113 Menschen nach Impfung verstorben Fachleute geben dennoch Entwarnung

Stand: 11.02.2021 05:00 Uhr

Laut Paul-Ehrlich-Institut sind in Deutschland bislang 113 Menschen nach einer Corona-Impfung verstorben. Nach Panorama-Recherchen gibt es aber nicht einen einzigen belegten Fall, in dem die Impfung zum Tod führte.

Von Robert Bongen, Lea Busch und Johannes Edelhoff, NDR

Bislang sind 113 Menschen in Deutschland nach Corona-Impfungen verstorben - dennoch geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Entwarnung, da es keine Hinweise gebe, dass es zu vermehrten Todesfällen im Zusammenhang mit der Impfung kommt. In ihrem fünften Sicherheitsbericht listen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) akribisch Todesfälle und Mortalitätsraten im Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 auf.

Für Laien ist das 19-seitige Dokument schwer nachzuvollziehen: Geben die 113 gemeldeten Todesfälle jetzt Grund zur Sorge oder nicht? Für Thomas Mertens, Virologe und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), ist zunächst eine Zahl wesentlich: 85 Jahre. So hoch ist das Durchschnittsalter der Verstorbenen: "Wenn Sie in einer Gruppe von Menschen impfen, die sowieso ein statistisch hohes Risiko haben, in nächster Zeit zu sterben, dann kann es natürlich auch sein, dass jemand im engeren zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stirbt." Das müsse dann aber nichts mit der Impfung zu tun haben, trotzdem werde dies im Einzelfall überprüft.

Obduktion ergab Herzinfarkt als Todesursache

Etwa der Tod einer 91-jährigen Frau im hessischen Wetzlar. Die Seniorin war nach der Impfung zunächst stabil. Nachdem sie auf ihr Zimmer in einem Alten- und Pflegeheim gebracht worden war, verschlechterte sich ihr Zustand aber rapide. Der Notarzt konnte die Frau nicht mehr retten. Sie starb noch am selben Tag.

Der Rechtsmediziner Reinhard Dettmeyer obduzierte die Verstorbene, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wetzlar, um einen Zusammenhang mit der Impfung zu überprüfen - und konnte die Todesursache klären: "Wir haben bei der Obduktion nachweisen können, dass die Frau einen großen, etwa sieben mal vier Zentimeter großen frischen Herzinfarkt bekommen hat. Die Ursache des Herzinfarkts war eine hochgradige Arterienverkalkung der Herzkranzgefäße." Auch dass die Impfung die Dame zusätzlich belastet haben könnte, hält der Rechtsmediziner für unwahrscheinlich: "Dass Impfungen Herzinfarkte auslösen, ist bisher überhaupt nicht beschrieben in der Fachliteratur. Diese Frau war ohnehin hochgradig Herzinfarkt-gefährdet."

Wolfgang Schuster (SPD), zuständiger Landrat des Lahn-Dill-Kreises, in dem Wetzlar liegt, informierte fortwährend über den aktuellen Stand des Vorfalls, auch um keine Ängste zu schüren: "Ich glaube, wir sind damit sehr gut gefahren, weil Transparenz ist ja das Fundament der Glaubwürdigkeit." Er sei froh gewesen, als die Obduktion binnen Tagen Klarheit brachte, dass der Tod der 91-Jährigen nicht mit der Impfung zusammenhing. "Für die Aufgabe, die Menschen zu impfen, war das eine sehr große Erleichterung."

Ansonsten hätte es womöglich zu einem vorläufigen Stopp der Impfstoffe durch das Robert Koch-Institut oder das Paul-Ehrlich-Institut kommen können, meint Schuster. "Diese Impfungen sind ja doch sehr öffentlichkeitswirksam. Und wenn es dort zu Problemen kommt, werden auch die Behörden, die solche Impfstoffe zulassen oder überprüfen, gegebenenfalls, wenn es vermehrt zu diesen Fällen kommt, die Impfungen zunächst einmal stoppen, bis alles rechtlich aufgeklärt ist." Insofern sei er erleichtert gewesen, dass schnell alle Zweifel ausgeräumt werden konnten. Laut Sicherheitsbericht des PEI konnte bei 43 der 113 Todesfälle eine konkrete Todesursache in zeitlicher Nähe zur Impfung gefunden werden. Die Impflinge starben an Vorerkrankungen oder an einer anderen Infektionskrankheit wie etwa einer Sepsis.

Kurz nach der Impfung mit Covid-19 erkrankt

In einigen Senioreneinrichtungen kam es zudem kurz nach der Impfung zu Corona-Ausbrüchen. In einem Alten- und Pflegeheim in Leverkusen starben 18 Bewohnerinnen und Bewohner, auch in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee starben bereits Geimpfte an dem Virus. Sie waren wohl schon zum Zeitpunkt der Impfung unerkannt infiziert oder die Infizierung hat kurz danach stattgefunden.

Die Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München erklärt: "Das war einfach noch relativ kurz nach der Impfung, sodass man da von einem nicht-kompletten Impfschutz ausgehen muss." In den ersten 14 Tagen nach der Impfung baue der Körper das immune Gedächtnis erst auf. "Da besteht noch kein guter Immunschutz. Dann kann es schon passieren, dass es auch direkt nach der Impfung noch zu Ausbrüchen kommen kann."

Obduktion abgelehnt

Das Paul-Ehrlich-Institut listet aber auch 50 Todesfälle nach einer Impfung auf, bei denen die Todesursache unbekannt ist. Bei ihnen war oft eine Obduktion nicht möglich, weil die Angehörigen dies abgelehnt haben: "Viele sagen: 'Ich möchte nicht, dass meine Mutter noch aufgeschnitten wird. Die ist jetzt im Alter von 90 Jahren verstorben und das ist dann so'", sagt Protzer. Ohne Obduktion könne eine Todesursache aber oft nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Um zu prüfen, ob die Impfung einen Einfluss auf die Sterblichkeit hat, stellen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher eine Frage: Ist die Sterblichkeit erhöht im Vergleich zu dem, was man ohne Impfung erwartet, oder nicht? Wie viele Menschen sterben normalerweise in dem Alter? Dafür wird die Sterberate von Personen über 65 Jahren mit der Sterberate von Impflingen über 65 verglichen.

"Wenn man das dann vergleicht, dann ist es sogar so, dass nach der Impfung weniger gestorben sind, als man erwarten würde", sagt Virologin Protzer. "Es ist sicherlich keine erhöhte Todesrate, und deswegen kann man auch sagen, das hat jetzt nichts mit dem Impfstoff zu tun." Auch das Paul-Ehrlich-Institut kommt zu einem eindeutigen Ergebnis. Bisher gebe es keinen Hinweis, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und Todesfällen gebe. Im Gegenteil - das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist da. Davor schützt eine Impfung.

Über dieses Thema berichtete "Panorama" am 11. Februar 2021 um 21:45 Uhr.

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