Bundeswehr im Ausland Rund 160 Soldaten mit Corona infiziert 

Stand: 25.01.2021 12:19 Uhr

Mehr als 160 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr haben sich bislang in Auslandseinsätzen mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert. Die meisten Fälle gab es in Westafrika und dem Kosovo.

Von Florian Flade, WDR

Noch im Frühjahr vergangenen Jahres war die Bundeswehr einigermaßen zuversichtlich, was Westafrika und den Balkan betrifft. Das Übertragungsrisiko mit dem Sars-CoV-2-Virus, so stand in Papieren des Kommando Sanitätsdienstes, werde in den Einsatzgebieten in Mali, Niger und dem Kosovo als "gering" bis "moderat" bewertet. Ein "aktuell hohes Übertragungsrisiko" wurde hingegen für den Sudan, Djibouti und Afghanistan beschrieben. Mittlerweile aber hat sich die Lage geändert. Es sind vor allem die westafrikanischen Einsatzgebiete, in denen sich deutsche Soldaten mit dem Virus anstecken.

Wie die Bundeswehr auf Anfrage mitteilt, haben sich bislang 156 Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen mit dem SarsCoV-2-Virus infiziert. Davon 71 in Mali, 22 in Niger, 18 im Kosovo, 17 im Irak, elf in Afghanistan, acht in Litauen und zwei im Libanon. Rund 7000 deutsche Soldaten befanden sich im vergangenen Jahr weltweit im Einsatz, rund 1000 Soldaten sind in Mali und Niger stationiert. In Afghanistan waren bis Ende vergangenen Jahres noch knapp 1200 präsent, im Irak rund 150 und im Kosovo noch etwa 80 Soldaten.

Von den positiv getesteten Militärangehörigen seien 147 Personen mit Flugzeugen der Bundeswehr nach Deutschland gebracht worden. "Grundsätzlich hat der Schutz der Gesundheit von Bundeswehrangehörigen im Auslandseinsatz für uns höchste Priorität. Daher werden alle Angehörigen der deutschen Einsatzkontingente, die positiv auf das Virus getestet werden, schnellstmöglich nach Deutschland zurückgeführt", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Nur neun Bundeswehrangehörige seien mit einem Verlauf ohne Krankheitssymptome "aufgrund ihrer Schlüsselposition" im Einsatzland verblieben und hätten vor Ort die erforderliche Quarantäne absolviert.

Einige Einsätze zurückgefahren

Durch die Positivfälle und die teilweise dadurch notwendige Quarantäne von Kontaktpersonen in den Liegenschaften der Truppe sind einige Einsätze der Bundeswehr seit Monaten stark eingeschränkt. In aktuellen Lagebildern heißt es etwa zum Einsatz in Mali, dort sei der Auftrag nur "bedingt durchführbar", auch die Ausbildungsmission der Bundeswehr im Zentralirak lief zuletzt auf "Minimalbetrieb".

Die Corona-Situation wirkt sich zudem auf die Arbeit des Verteidigungsausschusses des Bundestages aus. Normalerweise reisen die Abgeordneten in die Einsatzländer der Bundeswehr, verschaffen sich vor Ort ein Bild der Lage und sprechen mit den Soldatinnen und Soldaten. Solche Besuche gibt es nun nicht mehr. Stattdessen kamen einige Parlamentarier im Dezember in einem abhörsicheren Raum im Bundesverteidigungsministerium zusammen und sprachen in geheimer Sitzung per verschlüsselter Videoschalte mit den Kommandeuren in Afghanistan. Weitere solcher virtuellen Fragerunden sind geplant.

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die Bundeswehr für die Kontingente der Auslandseinsätze eine präventive Quarantäneregelung eingeführt. Die Soldatinnen und Soldaten begeben sich vor der Verlegung in das Einsatzland in eine 14-tägige Quarantäne, um Infektionen auszuschließen. Und auch nach der Rückkehr ist eine Quarantäne vorgeschrieben. In den Einsatzgebieten selbst sollen die Kontakte zu Personen außerhalb des Kontingentes weitestgehend eingeschränkt werden.

Aktuell prüft das Bundesverteidigungsministerium zudem eine Impflicht für Soldaten gegen das aktuell grassierende Coronavirus. Es werde geprüft, so teilte ein Sprecher des Ministeriums vor kurzem mit, "ob und wann die Impfung gegen SARS-CoV-2 in das Portfolio der duldungspflichtigen Impfungen für die Bundeswehr aufgenommen werden kann". 

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