Deutsche in Frankreich Mutmaßliche Islamistin aus U-Haft entlassen

Stand: 02.03.2021 13:48 Uhr

Fast eineinhalb Jahre saß die 33-jährige Nadine H. in Frankreich in Untersuchungshaft, bis sie jetzt freigelassen wurde. Gegen sie wird im Fall möglicher Anschlagspläne in Frankreich aber weiter ermittelt.

Von Eric Beres, SWR

Nach fast 17 Monaten Untersuchungshaft hat die französische Justiz eine mutmaßliche deutsche Islamistin freigelassen. Der französische Anwalt von Nadine H., Jérémie Boccara, bestätigte dem SWR, dass ein Ermittlungsrichter des für Terrorismus zuständigen "Paris Tribunal" die Freilassung seiner Mandantin angeordnet habe. "Die Verbindungen zu dem Gesamtfall sind sehr schwach. Die Ermittlungen gehen allerdings weiter", sagte er. Es sei nach wie vor denkbar, dass sie vor Gericht müsse. 

Mögliche Anschlagspläne auf Botschaft

Die heute 33-Jährige war im Oktober 2019 in Frankreich festgenommen worden. Offenbar hatte sie dort zuvor ihren nach islamischem Ritus getrauten Ehemann Mohammed E. besucht - eine schillernde Figur in der Dschihadisten-Szene. Der Mann tunesischer Herkunft wuchs in Dortmund auf, schloss sich später der Terrormiliz "Islamischer Staat" an und kämpfte von 2014 bis 2016 unter anderem in der syrischen Stadt Palmyra. Bis heute ist unklar, wie die Verbindung zwischen ihm und Nadine H. zustande kam.   

Laut Ermittlungsunterlagen, die dem SWR vorliegen, wurde gegen Mohammed E. gemeinsam mit anderen wegen möglicher Anschlagspläne auf eine europäische Botschaft auf französischem Territorium ermittelt. Auch Nadine H. galt als Beschuldigte. Die französische Justiz ließ deren Wohnung in Deutschland durchsuchen. Eine ARD-Anfrage zu den aktuell bestehenden Vorwürfen gegen Nadine H. ließ die zuständige Staatsanwaltschaft in Paris unbeantwortet.

Nach SWR-Informationen bewegte sich Nadine H. jahrelang in der salafistischen Szene. Es liefen Ermittlungen wegen Terrorismusfinanzierung gegen sie, die allerdings eingestellt wurden. Vor ihrer Liaison mit Mohammed E. war sie zudem nach islamischem Ritus mit Boban S. verheiratet. Gegen ihn hat das Oberlandesgericht Celle im sogenannten Abu Walaa-Prozess erst vor wenigen Tagen eine achtjährige Haftstrafe verhängt - wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Nach SWR-Information suchte er noch im September 2019 aus dem Gefängnis heraus Kontakt zu Nadine H..

Freilassung unter hohen Auflagen

Dass Nadine H. mehr als eineinhalb Jahre ohne Anklage in Untersuchungshaft saß, sei den vergleichsweise strengen Anti-Terrorgesetzen in Frankreich geschuldet, erklärt Anwalt Boccara dem SWR. Hinzu sei gekommen, dass seine Mandantin keine französische Meldeadresse und somit kein gesichertes soziales Umfeld für eine frühere Entlassung habe vorweisen können.

Die 33-Jährige kann nun vorerst nach Deutschland zurückkehren, müsse dort allerdings strenge Auflagen erfüllen, so ihr Anwalt. Nach SWR-Informationen soll es sich dabei unter anderem um eine Ausgangssperre handeln. Dem Vernehmen nach wird sie von deutschen Sicherheitsbehörden als "Gefährderin" eingestuft.  

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