Terrorverdacht Deutscher in der Türkei festgenommen

Stand: 02.03.2021 14:12 Uhr

In der Türkei ist ein Mann aus Nordrhein-Westfalen unter Terrorverdacht festgenommen worden. Das Auswärtige Amt bemüht sich um Aufklärung, die deutschen Sicherheitsbehörden kennen die Person seit vielen Jahren.

Von Florian Flade, WDR

Bei einer Anti-Terror-Razzia in der türkischen Hauptstadt Ankara wurde offenbar ein Deutscher unter Terrorverdacht festgenommen. Der Mann soll ein Anhänger einer afrikanischen Islamisten-Gruppe sein und neben der deutschen auch die italienische Staatsangehörigkeit besitzen.  

Nach WDR-Recherchen handelt es sich bei dem Deutschen um einen 33-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der den hiesigen Sicherheitsbehörden als Person aus der radikalislamischen Szene bekannt ist. Im September 2010 soll der Islam-Konvertit versucht haben, sich in Ostafrika der Terrormiliz Al-Shabaab anzuschließen. Er war damals zunächst nach Kenia gereist und soll auf dem Weg nach Somalia gewesen sein.

Ausweisung aus Kenia

Seinen Eltern soll der Islamist damals einen Abschiedsbrief hinterlassen haben. Diese alarmierten daraufhin die Behörden. Aufgrund eines Hinweises aus Deutschland griff die kenianische Polizei den Islamisten schließlich in einem Hotel nahe Mombasa auf. Kurz darauf wurde der Deutsche des Landes verwiesen und kehrte in die Bundesrepublik zurück.

Damals gab es mehrere Fälle von Islamisten aus Deutschland, die nach Somalia ausgereist waren, um sich der Al-Shabaab-Miliz anzuschließen. Nur wenigen deutschen Extremisten soll dies tatsächlich gelungen sein - darunter einem weitereren Konvertiten aus Nordrhein-Westfalen, den die Sicherheitsbehörde noch immer in Somalia vermuten und inzwischen für einen wichtigen Akteur von Al-Shabaab halten.

Fall beim Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes soll der nun in der Türkei gefasste Deutsche nach seinem damaligen Ausreiseversuch nach Somalia weiter in der islamistischen Szene in Deutschland aktiv gewesen sein. Ob dies bis heute noch der Fall war, ist unklar. Der Generalbundesanwalt führte zeitweise ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Unterstützung der somalischen Terrorgruppe Al-Shabaab durch Geldspenden und Propaganda. Im Jahr 2016 wurde das Verfahren an die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf abgegeben, die es letztlich einstellte, weil keine ausreichenden Beweise für eine Anklage vorlagen.

Die genauen Hintergründe der jetzigen Festnahme des Deutschen in der Türkei sind bislang unklar. Sein Fall wurde in der vergangenen Woche auch im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin besprochen. Aus dem Auswärtige Amt heißt es, man gehe den Hinweisen der Festnahme nach und bemühe sich derzeit um Aufklärung.

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