Ein Schild an einem Geschäft in Teheran weist die Kunden an, es nicht ohne Mundschutz zu betreten. | Bildquelle: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/Shut

Gefährder aus NRW Deutscher Islamist saß in Iran im Gefängnis

Stand: 24.08.2020 09:44 Uhr

Im Frühjahr kamen nach einer Massenbegnadigung der iranischen Regierung tausende Häftlinge aus Gefängnissen frei. Darunter war auch ein Islamist aus NRW, der nun wieder in Deutschland ist.

Von Florian Flade, WDR

Es sollte als ein Akt der Gnade verstanden werden: Im März kündigte Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei eine Amnestie für 10.000 Gefängnisinsassen an - auch für Häftlinge, die wegen politischer Taten einsaßen. Offizieller Anlass der Massenbegnadigung war das iranische Neujahrsfest. Die Maßnahme war jedoch wohl auch der Corona-Pandemie und den überfüllten Gefängnissen geschuldet. Man beabsichtige "die Zahl der Häftlinge angesichts der angespannten Situation im Land zu reduzieren", teilte ein Sprecher der iranischen Justizbehörden mit.

Vom Amnestieprogramm des iranischen Regimes profitierte nach WDR-Recherchen auch ein deutscher Islamist. Der 23-jährige Mohammed D. aus Nordrhein-Westfalen kam aufgrund der Begnadigungswelle im Frühjahr aus iranischer Haft frei und kehrte in die Bundesrepublik zurück.

Mehrjährige Haftstrafe

Der Fall gilt in Sicherheitskreisen als ungewöhnlich. Mehr als 1000 Islamisten sind nach Angaben des Verfassungsschutzes in den vergangenen Jahren aus Deutschland ausgereist, um sich Terrorgruppen in Syrien und dem Irak anzuschließen. Das Zielland von Mohammed D. hingegen soll Afghanistan gewesen sein. Im Jahr 2018 war der junge Deutsche, der laut Sicherheitskreisen in der islamistischen Szene Nordrhein-Westfalens gut vernetzt sein soll, zunächst in die Türkei und anschließend weiter in den Iran gereist. Dort wurde Mohammed D. von iranischen Sicherheitskräften festgenommen. Ein iranisches Gericht verurteilte den Deutschen im Sommer 2019 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe, unter anderem wegen illegaler Einreise.

"Wir können eine konsularische Betreuung des Betroffenen durch die Deutsche Botschaft Teheran bestätigen", heißt es knapp aus dem Auswärtigen Amt. Weitergehende Angaben wolle man nicht machen. Durch das Amnestieprogramm des iranischen Regimes kam Mohammed D. schließlich im Frühjahr 2020 frei und wurde an die Bundesrepublik überstellt. Deutsche Diplomaten waren bei der Beschaffung von Passersatzpapieren behilflich. Zurück in Deutschland befindet sich der Islamist auf freiem Fuß. Er wird von den Sicherheitsbehörden als "Gefährder" eingestuft. Das nordrhein-westfälische Innenministerium wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Fall äußern.

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