilnehmern, die in Kliniken behandelt wurden. Demnach seien Patienten, die an Corona erkrankt gewesen seien und Remdesivir bekommen hätten, durchschnittlich nach elf Tagen wieder genesen, so Fauci. Bei Teilnehmern aus einer Kontrollgruppe, die nicht das Medikament bekamen, habe es 15 Tage gedauert. Zudem seien etwas weniger der Patienten gestorben, die mit dem Mittel behandelt - allerdings sei der Unterschied nicht signifikant gewesen - also so klein, dass keine sichere Aussage getroffen werden kann.

Schnelle Zulassung möglich

Zugelassen ist das Mittel noch nicht. Laut einem Bericht der "New York Times" könnte jedoch die amerikanische Behörde FDA möglicherweise schon recht schnell eine Notfall-Zulassung erteilen. Allerdings warnen Experten vor zu großen Hoffnungen. Professor Clemens Wendtner Chefarzt der Infektiologie an der Münchener Klinik Schwabing, sagte Remdesivir zeige "zwar einen Trend für ein besseres Überleben", aber es sterbe dennoch laut der Studie jeder zwölfte Patient an dieser Erkrankung. Hier seien die Gründe in der vollständigen Auswertung genau zu betrachten.

Insgesamt beurteilte er die vorläufigen Ergebnisse jedoch positiv. "Es konnte gezeigt werden, dass COVID-19-Patienten unter einer Therapie mit Remdesivir früher aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten beziehungsweise sich schneller erholten," sagte Wendtner dem Science Media Center (SMC). An einer raschen Zulassung der Substanz bestehe deshalb aus seiner Sicht wenig Zweifel.

Wirksamkeit in Studie nach "höchsten Standards" nachgewiesen

Auch Professor Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, sagte, es habe jetzt "zum ersten Mal die Wirksamkeit einer Substanz gegen COVID-19 in einer nach höchsten Standards durchgeführten Studie nachgewiesen" werden können. Es sei deshalb mit einer raschen Zulassung von Remdesivir zu rechnen. Dennoch blieben Fragen bis zur Veröffentlichung des Endergebnisses der Studie offen. Fätkenheuer führt selbst eine Studie zu dem Mittel durch.

"Eine der wichtigsten Frage ist die, ob alle Patienten gleichermaßen von der Behandlung profitieren, oder ob die Wirksamkeit je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich ist", sagte Fätkenheuer dem Science Media Center (SMC). Davon werde entscheidend abhängen, welchen Patienten das Medikament verabreicht werden sollte. Denn es sei absehbar, dass nicht alle Patienten mit Remdesivir behandelt werden können." Es werde in absehbarer Zeit nicht genügend Wirkstoff zur Verfügung stehen.

Pekinger Studie schürt Zweifel

Zweifel an der Wirksamkeit des Mittels haben allerdings Wissenschaftler aus Peking. Sie hatten - ebenfalls gestern - Ergebnisse einer dort durchgeführten Studie veröffentlicht. Darin konnten sie keinen klinischen Nutzen feststellen. Allerdings mussten die Forscher die Studie mit weniger Teilnehmer durchführen als ursprünglich geplant, da es in China nicht mehr so viele Corona-Patienten gab, die noch behandelt werden mussten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2020 um 09:36 Uhr.

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